Google+ PPQ: PPQ plus: Der "Do-it-yourself-Fakecheck"

Donnerstag, 18. April 2019

PPQ plus: Der "Do-it-yourself-Fakecheck"

Echt oder Fake? SPD-Justizministerin Katarina Barley ist für Uploadfilter, ihre Partei war dagegen. Wirklich? Wirklich? Nein, Barley ist natürlich dagegen, ihre Partei aber wird zustimmen.

Gerade im Wahlkampf werden gezielt Falschmeldungen verbreitet - auch jetzt vor der EU-Wahl. Doch bereits mit wenigen Klicks können diese oft ganz einfach enttarnt werden. PPQ+, bereits seit August 2017 aufgenommen in den elitäten Kreis der deutschen Faktenchecker um Annetta Kahane und das Kollektiv von Correktiv, gibt zum Start des Wahlkampfes mit ein paar Tipps, wie Wählerinnen und Wähler im Gewimmel vermeintlicher Nachrichten schnell herausfinden können, was wahre News und was von interessierten Kreisen lancierte Falschnachrichten sind.

Wenn Spiegel, Welt, Süddeutsche, Handelsblatt, Tagesschau und all die anderen Leitmedien das Gleiche melden, können Leser+innen eigentlich mit Fug und Recht davon ausgehen, dass das ja dann wohl stimmen muss. Es klingt auch so, wie man es erwartet, als Deutscher, wenn man traurig durch die Welt schaut und feststellen muss, dass nicht alle Regierungen so klug und weitsichtig, liberal und umweltfreundlich handeln wie die heisige. Umso größer aber ist die Enttäuschung und manchmal auch das Entsetzen, wenn sich herausstellt, dass eine allgemein als serös eingeschätzte und von den Behörden auch bestätigte Quelle Falschnachrichten verbreitet.

Das Wichtigste vorab: Skepsis ist immer angebracht! Die Ursache für erfundene Nachrichten, aufgeblasene Nicht-News und überscharf zugespitzte vermeintliche Enthüllungen liegt in der Aufmerksamkeitsökonomie, in der sich auch große Medienhäuser wie "Spiegel", "Süddeutsche" und "Stern" gezwungen sehen, mit Hilfe von oft ausgedachten, meist aber einfach nur besonders aufwendig verfälschten Exklusivmeldungen Leser anzulocken. Wer hier am lautesten schreit und die spitzeste These verbreitet, Ereignisse am härtesten verballhornt und Nachrichten am SEO-gerechtesten verkaufen kann, kassiert den Großteil der Aufmerksamkeit. Das führt gelegentlich zu Irritationen, wenn im Publikum auffällt, dass Nachrichten nicht stimmen. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit aber leidet nicht, weil dieselben Adressen, die die Falschnachrichten verkündet haben, das sogenannte Faktenchecken inzwischen als Nachfolgegeschäft entdeckt haben. Die neue Dienstleistung enthüllt wechselseitig, wer wo was falsch abgeschrieben hat. Das stärkt die Demokratie.


Das zeigt schon ein einfaches Beispiel, entnommen dem Internetangebot des häufig als "seriös" bezeichneten öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ZDF. Der kündigte jetzt in einem Beitrag an, Usern helfen zu wollen, "den Durchblick" (ZDF) zu behalten, denn das sei im "Europawahlkampf" besonders dringend nötig. Nutzer, die nun nicht besonders sensibilisiert sind, weil sie Webangebote wie PPQ zum Gegencheck einsetzen, könnten nun glauben, dass eine "Europawahl" ansteht - zumal vermeintlich ernsthafte Quellen wie der Bundeswahlleiter ebenfalls von einer "Europawahl" sprechen. 

Unabhängig von fehlenden Wahrheitsgehalt des Begriffes sind Faktenprüfer bisher noch nicht zum Ergebnis gekommen, dass es sich dabei um einen Propagandabegriff handelt, der Nicht-EU-Europäern, immerhin die Mehrzahl aller auf dem Kontinent lebenden Menschen, das Recht abspricht, Europäer zu sein. Selbst Regierungsbroschüren und Parteiwahlprogramme beteiligen sich an dieser Diskreditierung von Millionen und Abermillionen Mitbürgern, die damit zu Europäern zweiter Klasse abgestempelt werden. Nutzer, die das als falsch anprangern und explizit Änderungen fordern, werden ignoriert und selbst in Verruf als sogenannte Meinungsgefährder in Verruf gebracht.

