Mittwoch, 27. Juli 2022

Kontrolle ist besser: Habecks heißer Heizungsplan

Irgendwann in den nächsten Wochen steht er bei jedem deutschen Gashaushalt vor der Tür.

Ist das zu schaffen? Neben all den anderen Verpflichtungen? Den Strategierunden, der Planung des Klimawandels, der Einhaltung des Zwei-Cent-Ziels und den Auftritten im Fernsehen? Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, als einer von insgesamt vier Bundesministern nebenbei auch noch zuständig für die Klimakatastrophe, ist sich sicher, dass er das wuppen kann. Der Weg scheint auch alternativlos, seit Russland die von der EU verhängten härtesten Sanktionen aller Zeiten mit einem „perfiden Spiel“ (Habeck) zu einer "wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung“ (Habeck) gemacht hat, die von Seiten des friedliebenden Westens nie gewollt gewesen war, hätte man das nur früher gewusst oder wenigstens ahnen können.

Die Waffe des Gasliefertstopps

Putins miese Strategie, seine Geiseln nicht zu erschießen, sondern ihnen die Waffe eines Gasliefertsopps an den Kopf zu halten, mal näher, mal von weiter weg, verlangt nach einer klaren und harten Reaktion. Deutschland könnte seine Kernkraftwerke weiterlaufen lassen, es könnte wieder selbst mehr Erdgas fördern, es könnte seine ausgemusterten Kohlemeiler wieder ans Netz nehmen und die auf lange Sicht geplante komplette Elektrifizierung des ganzen Landes mit Hilfe der "Fossilen" (Ricarda Lang) so sehr beschleunigen, dass das letzte Häppchen bisschen Russengas schleunigst obsolet wird. 

Es steht ihm natürlich aber auch frei, zu sparen, bis es quietscht. Und dort herauszupressen, was im Winter gebraucht werden wird, wo kaum etwas zu holen ist.

Eine Rechnung ohne Wirt

Ein privater Haushalt benötigt in einem gewöhnlichen Sommermonat etwa 100 bis 150 kWh Erdgas, um zu kochen, warmes Wasser herzustellen, zu Duschen und - ja, das ist erlaubt - fragwürdige Vollbäder zu nehmen. Würden also alle 30 Millionen Erdgashaushalte in Deutschland über Juni, Juli und August komplett auf die Nutzung von Gas verzichten, käme damit eine Gesamtersparnis von knapp zwölf Milliarden Kilowattstunden Erdgas zusammen. Angesichts eines Gesamtbedarfs deutscher Haushalte von 300 Milliarden Kilowattstunden Erdgas ein Tropfen auf einen sehr kalten Stein: Diese vier Prozent Einsparung sind weit weg von den Zielen der Bundesregierung, von der EU-Vorgabe von 15 Prozent und dem neuen Sparziel von 20 Prozent.

Der Wirtschaftsminister weiß das natürlich. Wo kaum etwas verbraucht wird, lässt sich schwer etwas sparen für schlechte Zeiten. Die Aufforderung, es dennoch zu tun, gleicht dem Tipp an einen Geringverdiener, doch regelmäßig 15 Prozent seines Einkommens für später zurückzulegen. Verbunden mit der Drohung, wenn er das nicht freiwillig tue, werde es zur gesetzlichen Auflage.

Bewaffnet mit Gewindeschneidkluppe

Robert Habeck plant deshalb eine große Bundesheizungsinventur (BHI). Vor jeder Tür im Land wird er in den kommenden Wochen stehen, bewaffnet mit Zangenschlüssel und Rohrzange, Armaturen-Zange, Kreuzschlüssel, Stufenschlüssel, Rohrabschneider, Entgrater, Biegegerät, Schraubenzieher und Schraubenschlüssel, Wasserpumpenzange, Kettenrohrklemme, Gewindeschneidkluppe, Nass-Kern-Bohrmaschine und Kohlenmonoxid-Sniffer. Ziel der Bundesinitiative Heizungstest ist die Optimierung von Millionen Gasheizungen binnen weniger Wochen. Energetisch angespitzt, sollen sie die nötige Sparkraft liefern, um Deutschland warm zu halten, kombiniert mit einer Kürzung der Fördersummen für ökologisch wertvolle Wärmepumpen.

Das ist noch versucht worden, doch diesmal muss es: Der verbindliche "Heizungs-Check", bei dem Habeck landauf, landab vorbeikommt, um nach dem Rechten zu sehen, geht sogar weiter als die von ausgebildeten Monteuren bisher durchgeführten jährlichen Besichtigungen, bei denen Druck, Temperatur und Leistung der Anlage überprüft wurden. Hohe Preise mögen hier und da erzieherisch genug wirken, um Menschen zu Hygieneverzicht und Sarrazin-Pullover zu motivieren. Doch Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser.

Robert Habeck wird Hand anlegen, um Millionen Systeme noch vor dem Beginn der sozial kalten Jahreszeit weltklima- und gaskrisengerecht für den ersten Winterohnegas zu optimieren. Neben einem routinemäßigen Luftablassen aus zum Teil schon viele Jahre alten Rohren kommt in schweren Fällen auch Austausch älterer Baugruppen bis hin zu ganzen Durchlauferhitzern infrage. Schnell muss es zudem gehen: Um bis zum Beginn der Heizungsperiode durch zu sein, bleiben nur 90 Tage. An jedem einzelnen muss der Minister deshalb mehr als 300.000 Heizungen testen und auf Vordermann bringen

Eine nationale Kraftanstrengung

Ganz allein wird Habeck aber nicht sein. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima ist in erste Vorgespräche involviert, er soll die rund 65.000 Fachkräfte, die in der Branche bereits im vergangenen Jahr fehlten, umgehend mobilisieren und auf die Straßen bringen. Auch die Hersteller von modernen Gassparthermen, Wärmerückgewinnungfolien und Temperaturminderungsmuffen müssen ihren Teil leisten und das Land mit Ersatzteilen fluten.


4 Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Habeck friert nicht

Carl Gustaf hat gesagt…

https://twitter.com/QuarkDDR/status/1552218862854217728?cxt=HHwWgICx4Z21y4orAAAA

Anonym hat gesagt…

Also wird es ein paar Wochen vor der jährlichen Prüfung der Heizung eine zusätzliche Prüfung geben. Das klingt richtig klug.
Sinn würde es nur machen, wenn ein Monteur vorbeikommt, der mit dem Vorschlaghammer die Gasheizung zerkloppt. Das wäre dann eine reale, bezifferbare Einsparung an Gas. Dafür braucht man auch keinen hochtrabenden Abschluss.

Anonym hat gesagt…

rechtzeitig einen Dauerbrandofen einbauen ( zB : Sommer 1992 ) .

mir geht das Gelaber auf den Sack - die Loide kaufen sich eine Gastherme ( ich sach noch : "kauf dir bloß keine Gastherme" und was machen die Loide ? sie kaufen sich eine Gaslaterne.

selba schultz