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Mittwoch, 2. März 2011

Moral fürs Ministerium

Angela Merkel wusste genau, dass dieser Schuss treffen muss. Der auch für die ehemalige Klimakanzlerin überraschende Abgang des beliebten Verteidigungsministers Karl Guttenberg hatte die Bundeswehr schwerer beschädigt als alle Angriffe der Taliban, das Heer ist ziellos, hoffnungslos, die Verbündeten sind alarmiert und in der Koalition knirscht es hörbar. "Solange die Frage nach einem Nachfolger nicht überzeugend beantwortet ist", schreibt der "Spiegel" in einer noch unveröffentlichten Nullnummer, "kommt mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen keine Ruhe auf."

Wieder ein Beitrag, der umgeschrieben werden muss. Denn markierte der Rücktritt des Verteidigungsministers noch einen Moment, in dem "Bild, Bams und Glotze" (Gerhard Schröder) den Kürzeren zogen gegen den heiteren Anstand der Wissenschaft, so bringt Merkel mit der überraschenden Berufung der ehemaligen EKD-Vorsitzenden Margot Käßmann Moral zurück in die Truppe.

Als Nachfolgerin des oft als Selbstdarsteller kritisierten Freiherren war die frühere evangelische Landesbischöfin, die ihren Doktortitel nach ersten Prüfungen der Internet-Community völlig zurecht trägt, für Merkel erste Wahl. Käßmann habe nicht nur in der Afghanistan-Frage eine große Sachkenntnis, sie stehe auch für ein beharrlichen Streben zum Ziel, Frieden zu schaffen ohne Waffen, hieß es aus Unionskreisen. Das decke sich mit den Aufgaben, die die Bundeswehrreform in den kommenden Jahren erfüllen müsse. Zudem könne die Kanzlerin damit zeigen, dass es in der Frage der konsequenten Durchgenderisierung der Politik keine Erbhöfe gebe. Wenn schon trotz beharrlicher Forderungen nach einer Frauenquote für die Chefetage der Dax-Konzerne kein einziges Bundesunternehmen von einer Frau geführt werde, so gebe das Verteidigungsministerium künftig ein gutes Beispiel dafür ab, wie Merkel für immer mehr Gleichberechtigung eintreten wolle.

Käßmann selbst, die es kürzlich aus moralischen Gründen abgelehnt hatte, einen Preis für den besten Rücktritt des Jahres 2010 anzunehmen, zögerte diesmal keine Sekunde, sich der Aufgabe zu stellen. „Wir müssen dahin gehen, wo die Menschen sind“, sagte sie dem Tüv Nord. Verglichen mit der Führung der bundesweit größten evangelisch-lutherischen Landeskirche mit 3,3 Millionen Mitgliedern sei die Leitung des Verteidigungsministeriums mit zur Zeit weniger als 10.000 Soldaten im aktiven Fronteinsatz "beherrschbar". "Dieser Krieg ist so nicht zu rechtfertigen", ist die früher als "spritzig-charmant" bezeichnete Politikerin sicher. Ihr Ziel als Ministerin sei der Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan. Der Kampf gegen Waffen- und Drogenhandel müsse aber weitergehen, etwa durch Gespräche mit den Taliban.

Mit einem großen Wachaufzug am Grab des unbekannten Soldaten in Berlin, zu dem das Verteidigungsministerium wie immer keine Kameras zugelassen hatte, ist Margot Käßmann inzwischen von Guttenbergs Vorgänger Franz Josef Jung ins Amt eingeführt worden. (Foto oben)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hurra, Gott ist mit uns!

ppq hat gesagt…

immer!