Google+ PPQ: Jahrgedächtnis gute alte Zeit: Tretrollerapokalypse

Mittwoch, 29. April 2020

Jahrgedächtnis gute alte Zeit: Tretrollerapokalypse

Gute alte Zeit: Vor einem Jahr drohte Deutschland die Tretrollerapokalypse.
Beinahe wäre Europa damals auch noch an der Tretroller-Frage zerbrochen. Deutschland, das Land, das innovativen Ideen stets so offen gegenübersteht wie Russland der Idee der Homosexuellenehe, wollte entschieden handeln. Mal nicht bremsen, sondern Gas geben! Andere aber ließen laufen, besser gesagt: Rollen. Und so kam es in jenem Jahr 2019, das heute ganze erdgeschichtliche Zeitalter entfernt in einer Vergangenheit liegt, die einst als "die gute alte Zeit des normalen Wahnsinns" in die Geschichtsbücher Eingang finden wird, zu jener epischen Schlacht um die Zukunft des Landes, des Verkehrs, der Mobilität, der Innovation und der Sicherheit.

Die Tretrollerkriege, auch als "Tretrollerapokalypse" bekannt, prägten den viel zu heißen April jenes Jahres.  Wo heute Virologen ihre festen Fernsehsendezeiten haben, traten seinerzeit Unfallchirurgen auf, die vor dem Untergang ganzen Generationen von Tretrollerfahrern durch tödliche Stürze und Zusammenstöße warnten. Neben ihnen standen Politiker, die Regelungen versprachen, Verordnungen und Bußgelder. Die großen Medien und investigativen Magazine waren in Sorge. Wie wohl würde der E-Scooter, auch Elektrotretroller genannt, das Land und die Menschen verändern? Wie würde die neue Normalität aussehen, wenn erst "ein wichtiger Baustein für eine neue Mobilität klein und vergleichsweise günstig ideal die letzte Meile" (Spiegel) zum Arbeitsplatz überbrücken werde?

Es herrschte Ungewissheit und Verunsicherung, hier und da auch Angst vor rasenden Rollerfahren. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zeigte sich dennoch entschlossen, im Namen des Weltklimas eine Verkehrswende einzuleiten: Raus aus dem Auto, runter vom Rad. Und rauf auf den elektrischen Tretroller, der klein ist, leise und sparsam und so viele Menschen, die tagtäglich mit langsamen und unpünktlichen Zügen aus abgelegenen Vororten oder Nachbarstädten zu Behörden in den Innenstädten anreisen, preiswert zu ihren Arbeitsplätzen bringen können.

Auf Augenhöhe mit der Zukunft


Aber wie und wo? Deutschland Problem im April 2019 war, das niemand weichen wollte. Kein  Partikularinteresse wich zurück, von einer europäischen Tretrollerlösung, die es Tretrollerfahrern erlaubt hätte, nach denselben Regeln von Riga bis Lissabon zu rollern, war schon gleich gar nicht mehr die rede. Sollte man auf den Gehwegen fahren, wo Tretroller zwar doppelt so schnell wie Fußgänger sind, aber wenigstens auf Augenhöhe? Auf dem Radweg würden viele, so glaubte die Bundesregierung, von militanten Kampfradlern einfach untergepflügt werden. Und auf der Straße hätten sie erst gar keine Chance, so ganz ohne Knautschzone und Höhenvorteil.

Europa zerbrach über der Tretrollerfrage. Emmanuel Macron, der große, vielleicht derzeit nach Angela Merkel größte Europäer, scherte aus kündigte ohne Rücksprache mit Berlin an, dass Roller, Scooter und Monowheels auf den Gehwegen der Grande Nation, die innovativen Ideen schon immer so offen gegenübersteht wie die Bundesregierung dem Gedanken, am deutschen Wesen könne die Welt nicht genesen, keine Chance hätten.

Transkontinentale Tretrollertouren, wie sie hier und da schon als Zukunft eines endlich nachhaltigen europäischen Tourismus gefeiert werden, schienen plötzlich unmöglich. Deutsche Rollerer wären an der französischen Grenze ausgebremst worden. Auf der Straße rollende Franzosen aber, selbst wenn sie dasselbe chinesische Modell benutzen, derzeit noch ohne die von Frankreich und Deutschland gemeinsam gebauten besten Batterien der ganzen Welt, sähen sich in Deutschland auf einmal gezwungen, ihr ganzes Fahrverhalten umzustellen.

Die Verletzlichsten überhaupt


Zum Glück gab die Bundesregierung, die Älteren erinnern sich, dann doch im letzten Moment nach. Statt die Rollerfahrer ungebremst auf Fußgänger, „die verletzlichsten Verkehrsteilnehmer überhaupt“ (Tagesspiegel), loszulassen, plante Andreas Scheuer unter dem französischen Druck um: Tretroller, egal mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind, gehören weder auf die Straße noch auf den Fuß- oder Radweg. Für sie braucht es künftig eine eigene Rollbahn von spezifischem Zuschnitt, die der Bund eines Tages bauen wird, denn Geld ist genug da, weil der Staat gut gewirtschaftet hat.

Es klingt wie ein beruhigendes Wiegenlied aus alter Zeit. Vorbild sollte die Erfindung des heute längst als selbstverständlich hingenommenen Radweges sein, den Platz, den der neben Fahrbahn, Fußweg und Radweg vierte getrennte Verkehrsraum benötigen wird, würde der Straßenverkehr abgeben, denn im Verkehrsraum der Zukunft gülte nicht mehr das Recht des Stärkeren, sondern ein Elektrovorbehalt.

Neuer Schub für Schwenk


Scheuers Schwenk zum separierten Tretroller-Fahren in einer fernen Zukunft hätte der Verkehrswende, die damals in aller Munde war, neuen Schub und Europa eine neue Struktur inneren Zusammenhalts geben können. Tretrollerbahnen, glatt und gerade, so war der Plan, würden den Kontinent in wenigen Jahren überziehen wie ein leuchtender Pfad in eine mobile Zukunft, die Platz gerecht umverteilt und Mobilität denen zugute kommen lässt, die sich in verdichteten Siedlungsgebieten auf begrenzten Flächen zurechtfinden.

Innerdeutsch standen Fahrbahnen kurz davor, zu bundesweiten Tretrollerstrecken umgewidmet zu werden, um dem ganzen bunten Zirkus aus Monowheels, Rollschuhen, E-Scootern und Tretrollern ein festes Zuhause zu geben. Kommunen, hatte es die Verkehrsredaktion des „Tagesspiegel“ errechnet, könnten das alles finanzieren, indem sie die Parkplatzgebühren für die letzten sieben, acht Fahrzeuge alten Zuschnitts kräftig erhöhen. Das ergäbe „endlich auch mehr Einnahmen zur Finanzierung des ÖPNV“, der mit diesem Geld dann glücklicherweise bald „zu einer weiteren Option neben Fahrrad und Tretroller“ entwickelt werden kann.

Dann kam Corona.

Und die Tretrollerapokalyse verschwand schneller, als sie gekommen war.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Tico singt es fast besser

https://www.youtube.com/watch?v=1NnbI4ncTTE

Anonym hat gesagt…


Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung!

Was machen alle die Grünen Apokalyptiker, wenn keiner mehr das Geld verdient,um die
ganzen dann notwendigen Suppenküchengutscheine für ihre bunte Klientel bezahlen zu
können? Mehrwert schaffen haben die alle nicht gelernt! Die können nur die Steuergelder
der noch arbeitenden Steuerzahler verbraten.
Elli

Hase, Du bleibst hier... hat gesagt…

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