Die Lüge von der "Europawahl" 


Vor allem in den durchdemokratisierten Westgebieten Deutschlands hat die vor einem Jahr aus Innen- und Justizministerium angestoßene Kampagne zur Erfindung und nachfolgenden Bekämpfung von Falschnachrichten damit durchschlagende Wirkung entfaltet. Ohne jemals auch nur an einem Beispiel nachgewiesen zu haben, dass Fake News irgendeinen relevanten Einfluss auf eine isolierte politische Debatte oder gar das gesamte gesellschaftliche Leben nehmen können, glaubt die Mehrzahl der Deutschen inzwischen den gebetsmühlenartig wiederholten Beteuerungen von Spitzenpolitikern, dass es sich bei den Wahlen zum EU-Parlament um eine tatsächliche "Europa-Wahl" handelt.

Die es faktisch in Wirklichkeit gar nicht gibt. Nur 27 (oder - mit Großbritannien 28) der 49 europäischen Staaten werden am 26. Mai ein "Europaparlament" wählen, das - je nach britischer Beteiligung - auch nur 510 oder aber 460 der 741 Millionen Europäer vertreten wird, weil es sich um eine EU-Wahl handelt, nicht um eine "Europa-Wahl", wie die Vorbeter eines ressentimentbeladenen EU-Alleinvertretungsanspruches als "Stimme Europas" behaupten, die damit Norwegern, Ukrainern, Albanern, Russen und Schweizern deren Europäischsein absprechen.

Solche semantischen Tricks verfangen gerade in Wahlkämpfen besonders gut. Auch wenn der Wahlkampf noch nicht begonnen hat, ist das Netz voll von Posts, Zitaten und Kampagnenvideos von Politikern und Parteien, deren Wahrheitsgehalt oft noch weit unter der des ehemaligen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel ("Im Bett, im Job und im gedruckten feht - Wer nicht lügt, verliert") liegt. So hat die SPD offiziell ein Programm mit dem Titel „Kommt zusammen und macht Europa stark“ beschlossen, mit dem sie erklärtermaßen auch auf Wähler aus dem "Pack" im dunkeldeutschen Osten schielt.

Im Wahlkampf, der ohnehin kaum stattfindet, spielen Fake News dieser amtlichen Art keine Rolle, Wie Netzzensur und Beschneidung der Meinungsfreiheit werden Übereinkünfte über richtige Falschnachrichten von keiner Partei thematisiert. Mit Erfolg: Nur ganze acht Prozent der Bürger sind noch der Ansicht, dass zum Recht auf freie Meinungsäußerung auch das Recht gehört, Dinge zu Glauben und Ansichten zu vertreten, die von anderen abgelehnt werden. Interessanterweise ist der Anteil dieser verstockten Grundgesetzgläubigen in den wirtschaftlich verheerten  Ost-Ländern mit 17 Prozent deutlich höher als in den alten (7 Prozent) und auch bei Männern (12 Prozent) als bei Frauen (5 Prozent).

Enttarnte Fake News


Schon die Überschrift aber lässt sich durch kluges googeln schnell als sogenannte Fake News enttarnen, denn der Schwerpunkt der politischen Absichten der Reste der organisierten deutschen Sozialdemokratie liegt keineswegs bei "sozialen Themen, einer Besteuerung von Großkonzernen sowie einer langanhaltenden Sicherung des Friedens". Sondern beim Versuch, der unaufhaltsam scheinenden Niedergang der ältesten deutschen Partei wenn nicht zu stoppen, so doch durch populistische Anbiederung an die Abgehängten zu verlangsamen.

Auch als normaler User ist man dem Treiben von üblen Propagandisten im Netz also nicht völlig hilflos ausgeliefert. Was aber ist wahr, was ist falsch, wer streut gegebenenfalls absichtlich Falschinformationen und zu welchem Zweck? Und wo lässt sich herausfinden, was Populisten mit frei erfundenen Behauptungen etwa vom "Zusammenwachsen Europas vor siebzig Jahren" meinen und wieso sie den Eindruck erwecken wollen, dass der 1949 gegründete Europarat identisch ist mit der erst viel später gegründeten EU.

