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Mittwoch, 17. Juni 2020

Appfall: Der Aberglaube um die Corona-App

Mit dem coolen Slogan "Let's fight coronavirus together" spricht die Corona-App vor allem internationalistisch gesinnte Seniorinnen und Senioren an.
Selbstverständlich glaubt nirgendwo außerhalb der Redaktionsstuben deutscher Leitmedien  wirklich irgendwer, dass die langerwartete und nun endlich doch noch fertiggestellte Corona-App irgendeinen auch noch so geringen Beitrag zur Bewältigung der "größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" (Angela Merkel) leisten können wird. Viel zu spät, viel zu lange viel zu skeptisch beäugt ist das kleine Programm, das sich an Vorbildern aus Asien orientiert, dabei aber alles anders und das meiste falsch macht. Taiwan und Südkorea hatten die Corona-Verbreitung mit Hilfe ähnlicher Handy-Programme recht schnell in den Griff bekommen - das wollten die um mögliche Maßnahmen verlegenen deutschen Behörden auch haben. Aber eben zu deutschen Bedingungen: Ein gründliche Wäsche ohne Wasser, eine Überwachung ohne Überwachung und keine App-Pflicht, sondern fröhliche Freiwilligkeit.



Zu spät und falsch


Doch wie das hierzulande ist: Als die Pandemie tatsächlich noch exponentiell grassierte, reichte der Mut nicht, einfach eine der erfolgreichen Apps aus Asien zu nutzen. Zu groß die Angst vor Datenschutzverletzungen. Zu drängend die Furcht, eine Zwangsverordnung der Nutzung, wie sie zur Erreichung des Zwecks unabdingbar ist, könnte der Tropfen sein, der die Volksseele überkochen lässt. Die deutsche Lösung war dann dieselbe wie bei den Masken: Spät und falsch. Weil es anfangs an halbwegs wirksamem Maskenmaterial fehlte, kam die Maskenpflicht spät und sie erschöpfte sich in der Verordnung, symbolisch eine "Mund-Nase-Schutz" genannte Formalmaske ohne Schutzwirkung zu tragen.

Die Corona-Warn-App ist die digitale Entsprechung dazu: Nach drei langen Monaten voller Streit, Verzögerungen und Versprechungen vorgestellt, trifft sie auf eine Bevölkerung, die zu großen Teilen überhaupt keine Notwendigkeit mehr sieht, ein Programm herunterzuladen, das zwar von Datenschützern und selbst von Datenschutzkritikern gelobt wird. In einem Alltagsleben, das für 99,9946 Prozent der Bevölkerung ohne Corna vonstatten geht, aber keinerlei Relevanz mehr hat.

Der Kopf mag den Menschen sagen, dass keine Gefahr droht, trotz allem, was Kritiker immer noch behaupten. Doch der Bauch sagt nun eben auch, dass der Nutzen einer Warn-App sehr eng beschränkt sein muss, wenn es unter 80 Millionen Bürgern nur noch 4.500 bekannte Infizierte gibt. Die Wahrscheinlichkeit, einem von ihnen zu begegnen, liegt selbst im Falle einer zehnfach höheren Dunkelziffer bei etwa 1:1800.

Das entspricht in etwa der Wahrscheinlichkeit, einem Fußballprofi aus den ersten drei deutschen Ligen auf der Straße zu begegnen.

Minimale Wahrscheinlichkeit


Das passiert, natürlich. Aber es zählt nicht, wenn er nur vorüberläuft. Für die Corona-App müsste ein App-Nutzer so vielen Menschen länger als eine Viertelstunde näher als zwei Meter kommen, damit ein Alarm ausgelöst wird - zumindest, wenn 100 Prozent der Bevölkerung die App nutzen würden. Machen nur 70 Prozent mit, steigt die Zahl schon auf mehr als 2.500. Die offiziell eingestandene Fehlerquote der App von 20 Prozent eingerechnet, liegt sie sogar bei über 3.000. Da in Ländern, die die Nutzung von ähnlichen Warn-Apps schon früher ermöglichten, sie aber nicht verpflichtend gemacht haben, bis heute kaum Beteiligungsquoten von über 40 Prozent erreicht werden, verdoppelt sich dieser Wert noch einmal. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein App-Nutzer nach der Begegnung mit einem später Infizierten wirklich zutreffend gewarnt wird, liegt alles in allem bei 1: 5000. Das ist die Mitgliederzahl der bayrischen AfD. Erinnern Sie sich noch, wann Sie einen von denen zuletzt getroffen haben?

