Donnerstag, 4. Juni 2020

change.org: Virtuelle Wutmaschine

Anklage unnötig, denn bei change.org steht das Urteil längst fest. George Floyd, das war Mord.

Sie wollten dem größten deutschen Petitionsportal Change.org die Gemeinnützigkeit aberkennen und der 2007 in den USA gegründeten virtuellen Wutmaschinemaschine die Möglichkeit nehmen, deutschen Spendern ein kleines Steuersparmodell anzubieten. Doch der Kampf gegen die Berliner Finanzbehörden ist noch nicht verloren - und change.org macht bis dahin natürlich weiter, nicht nur einfach so, sondern mit der "weltweit größten Petition auf Change.org" (change.org) überhaupt.

Keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um Empörung zu eigenen Zwecken zu nutzen, das ist das Geschäftsmodell der Internetfirma aus San Francisco, die bis heute rund eine Million Petitionen in 196 Ländern abgewickelt hat. Schon allein eine Leistung, weil es überhaupt nur 195 völkerrechtlich allgemein anerkannte Staaten gibt, aber hier geht es um das Gute, um Einspruch von unten und diesmal sogar um “Gerechtigkeit für George Floyd“, den nach den Ermittlungsergebnissen und dem offenbar bereits gesprochenen Urteil von change.org "ermordeten" Polizeiopfer von Minneapolis.

Wie auf den Straßen der Vereinigten Staaten gehen auch beim Treffpunkt der Gratiszornigen die Pferde durch. Dabeisein ist alles und, wirbt das am Gemeinwohl ausgerichtetes Sozialunternehmen, das 140 Mitarbeiter ernährt, "mehr als 12 Millionen Menschen fordern" schon „Gerechtigkeit für George Floyd“. Der Verstorbene wird dankbar sein, auch, weil die amerikanische Schlagersängerin Beyonce Knowles "ein Video auf Instagram veröffentlichte, in dem sie ihre Unterstützer*innen bat die Petition zu unterschreiben", wie die Public-Relations-Abteilung von change.org formuliert. Wenn es ernsthaft wird, haben Popsternchen keine Fans mehr. Sie haben "Unterstützer*innen".

Wie Change.org, von der "15-jährigen Kellen S." in der vergangenen Woche auserwählt, per Unterschriftensammlung "Gerechtigkeit für George und seine Familie zu erlangen" (Kellen S.). Wie die aussehen könnte, lassen die Kommentare unter dem Petitionstext erahnen: Wegsperren, einknasten, wegen Mord bestrafen, how dare you.

Wie in einer dunklen Facebook-Ecke, in der Opfer rechtspopulistischer Gehirnwäsche von einer Republik ohne Angela Merkel träumen, quillt auch bei change.org aus den Kommentarspalten, was die meisten Kommentatoren wirklich denken. Hart durchgreifen! Polizisten sind Mörder! Eine Verschwörungstheorie der Unterzeichner sagt, dass die Floyd-Mörder vom Staat geschützt werden. Eine andere, dass es dem mutmaßlichen Haupttäter "gefallen hat, George zu erwürgen".

Klar ist immer, dass das Opfer mit Vornamen angesprochen wird wie seinerzeit der Diener Sam, schließlich ist es PoC. So hält es die/der multikulturell interessierte Mitteleuropäer schon immer mit seinem Lieblingsgriechen, mit dem Dönermann und seit einiger Zeit auch mit seinem Lieblingsgeflüchteten, der beim Stamm-Lidl die Regale einräumt.

Vorneweg sind die moralischen Leuchttürme auf Zwangstourpause. Die "die Sängerin" (change.org) Ariana Grande bat ihre Unterstützer*innen (sic) auf Twitter aufgefordert, die Petition zu unterzeichnen. Auch Kim Kardashian, Jason Mraz, Sia, Selena Gomez, die Jonas Brothers und Massive Attack unterschrieben die Petition, Massive Attack, ein Duo, womöglich sogar doppelt. „Wir werden nicht aufhören, bis es Gerechtigkeit für George gibt!“, versprechen die Prominenten, ohne zu erwähnen, womit nicht aufgehört werden wird. Mit unterschreiben? Genug Petitionen werden angeboten: Eine fordert die “rechtliche Anerkennung, dass der Begriff „Neger“ rassistisch ist!”, eine andere adaptiert den Sam-Ton zu “Mein Freund #OuryJalloh – Es war Mord! Wir fordern lückenlose Aufklärung!”

