Google+ PPQ: Fake News von der EU-Kommission: Timmermanns Plastik-Märchen

Donnerstag, 18. Januar 2018

Fake News von der EU-Kommission: Timmermanns Plastik-Märchen

Zur Begründung für die neue Plastikverordnung greift EU-Kommissar Frans Timmermanns auch schon mal zur Fake News.
"Wenn wir nicht ändern, wie wir Plastik produzieren und nutzen, wird es 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen geben", warnte der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, bei der Vorstellung der neuen EU-Strategie zum Kampf gegen eben jenen Plastikmüll. Der ist dringend, denn die Vermüllung der Meere schreitet voran. Zuletzt wurden an entlegensten Mittelmeerstränden sogar schon Plastikkugelschreiber gefunden (oben), die laut Aufdruck direkt aus der Brüsseler EU-Werbemaschine stammten.

Doch gerade im Zeitalter von Fake News und alternativen Fakten stellt sich die Frage: Wie recht hat Timmermanns mit seiner Behauptung, schon in 32 Jahren werde mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen der Erde schwimmen?

Nun - er hat gar nicht recht, er hat das erfunden, sich spontan ausgedacht oder einfach mal so gesagt, weil es passend und richtig klingt. Dienst der Sache, ist aber falsch, ohne dass die nach Monaten harten Kampfen gegen Trump und andere Feinde der Wahrheit inzwischen wieder ein bisschen fußlahm gewordenen "Faktenchecker" der Amtsblätter und Staatsfunkredaktionen es bislang gewohnt schonungslos aufdecken konnten.

Denn angesichts von 1,4 Milliarden Tonnen Fisch in Meeren und Seen und gerademal 100 bis 150 Millionen Tonnen Kunststoffabfall, der sich dort nach Angaben des Umweltbundesamt im Jahr 2013 befand, müssten ab sofort jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Plastikabfall neu in die Ozeane gelangen, um Timmermanns Horrorfantasie wahr werden zu lassen. Selbst nach Zahlen der UN-Umweltorganisation UNE beträgt die "Gesamtmenge der in die Ozeane entsorgten Kunststoff-Frachten" (FR) derzeit nur fünf bis 13 Millionen Tonnen jährlich - gute zwei Drittel zu wenig, um Timmermanns apokalyptische Voraussage wahr werden zu lassen.

Bis 2050 mehr 1,4 Milliarden Tonnen Plastik in die Meere zu bringen, ist zwar prinzipiell machbar, scheint aber angesichts einer erst im Oktober 2017 veröffentlichten Schätzung deutscher Hydrologen, nach der derzeit pro Jahr nur zwischen 400.000 und vier Millionen Tonnen Plastik neu in die Weltmeere gelangt, relativ unrealistisch. Nicht nur, weil sich die im Meer zu verklappende Plastikmenge damit schlagartig etwa verzehnfachen müsste, sondern auch, weil es dazu erforderlich wäre, ab sofort etwa ein Viertel der jährlichen Plastik-Produktionsmenge direkt der Verwendung als Kunststoffabfall für das Meer zuzuführen.

Denkbar ist zwar auch das, die EU-Kommission könnte natürlich eine entsprechende Verordnung erlassen, die die Mitgliedsstaaten umsetzen müssten. Es scheint aber angesichts der begeisterten Medienreaktionen auf die EU-Initiative zur Verminderung von Plastikabfall fast unmöglich, dass Brüssel mit einer solchen Idee durchkäme.


Kommentare:

Casper von Milz hat gesagt…

Nicht alle Kunststpffe sind dauerhaft chemisch stabil. Plastiktüten lösen sich nach ein paar Jahren auf, weshalb sie sich auch nicht zur Archivierung eignen. Der Bedarf an Lügen wird aber durch solche Maßnahmen befriedigt.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht ist es sinnvoller mal die Frachter aufzubringen die Plastik (Plaste und Elaste) in die Meere verkippen anstatt Herrn Hinz und Frau Kunz das altbekannte NylonEinkaufsNetz aufzuzwingen.

Die einzige Begründung für das fortschreitende Verbot von Plastetüten ist anscheinend "Plastik im Meer". Wenn man die Verklappung stoppt gibt es keinen Grund gegen Plastikmüll zu sein. ...außer man ist generell gegen Konsum auf dem Niveau des 21. Jahrhunderts....

Carl Gustaf hat gesagt…

Im Zusammenhang gedacht: bei steigender Menschzahl ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass sowohl die Fischzahl als auch die Reproduktionsrate der Fische deutlich nach unten sinkt. Vielleicht weiss das der Frans auch. Das Problem muss dann aber anders benannt werden, z.B. "wachsende Überbevölkerung der Erde", die dann wiederum auch für das Plastikproblem (und einige andere Probleme) verantwortlich ist.