Ein Placebo, ganz offensichtlich, das wie die Formalmaske vor allem dazu dient, das beruhigende Signal auszusenden, dass die Regierung handlungsfähig und die Lage im Griff ist. Gegen Corona wird die App nicht helfen, erst recht nicht, weil sei eine deutsche Insellösung ist, die bei Urlaubsreisen ins Ausland einmal mehr verdeutlicht, dass europäische Lösungen nicht unbedingt das sind, was diese EU zustandebringt. Wenigstens aber ist sie nun da, die App, mehr Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung als tatsächliches Handwerkszeug in der Pandemiebekämpfung. In den nächsten Tagen werden nun noch zwei, drei erfolgreiche App-Einsätze gemeldet werden. Und wird langsam angefangen, nicht mehr über das Thema zu reden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Ein Handy ist ein Überwachungsgerät mit dem man auch teleonieren kann.!"
Elli

Anonym hat gesagt…

Heute haben wir aber viel mehr Angst davor, uns mit Rassismus anzustecken. Wann gibt es da endlich eine App??

Die Anmerkung hat gesagt…

Die rassige App gibt es doch.

Anonym hat gesagt…

OT:
Gelinde gesagt, habe ich von Bolschewikiblödia eine recht geringe Meinung. So zwar auch von Dushan Wegner (der woanders in gönnerhaft überlegenem Ton von "angeblicher" Überbevölkerung blödelt, klar doch, wir müssen nur "gerechter" verteilen* ...) - aber sein länk (Sendung mit der Maus - das war schwedisch) zu "Hanlon's razor" ist einiger Be(tr)achtung wert. Dieses, und Peter's principle, sehe ich, obwohl bzw. eben weil nicht völlig daneben, letztlich aber für eine recht pfiffige Ablenkungstaktik.

*P.S. Welcher ältere Ostgote kennt das nicht: Man hat glücklich eine Flasche hochdrehenden Fusel in die Kaserne geschmuggelt, um die Vita Cola zu veredeln, mit zwei, drei, auch noch vier Kameraden teilt man gerne, aber wenn die halbe Kompanie angeschissen kommt... Näheres bei Samuel(!) Hahnemann.

Anonym hat gesagt…

>> Mic Gold 17. Juni 2020 at 10:57

Hanau hat gezeigt (zehn Amok-Tote, PI-NEWS), dass der Schritt von Wort zu Tat oft nicht weit ist.
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Gar nichts hat „Hanau“ gezeigt. Und ich nehme es Pi-News, der AfD etc etc verdammt übel, daß sofort und ohne jede Recherche, Aufklärungsversuche (Hinweise und Ansatzpunkte gab es genug) etc sofort in dasselbe Horn getutet wurde ... <<


Es gibt ofenkundig Pipifaxe, bei denen Hopfen und Malz nicht völlig verloren sind.

Anonym hat gesagt…

>> paernu
17. Juni 2020 08:51

Toller Kommentar, deckt sich in weiten Teilen mit einem Gespräch welches ich ...
Meine Bekannten erwähnten ferner das die Unruhen der letzten Tage Asiaten, Hispanics und Schwarze die wirtschaftlich etwas zu verlieren haben auch zu Trump bringen. <<


ferner das die Unruhen der letzten Tage --- sie sint ühberall, sogar in Schnellroda.
Meiner heisgeliebten Gertie ... schahmlose Legasnicker. Tödet sieh.

Anonym hat gesagt…

Wie immer: Ins Wasser gehen und nicht nass werden wollen.

Die Anmerkung hat gesagt…

ich bin für härtere Züchtigungsmethoden, die auch nach der 3. Klasse Grundschule ihre Anwendung finden dürfen, so die Umstände es zulassen.

Man muß sich nur diese Kurzprosa der grünsitischen Faschisten reinziehen. dann weiß man Bescheid. An dem Text stimmt außer der Absenderangabe gar nichts.
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GRÜNE BERLIN @gruene_berlin

Heute gedenken wir dem Volksaufstand am 17Juni1953. Der Gedenktag erinnert uns daran, wie kostbar und schützenswert unsere Demokratie ist. Und wie wichtig es ist, sie jeden Tag gegen die heutigen Feinde einer offenen, freien und toleranten Gesellschaft zu verteidigen.

Anonym hat gesagt…

@ Anmerkung: Ich und Du, wir sind von gleichem Blut. (Dschungelbuch) - Variante: Vom gleichen Blut. Sådan subtilitet är endast tillgänglig på tyska.
@ Blogwart: So vor 14 Jahren deutete mir meine schon damals hochbetagte Schwedischlehrerin Der Sargdeckel als likkistans (liekchistans) locket.
Das war in Värmland: Å i åa ä e ö. Nur für Kenner.