Wer noch mehr Empörung braucht, ist bei Change.org/Maischberger am besten aufgehoben, einer Petition, die das Menschheitsbrechen anklagt, dessen sich Sandra Maischberger schuldig gemacht hat, die "5 weiße Menschen" eingeladen hat, "um über Rassismus zu sprechen”. Zwar sind "weiße Menschen" allen wissenschaftlichen Erkenntissen zufolge weltweit tatsächlich die einzigen, die sich mit Rassismus wirklich auskennen, weil ihnen das strukturelle Weißsein in den gruseligen Gegen steckt. Doch Petitionist Nasir Ahmad, ein deutscher Muslim, Publizist und Aktivist, ist trotzdem empört. Fünf weiße privilegierte Gäste, die über #Blacklivesmatter? Und nicht mal ein  Softwareentwickler, gläubiger Muslim, Blogger und Aktivist als Alibi dabei? Ja, wo leben wir denn?

“Wer kann die Proteste in den USA besser nachempfinden und darüber urteilen, als jene, die unter der weißen rassistischen Polizeigewalt jahrzehntelang leiden", fragt Ahmad, dem Gäste wie die grüne Landtagsabgeordnete Aminata Touré, die Tagesschau-Journalistin Alice Hasters, die Autorin Jasmina Kuhnke, der Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby oder der Labelbetreiber Megaloh als unterprivilegierte Opfer von Polizeigewalt vorschweben.


Kommentare:

Florida Ralf hat gesagt…

> die amerikanische Schlagersängerin Beyonce Knowles

direktes zitat von alex abusch uebrigens. schon schoen.

Anonym hat gesagt…

'George' wurde einmal verhaftet, weil er eine schwangere, afroamerikanische Frau geschlagen und mit einer Pistole auf ihren Bauch gezielt hatte, weil sie weder Geld noch Drogen für ihn hatte.
Die Black Women Defence Squad bitte alle, nicht für dieses 'Monster' (wörtlich) auf die Straße zu gehen.

https://twitter.com/GoldenedGirl/status/1266632452572942337?s=19

Hase, Du bleibst hier... hat gesagt…

13% Anteil an der Gesamtbevölkerung - fast 50 % Schwarze im US-Knast. Amerikaner, mit asiatischen Wurzeln, streben mehrheitlich durch Bildung und harte Arbeit nach Wohlstand. Warum können - oder wollen Schwarze das nicht? Überall, vor allem in Afrika. Eine Frage an die Wissenschaft, frei von Vorurteilen und Kolonialgeschwätz.

Ja, aber... Ne Ne, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Anmerkung hat gesagt…

@hiergebliebener Hase

>> Ja, aber ...

Obama war auch nicht gerade eine präsidiale Leuchte.

Anonym hat gesagt…

>> Ja, aber ...

>Obama war auch nicht gerade eine präsidiale Leuchte.

Hase meinte ja auch Neil deGrasse Tyson.


>Eine Frage an die Wissenschaft, frei von Vorurteilen und Kolonialgeschwätz.

Kommt drauf an, welche Wissenschaft. Die Wissenschaft, laut der es keine Rassen gibt, oder die Wissenschaft, die den IQ-Durchschnitt der nichtexistierenden Rassen ermittelt.

Ich als berühmter Blogkommentator kann nur konstatieren, dass es südlich der Sahara offensichtlich keine Voraussetzungen für das Enstehen von Hochkulturen mit hauptamtlich beschäftigten zivilen und militärischen Beamten und Wissenschaftlern gab. Damit fehlten Auslese-Anreize für Menschen mit Talent für Organisation und folgerichtigem Denken.

Anonym hat gesagt…

...konstatieren, dass es südlich der Sahara offensichtlich ...

Molto bene, so schreibt man das. Und nicht etwa: "konstantieren das es ..." wie es der Legasnicker Art.
Seltsame Bräuche südlich der Sahara beschreibt z.B. Georg Schweinfurth in den 80ger Jahren des 19.Jh. von seiner Reise zu König Munza: "Dass die erbeuteten Kinder als besondere Leckerbissen der Küche des Königs anheimfielen ..."

Anonym hat gesagt…

Beim Gurgeln zu Alexander Abusch kam ich über Umwege auf die Köpenicker Blutwoche: Scheußlich das! Andererseits hinwiederum, die haben natürlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, aber hätten sich die Roten Khmer im Falle das gelinder gebärdet?