Google+ PPQ: Lichtschwerter gegen Live-Berichte

Donnerstag, 3. Februar 2011

Lichtschwerter gegen Live-Berichte

Brutale Übergriffe nicht mehr nur von Ägyptern auf Ägypter, sondern jetzt auch auf unsere deutschen Journalisten. Die Gewalt in Kairo nimmt überhand, das Chaos ist außer Kontrolle, inzwischen wird gegen Reporter bereits ähnlich aggressiv vorgegangen wie im Februar 2008 beim Länderspiel gegen Österreich in Wien gegen den deutschen Nationalmannschaftstorwart Jens Lehmann. Offenbar vom alten Regime bezahlte Geheimdienstkommandos versuchten nach Erkenntnissen des ZDF, den Reporter Dietmar Ossenberg und seinen Kameramann mitten in einer Live-Übertragung mit einem Laserpointer anzugreifen. "Während der Korrespondent live aus Ägypten für das "heute journal" berichtete, richteten Unbekannte einen Laserstrahl auf das ZDF-Team", berichtet das Zweite Deutsche Fernsehen direkt von der Hotelbalkonfront, auf die Ossenberg gerade getreten war, um den Zuschauern in Deutschland mitzuteilen, was er im Al Dschasira-Livestream über die Zustände in Kairo erfahren hatte.

"Zum Zeitpunkt der Attacke", lässt der Sender die unfassbaren Ereignisse in der "Welt" Revue passieren, "befindet sich Ossenberg auf dem Balkon seines Hotelzimmers, in das er sich aus Sicherheitsgründen einquartiert hat". Ossenberg habe der Zuschauern gerade die Lage in der ägyptischen Hauptstadt geschildert, die die noch letzte Woche favorisierten Berichte von der "Gorch Fock" in der Medienhitparade recht unverhofft abgelöst hat, als "ein Unbekannter die ZDF-Journalisten ins Visier nimmt".

Ein Live-Angriff mit Lichtschwertern, wie sie im Elektrohandel erhältlich sind, das hat es in der deutschen Fernsehgeschichte zumindest bei einem Auswärtsspiel in Ägypten noch nicht gegeben. Der erfahrene Reporter reagierte dennoch geistesgegenwärtig. Das ZDF rekapituliert: "Er ruft seinem Kameramann zu: "Jetzt machen wir das Licht aus!" Dunkelheit als Tarnkappe gegen die Lichtschützen.

Ein raffinierter Plan. "Zügig", aber ganz im Sinne des Bundesinnenministers ohne jede Panik, hätten Reporter und Kameramann dann "Balkon und Fensterfront" verlassen. Die Zuschauer sahen noch, wie die Kamera ins Hotelzimmer schwenkt, dann wird der Bildschirm dunkel.

An der Heimatfront, im Studio in Mainz, herrscht namenloses Entsetzen. Laserpointer sind bisher als Kriegswaffe noch kaum erforscht. "Die Streuung ist gering, das macht Laser so kritisch", sagt Heiko Weidling, der Laserschutzbeauftragte der Universität Stuttgart. Es sei schwierig, ein Auge im richtigen Winkel zu treffen, gelänge das aber, können "Sinneszellen dabei so stark gereizt werden, dass sie Minuten oder gar Stunden brauchen, um sich zu regenerieren."

Deutschland wäre ohne Auge und Ohr in Ägypten, das Mitbangen bei den Schlägereien zwischen "Anti-Mubarak-Gegnern" (Antonia Rados) und "Mubarak-Leuten, die offenbar vom Regime bezahlt werden" (ARD) wäre kaum noch möglich. Moderatorin Marietta Slomka, die vor einiger Zeit noch "Afrikas Schätze" entdeckt hatte, sagt denn laut "Welt"-Protokoll auch "sichtlich verstört": "Dann beenden wir die Schalte jetzt an dieser Stelle. Und Sie passen auf sich und Ihre Kollegen bitte gut auf." Herzen überall in der Republik schlagen schneller. In Gedanken ist Deutschland in Kairo.

Zur minutiösen "Spiegel"-Mitschrift des gewalttäigen Laserangriffs, noch mehr zu spät gekommene Experten im Vollrausch bei Broder.

Lichtschwerter in Aktion:

Kommentare:

vakna hat gesagt…

Angriff mit Laserpointer - so wie in Berlin, wo die Guten die Polizeischergen des Imperiums blenden wollten?

vakna hat gesagt…

Oder war das doch woanders?
Na egal, auf alle Fälle in Europa.

apollinaris hat gesagt…

Jetzt gehts wenigstens auch den furchtbaren deutschen Journalisten in Kairo an den Kragen, die rund um die Uhr nur Stuß verzapfen und “die Revolution feiern”, die “wir doch unterstützen müssen”. Eine war im Hörfunk sehr erschüttert, dass der nette Otto Normalägypter von letzter Woche, der noch unter der Furcht vor Mubarak stand und deshalb besonders freundlich zu weißen Ausländern sein musste, um die Tourismuswirtschaft nicht zu gefährden, plötzlich Fäuste reckend meinte “ja, jetzt habt Ihr Angst, geht doch nach Hause in das Land, wo Ihr hergekommen seid!”.

Und eigentlich hat Otto Normalägypter recht.

VolkerStramm hat gesagt…

Geh doch zuhause
Du alte Scheiße
geh doch zuhause wo Du wohnst

Oels hat gesagt…

Ich hab grad mal "Dietmar Ossenberg" gegoogelt. Auf Seite vier folgendes Ergebnis: "Du suchst den Abenteuer Aegypten Mit Dietmar Ossenberg unterwegs Klingelton? Hier findest Du alle MP3 Handy-Klingeltöne von Abenteuer ..."

ppq hat gesagt…

das zdf hat auf die menschenverachtende attacke reagiert und alle seine leute aus ägypten abgezogen. komisch, nach den berichten, die dort kamen, dachte ich bis gestern, die hätten gar keine leute dort gehabt.

nwr hat gesagt…

Bei dem Riesenapparat an Menschen, den das ZDF hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß sich momentan auch ein paar in Ägypten tummeln. Unabhängig von Mubarak, zu anderen Recherchen (vielleicht über Nilkrokodile o.ä.)

Ansonsten ist es natürlich erschütternd, welch Opfer unsere tapferen Kriegsberichterstatter bringen müssen. Sie sollten in Berlin ein Mahnmal erhalten, gleich neben den Homosexuellen.

VolkerStramm hat gesagt…

„... dachte ich bis gestern, die hätten gar keine leute dort gehabt.“

Doch, doch, die haben welche. Irgendjemand muss uns ja authentisch über die Leiden des arabischen Volks von Palästina berichten.
Ihre Texte könnten die zwar auch in Mainz produzieren (hier die Anleitung), aber in Ägypten ist besseres Wetter.

vakna hat gesagt…

Ehrlich gesagt habe ich mich jedesmal beeumelt, als in den Medien entsetzt über die "Übergriffe auf Medienvertreter" berichtet wurde.
Das haben sie sich redlich verdient!

pisaner hat gesagt…

Michael von der WELT und sein Freund hatten sich das Berichten aus Kairo auch anders vorgestellt.

http://www.welt.de/politik/ausland/article12413306/Wie-ich-der-Revolution-zu-nahe-kam.html?wtmc=plista