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Sonntag, 26. August 2012

Diskriminierung: Nacktverbot am Pranger

Brüste, Bäuche, Schwänze: Wenn sich Nudisten in Europa öffentlich zu ihren Vorlieben bekennen, werden sie benachteiligt - zum Teil sogar per Gesetz. Anstatt gegen antinudistische Vorurteile vorzugehen, leisten Politiker diesen im Kampf um Wählerstimmen sogar noch Vorschub, kritisiert Amnesty International in einem Bericht.

Viele europäische Staaten müssen nach Ansicht von Amnesty International ihre Anstrengungen im Kampf gegen antinudistische Vorurteile verstärken. So werden Nudisten einem Bericht zufolge in mehreren Ländern wegen gesellschaftlicher und religiöser Traditionen im Alltag benachteiligt.

Die Menschenrechtsorganisation verweist dabei unter anderem auf nationale Gesetze oder regionale Regeln, die etwa das öffentliche Nacktwandern unabhängig von den herrschenden Temperaturen verbieten, unter anderem in Frankreich, Belgien und Deutschland. Die Einschränkungen gingen soweit, dass betroffene sich nicht einmal in ihren eigenen Wohnungen nackt ins geschlossene Fenster stellen dürften. In Deutschland reagiere die Staatsmacht mit fragwürdigen Rechtsvorschriften wie der „Erregung öffentlichen Ärgernisses“, obwohl das Nacktgehen keineswegs eine „öffentliche sexuelle Handlung“ sei, wie sie der im Kaiserreich geborene Paragraph 183 Strafgesetzbuch unter Strafe stellt. "Es gibt keinen Zweifel daran, und es ist ganz sicher auch nicht neu, dass viele Nudisten diskriminiert werden", sagte John Dalhuisen, Europa- und Zentralasien-Chef von Amnesty, bei der Vorstellung des Berichts in Brüssel.

Nudistische Frauen würden oftmals von Arbeitgebern wegen ihrer Kleidungsgewohnheiten nicht eingestellt, sagte der Amnesty-Experte für Diskriminierung, Marco Perolini. Mädchen würden wegen fehlender Kleidung am Schulbesuch gehindert. Nudistische Männer müssten ihrer sichtbaren Bäuche und der baumelnden Genitalien wegen mit Benachteiligungen rechnen. Der Rechtsgrundsatz, dass die auf Glaubensgrundsätzen ruhende Kleiderordnung eines Menschen keine Benachteiligung verursachen dürfe, erweise sich als wirkungslos, sagte Perolini. In einigen Ländern werde es Mädchen ausdrücklich verboten, nackt auf die Straße zu gehen - insbesondere hat die Organisation dabei Frankreich, die Türkei und Deutschland im Blick. Ein solches "Kleidungsverbot" sei "kein guter Ansatz".

Amnesty appelliert an die Regierungen, keine gesetzlichen Restriktionen auszusprechen und es jedem zu ermöglichen, seinen Glauben frei auszuleben. "In vielen Ländern Europas ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Nudismus akzeptabel ist, solange Nudisten nicht allzu sichtbar sind", beklagte Perolini. Die Politik sei in der Pflicht, solchen Einstellungen entgegenzutreten. Denn: "Kleidung zu tragen oder nicht zu tragen, gehört zum Recht des Menschen auf freie Meinungsäußerung."

Beim Bau von Nacktwanderwegen und FKK-Stränden habe vor allem Deutschland seit 1990 strenge Regulierungen eingeführt. Damit bestärke sie antinudistische Vorurteile und stelle sich gegen internationale Verpflichtungen. Im spanischen Katalonien gebe es ähnliche Probleme. Dort müssten Nudisten wegen eines Nacktbade-Verbots oft in Badehose ins Wasser gehen, ehe sie sich dort entkleiden können.

Der Bericht befasst sich vor allem mit der Situation von Nudisten in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien und in der Schweiz und legt laut Amnesty zahlreiche Fälle von Diskriminierung offen. "Nudisten werden dafür verantwortlich gemacht, wenn ihnen etwas passiert", erzählt etwa ein Nudist, der in der Schweiz lebt. Deshalb seien sie häufig direkten Anschuldigungen auf der Straße, aber auch versteckter Diskriminierung ausgesetzt. "Mir wurde bei Vorstellungsgesprächen schon gesagt, sobald sie meine Geschlechtsteile gesehen hatten: 'Sie können sich gleich wieder umdrehen, wir wollen Ihre Zeit nicht vergeuden'", sagte Hajare Boutatat, eine junge belgische Mutter, bei der Präsentation des Berichts in Brüssel.

Statt gegen anti-nudistische Vorurteile vorzugehen, leisteten Parteien und Politiker ihnen im Kampf um Wählerstimmen oftmals Vorschub, kritisiert Amnesty. In Frankreich hatte die fremdenfeindliche Partei Front National bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am Wochenende das beste Ergebnis ihrer Parteigeschichte geholt, obwohl sie sich nicht für die Rechte von Nacktwanderer stark gemacht hatte. Auch in der Schweiz votierte die Bevölkerung 2009 nicht für ein Gleichgestellungsgebot für Nackte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Früher war das ganz anders. Als z.B. der Kaiser seine neuen Kleider der Öffentlichkeit vorstellte, war das Volk ganz begeistert und lobte sein Adamskostüm über alle Maßen. Nur ein kleiner Junge fand den Kaiser gar nicht chic. Er zeigte auf den dicken Schmerbauch des Herrschers und streckte ihm die Zunge heraus. Aber das gläubige Volk ließ sich davon nicht beirren. Alle wollten sie so schön sein wie der Kaiser. Das waren noch herrliche Zeiten für Nudisten!

Christian Campe hat gesagt…

Werter Anonymer Schreiberling. Scheinbar scheinst du die Geschichte um des Kaisers neuen Kleider nicht zu kennen oder nur die einer der verdrehten DKP oder NPD Formen.

In der Urgeschichte geht es nur darum das ihm ein paar "Eulenspiegel" Anhänger ein Kledungsstück verpassen, welches eben nur sehen können die einen hohen IQ haben. Ja und weil eben Erwachsene da immer von sich ausgehen einen solchen zu haben, vor allem ja Klüger als die Kinder auch immer zu sein, schwiegen sie. Nur eben ein Kind was eben dieses Schweige Gelübte nicht kannte, schwieg dann nicht und schrei frei raus was es eben sah und mit nichten streckte es dabei die Zunge heraus.
Neueren Erzählungen hat dann besagter Kaiser ja auch noch Unterwäsche an. Wobei dies eigentlich so auch zu der Zeit wo die Geschichte erfunden wurde der Fall gewesen sein dürfte. So mit der Junge nicht hätte ausrufen können das der Kaiser ja Nackt wäre.