Google+ PPQ: Faktencheck: So falsch liegt Bertold Brecht

Sonntag, 8. April 2012

Faktencheck: So falsch liegt Bertold Brecht

Bertolt Brecht hat in seinem umstrittenen Gedicht "Lob der Partei" eine Reihe von Behauptungen aufgestellt. Die Deutsche Presse-Agentur hat sie anhand von öffentlich bekannt gewordenen Fakten und Aussagen überprüft:

Lob der Partei

Der Einzelne hat zwei Augen
Die Partei hat tausend Augen.
Die Partei sieht sieben Staaten
Der Einzelne sieht eine Stadt.
Der Einzelne hat seine Stunde,
Aber die Partei hat viele Stunden.
Der Einzelne kann vernichtet werden,
Aber die Partei kann nicht vernichtet werden.
Denn sie ist der Vortrupp der Massen
Und führt ihren Kampf
Mit den Methoden der Klassiker, welche geschöpft sind
Aus der Kenntnis der Wirklichkeit.

Der Einzeltest:

Der Einzelne hat zwei Augen?

Ja. Brecht hat recht. Nach amtlichen Angaben verfügt die Mehrzahl der heute auf der Erde lebenden Menschen über zwei Augen. Dass es Ausnahmen gibt, gilt als sicher. Seriöse Medien haben bereits über Details berichtet und Statistiken genannt. Diese sind erwartungsgemäß nie offiziell bestätigt worden. Auch Äußerungen von US-Regierungsmitgliedern legen nahe, dass es entsprechende Zahlen gibt.

Die Partei hat tausend Augen?

Ja und nein. Die Parteien bestreiten die exakte Zahl, die Brecht angibt. Auch die Bundesregierung geht davon aus, dass die Angabe nicht stimmt. Experten versichern jedoch, dass die Partei je nach Mitgliederzahl mehr Augen als der Einzelne habe.

Die Partei sieht sieben Staaten?

Nein. Brecht bleibt hier nebulös, er erwähnt nicht, welche sieben Staaten gemeint sind. Die Reiche der sieben unterirdischen Könige? Die Bundesländern nach einer Fusion von 16 zu sieben?

Der Einzelne sieht eine Stadt?

Unklar. Wohnt der Einzelne in einem Dorf, sieht er sogar nur ein Dorf, überfliegt er die Republik, könnte er hingegen mehrere Städte sehen. Offiziell zugegeben wurde dies nie, weil sonst internationale Kontrollen zugelassen werden müssten.


Der Einzelne hat seine Stunde?

Nein. Hier irrt Brecht. Der Einzelne hat rein statistisch betrachtet zirka 674.000 Stunden.

Aber die Partei hat viele Stunden?

Meisterhaft, wie der Dichter ausweicht. "Viele Stunden" ist so unklar formuliert, dass es in jedem Fall stimmt. Die Bundesregierung äußert sich zu dieser Frage nicht.

Der Einzelne kann vernichtet werden?

Völlig korrekt. Es geht, das ist geschichtlich erwiesen.

Aber die Partei kann nicht vernichtet werden?

Falsch. Brecht geht sich selbst in die Falle. Die Zahl der vernichteten Parteien ist weltweit zwar weitaus geringer als die Zahl der vernichteten Individuen. Gerade in den letzten Jahrzehnten aber kam es zu einem globalen Parteiensterben, das prominente Opfer wie die KPdSU, die Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, aber auch die spanische Faschistenpartei Movimiento Nacional zählt.

Denn sie ist der Vortrupp der Massen?

Unklar. Wären Parteien der "Vortrupp der Massen", wie Brecht angibt, bliebe den Medien kaum etwas zu tun. Die Bundesregierung äußert sich zu dieser Frage nicht.

Die Partei "führt ihren Kampf mit den Methoden der Klassiker"?

Umstritten ist bereits, was Brecht mit "Klassiker" meint. Wagner? Beethoven? Mozart? Freud? Machiavelli? Hobbes? Schmitt? Die Bundesregierung äußert sich zu dieser Frage nicht. Der Dichter selbst ist diesbezüglich stets im Ungefähren geblieben, er verriet allerdings, dass die Methoden der Klassiker

"geschöpft sind aus der Kenntnis der Wirklichkeit". Stimmt das wenigstens?

Nein. Wie Hobbes, Adenauer, Schäuble und Merkel waren auch John Locke und Jean-Jacques Rousseau im Grunde nur Vertragstheoretiker. Sie alle nahmen an, dass Individuen sich aufgrund von natürlichen Interessen aus freiem Willen zusammenschliessen, um eine legitime staatliche Ordnung zu organisieren, in der die jeweilige Bundesregierung dann aufgrund ihres höheren Wissensstandes tun kann, was sie will. Die Bundesregierung äußert sich zu dieser Frage nicht.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Horst Schäfer, ADN

Zunächst Horst Schäfer, der zusammen mit seiner Frau Ilse Schäfer, ebenfalls Journalistin, das Bonner Büro des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes ADN führte. Geboren wurde Schäfer 1930 nicht auf dem Gebiet der späteren DDR, sondern in Detmold/Lippe in Nordrhein-Westfalen. Er studierte Journalistik und arbeitete seit 1955 als Journalist und Fotoreporter.