Vorsicht geboten ist auch bei Fotos: Sind die wirklich echt? Hat sich jeder an die Anweisungen gehalten, die etwa die CDU für die von ihr angebotenen Werbefotos erlässt: "Jegliche Veränderung der Bilder durch Bildbearbeitung oder sonstige technische Hilfsmittel oder eine Bildverfälschung ist untersagt. Die Bilder dürfen nicht für satirische oder diffamierende Zwecke verwendet werden." Oder gilt doch die vom CDU-Urheberrechtsexperten Axel Voss erlassene Generalerlaubnis, dass man den Befürchtungen zum Verbot von Remixen, Satiren Memes und Co. durch das neue restriktive EU-Urheberrecht mit Ausnahmeregelungen begegnet sei und sie deshalb erlaubt blieben.

Mit bizarren Behauptungen auf Klickjagd


Nachschauen, wach bleiben, sich nicht einlullen lassen von bizarren Behauptungen, die meist nur aufgestellt werden, um möglichst viele Klicks zu generieren. Wenn Fernsehsender, die sich "n-tv" (abgekürzt von "Nachrichten-TV") nennen, abgestandene Märchen von Russlands Wahlbeeinflussung in westlichen Staaten wiederholen, um krude Thesen zu verbreiten, nach denen der Kreml sich "nach Erkenntnissen europäischer Geheimdienste" auch in den Europawahlkampf einzumischen versuche, dann hilft es, sich klarzumachen, dass es - siehe oben - einen "Europawahlkampf" gar nicht gibt, weil das Parlament der Europäischen Union sich zwar "Europäisches Parlament" nennt. Die entsprechenden Marke beim deutschen Patent- und Markenamt aber bis zur Löschung im Jahr 2001 "Tabakerzeugnisse" bezeichnete.


Wiederholung aber schafft Fakten, so falsch sie auch sein mögen. So wurde zum Beispiel der öffentliche Eindruck erzeugt, die EU habe "70 Jahre Frieden" geschaffen, Martin Schulz habe in Brüssel und Straßburg einen außerordentlich wichtigen Posten inne und die Gründung einer "EU-Armee" stehe unmittelbar bevor.

Märchen, die keiner Prüfung mit der sogenannten Rückwärtssuche standhalten. Dieses besonders mächtige Tool zeigt beispielsweise, wie der damalige Bundesjustizminister Heiko Maas 2015 versicherte, die Bundesregierung wolle mit neuen Urheberrechtsgesetzen "die Position von Kreativen stärken", woraufhin das Kabinett kürzlich beschloss, der von der EU in Person des CDU-Politikers Axel Voss geplante Kürzung der Ausschüttungen für genau diese Zielgruppe um mindestens 30 Prozent zu senken.

Händische Enthüllungen


Sortiert man die ältere Suchergebnisse, findet man schnell heraus, dass Politiker Positionen unauffällig räumen und Frontlinien ganz leise begradigen, um den Eindruck zu erwecken, sie seien stets ihrer aktuellen Ansicht gewesen. Im Zusammenhang mit dem EU-Wahlkampf hat PPQ einen eigenen Daten-Viewer entwickelt: Gibt man dort Namen und Stichwort eines/r Politikers ein, filtert der Viewer via KI mehrere meist voneinander abweichende Aussagen heraus. Die wiederum können dann "händisch" (Frankenpost) durch eine Rückwärtssuche bei PPQ geschickt - und man erkennt, ob die Behauptung des oder der Betreffenden, er sei schon immer dieser Ansicht gewesen, korrekt ist.

Faktencheck bei Sciencefiles: First things first

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Der Kracher des Jahres:

stern --> Benzin vor Ostern in Deutschland etwas teurer

Augsburger Allgemeine --> Benzin wird vor Ostern in Deutschland teurer

FAZ --> Die Spritpreise steigen wieder an

Ist in Polen was zu holen?

Anonym hat gesagt…

Aber schon Alfons Güttler* schrieb in seinem Buch über Reduktionsdiät "Kein Mampf" weise Worte über die Wahlversprechungen vor der Wahl, welche dann im Falle, die "politischen Strauchdiebe" werden gewählt, durchaus gar überhaupt nicht eingehalten werden - was denen jedoch durchaus nie nicht schadet.

*Er war nicht, wie Kaiser Titus, die Wonne des Menschengeschlechtes - des Sheitans Ziehbruder aber eben auch nicht. (Wie Kaiser Nero, oder Commander Bligh.)

Anonym hat gesagt…

https://youtu.be/gjlL_MlbGLo