Donnerstag, 26. November 2020

Terrorismus-Studie: Propaganda mit Prozenten

Rechtsterrorismus forderte nach Medienberichten zuletzt 700 Prozent mehr Opfer. Umgerechnet waren es sogar 0,63 Prozent aller Terroropfer weltweit.

W
er mit der Wahrheit lügen will, und wer will das nicht!, braucht einen spitzen Bleistift und ein hohes Maß an Bereitschaft, sich an Zahlen zu wagen, die aus einem unbestreitbaren Fakt die erwünschte Wahrheit machen, selbst wenn der Fakt genau das Gegenteil dieser Wahrheit belegt. Ihre Meisterschaft in dieser Disziplin haben deutsche Medien vor allem in der Israel-Berichterstattung vielmals nachgewiesen, indem sie Geschehnisse entgegen ihrer zeitlichen Reihenfolge erzählen. Dadurch gelingt es in der Regel, beim Leser das Gefühl zu erzeugen, er wisse, was passiert sei, obwohl er nach dem Lesen eigentlich noch weniger weiß als vorher.  

Die große Kunst aber ist es, außerhalb von Raum, Zeit und Verhältnismäßigkeit anhand von absurden Prozentzahlen zu beweisen, dass A eigentlich B ist. Gerade liefern zahlreiche Medienhäuser - wie stets vertrauend auf die allwissende Vorarbeit der Nachrichtenagentur DPA - ein überaus einprägsames Beispiel dafür, wie eine Mücke zum Elefanten umdressiert wird, hinter dem der echte Elefant nicht mehr zu erkennen ist. 

Propaganda mit der Prozentrechnung

Ausgangspunkt der Deutungsübung ist eine "internationale Studie" (ZDF) des Londoner Institute for Economics and Peace, nach der es zuletzt "weltweit mehr rechtsextreme Angriffe" gegeben habe. Und wie viele mehr! "700 Prozent mehr Tote, 250 Prozent mehr Taten", so die "Tagesschau", belegten nachdrücklich, dass "Rechtsextremismus ein Problem" sei - "weltweit".

Wer würde das bestreiten angesichts von Wachstumsraten, die denen gleichen, die Elektroautos erzielen, seit sie zu einem Drittel von der Bundesregierung bezahlt werden? 700 Prozent sind tatsächlich "massiv",  auch 250 Prozent mehr Tote seit 2014 klingt äußert beunruhigend. Und wenn das der  "Global Terrorism Index" feststellt, den die britischen Forscher seit Jahren regelmäßig vorlegen, dann wird es doch wohl auch stimmen?

Schwachstelle Zahlen

Auf jeden Fall. Allerdings ist die Arbeit mit Prozentzahlen, die jeden Bezug zu absoluten Werten zu vermeiden suchen, immer eine Schwachstelle in der Propagandaarbeit mit Zahlen. Dass es derzeit "so viele rechte Angriffe wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 50 Jahren" gibt, wie ARD, ZDF, Welt, Spiegel und der ganze Rest der DPA-Abonnenten gleichlautend vermelden, könnte also wahr sein. Und zugleich doch vollkommen bedeutungslos, weil ein Anstieg von 5.000 auf 35.000 oder von 70.000 auf 490.000 schon ein anderes Beunruhigungspotential hat als einer von - beispielsweise - 12 auf 89.

Um genau den geht es hier aber. 2019 kamen insgesamt 89 Menschen bei rechtsterroristischen Anschlägen ums Leben, fünf Jahre vorher - das steht nirgendwo, lässt sich aber zurückrechnen - müssen es zwölf gewesen sein. Jeder Tote ist einer zu viel, natürlich. Aber 700 Prozent? 250 Prozent? Wovon eigentlich? Und woher kommt dieser atemberaubende Anstieg, der nach schnellen, strengen und umfassenden Maßnahmen verlangt? Einfach erklärt, da ein ganz simpler Trick: In die 250/700-Zahl ist der fürchterliche Anschlag im neuseeländischen Christchurch einberechnet, der allein 51 Menschen das Leben kostete und damit allein für fast 60 Prozent des Anstieges steht. 

Nur drei Prozent wichtige Opfer

Die Londoner Friedensforscher haben aber auch den Rest nachgezählt. 2019 starben bei Terroranschlägen weltweit etwa 13.826 Menschen, für deutsche Medien also "14.000". Die um "700 Prozent"(ARD) angewachsene Zahl der Opfer rechter Terroristen entspricht damit einem Anteil von 0,63 Prozent.

Das Prozent ist nicht nur der Freund des Propagandisten, es ist zuweilen auch sein härtester Feind.  Denn obwohl sich "mehr als 96 Prozent der terroristischen Angriffe in Ländern mit "anhaltenden Konflikten" GPI) wie Afghanistan, Syrien, Nigeria, Somalia oder dem Jemen" (DPA) ereigneten, bei denen allein in Afghanistan 5.725, in Nigeria 1.245 und in Burkina Faso 593 Menschen starben, bleiben für Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien, laut DPA die massiven Anstieg der rechtsextremen Anschläge am schlimmsten betroffenen Gebiete, um die 3.000 Todesopfer übrig, die nun gerade nicht von rechten Mordbanden umgebracht worden sind.

Wie man Tote benutzt

Wer aber waren die Täter? Wer hat 97 Prozent der Terroropfer in "Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien" (DPA) auf dem Gewissen? Weiß es niemand? Oder will es keiner sagen? Und weshalb bestimmen die drei Prozent der rechtsextremistischen Anschläge, zu denen das EU-Parlament nicht einmal den Doppelmord von Halle zählt, die ganze Bühne? Während die Opfer von Utrecht, Lyon, Paris und London, allesamt Städte, an deren Seite  deutsche Spitzenpolitiker im Jahr 2019 für wenigstens eine lange Twitter-Nacht standen, überhaupt nicht vorkommen?

Die "traurige Bilanz" der Berichterstattung: Niemand erfährt es, weil es einfach nicht vorkommt. Irgendwas noch mit IS und dass die Taliban immer am Schlimmsten sind. Ende, Aus, vorbei. Mehr muss niemand wissen, denn Information ist sicher nicht das, worum es hier geht.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Benno
26. November 2020 21:22

Wie sagte Jared Taylor einmal sinngemäss: Afghanistan ist das perfekte Land für einen Konservativen. Ein liberales Waffenrecht, starke Traditionen, die Religion wird noch ernst genommen, ein hohes Mass an Selbstverantwortung, keine staatliche Krankenkasse ...
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Ja, die Kommentare auf dem pfoinen Rittergut bieten doch av och till Lichtblicke.

Halbgott in Weiß

Anonym hat gesagt…

Ja, die Kommentare auf dem pfoinen Rittergut bieten doch av och till Lichtblicke.
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Aber es ist auch wieder gleich darauf Sense, wie jetzt, als man sich Michael Klonovsky aus gegebenem Anlaß kurz, zu kurz, zur Brust nahm - "Badeschluß".