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| Viele Chinesen haben die Kulturrevolution überlebt. Wegen der hohen Beliebtheitswerte, die Mao heute noch genießt, sind die zwei Millionen Opfer vergessen. |
Das Entsetzen schwappte plötzlich durch die Medien, gänzlich unpassend und irritierend demokratieschädlich. Während die CDU in Ostdeutschland angestrengt nach einer Strategie sucht, um nach den anstehenden Landtagswahlen ein Bündnis mit der früheren DDR-Staatspartei SED eingehen zu können, die sich heute Die Linke nennt, kippte der Bayerische Rundfunks kübelweise Schmutz über der letzten Partei neuen Typs aus.
Wir sind die Fans von Mao
Funktionäre der Linksjugend verherrlichten Josef Stalin, Mao Zedong und die DDR, hieß es. Für Vorstandsmitglieder der straffen Kaderjugend seien die kommunistischen Massenmörder Vorbilder. In einem internen Forum tausche man antisemitische Parolen. Gelegentlich werde sogar die "Internationale" gesungen, Flaggen schwenkend, auf denen das Staatswappen der DDR mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz zu sehen sei.
Was als "radikale Äußerungen" (ZDF) beklagt und von der Parteispitze als "diese Inhalte" (Ines Schwerdner) bezeichnet wird, ist das das Ergebnis einer Geschichtsschreibung, die auf dem linken Auge blind ist. Wer heute jung ist, hat weder die brutale Zwangsherrschaft des SED-Regimes erlebt noch jemals von den Massenmorden Stalins und Maos gehört. Schulstoff ist in Deutschland Hitler, nicht Ho Chi Minh. Als verfassungsfeindlich gilt das Hakenkreuz, nicht der rote Stern, den die kommunistischen Garden trugen, die zwischen 1917 und 1969 zwischen 25 und 90 Millionen Menschen ermordeten.
Die Liebe zu den Diktatoren
Eine geteilte Wahrnehmung, die ihren Ursprung in der alten leidenschaftlichen Liebe der deutschen Linken zu Diktatoren hat. Stalin galt schon der von Ernst Thälmann geführten KPD als großer Führer, später trugen westdeutsche Klassenkämpfer die Mao-Bibel und die Schriften Onkel Hos bei sich, wenn sie Front machten gegen die freiheitliche Demokratie.
Ihre Wurzeln in dieser Bewunderung von Regimen, die auf Planwirtschaft, Bevormundung und Unterdrückung setzen, haben Linkspartei, Grüne und SPD nie ausgerissen. Sie haben sie nur unter frischer Erde verbuddelt. Gewalttätige Ideologen wie Joschka Fischer machten Karriere. Ein ehemals radikaler Verfassungsfeind wurde Bundespräsident. Ein Jungsozialist, der regelmäßig seinen Bückling vor SED-Funktionären machte, schaffte es ins Kanzleramt.
Wurzeln im Unwissen
Voraussetzung dafür war dasselbe Unwissen, das junge Menschen heute veranlasst, mit einem Palästinensertuch um den Hals ihre Wissenslücken über den Nahen Osten offenzulegen. Als mutig gilt, wer mit geballter Faust signalisiert, dass er für ein nächstes diktatorisches Regime als Kapo und brutaler Handlanger zur Verfügung stände.
Hauptsache, kein Kapitalismus. Hauptsache, keine freie Marktwirtschaft, keine freie Meinungsäußerung, kein Widerspruch und keine Notwendigkeit, sich argumentativ gegen andere Auffassungen durchsetzen zu müssen. Es ist ein bisschen wie in Peking im Sommer vor 60 Jahren. Damals ließ der von der Linken heute noch verehrte Mao die Kulturrevolution losbrechen.
Umsturz aus dem Inneren
Es ist heiß, es riecht nach Umsturz im Rahmen des Systems. Junge Menschen in Uniform, rote Armbinden um den Arm, ziehen durch die Straßen, gerufen vom großen Vorsitzenden Mao. Sie tragen kleine rote Bücher, skandieren Parolen, stürmen Schulen und Universitäten. Lehrer werden gedemütigt, Intellektuelle als Revisionisten gebrandmarkt, Tempel und Bücher verbrannt.
Alles soll von vorn anfangen. Die Tafel muss sauber gewischt werden, es gilt, Illusionen abzuschütteln - Opfer müssen gebracht werden für ein höheres Ziel. Europa ist seit Jahrhunderte führende Industriemacht, weil wir mit der Zeit gegangen sind", hat Ursula von der Leyen beim Europäischen Industriegipfel gesagt, "heute stehen wir wieder an einem Scheideweg. Ich weiß, dass wir gemeinsam zu Veränderungen bereit sind."
Egal wie weit der Weg
Aus ihrer Berlaymont-Festung in Brüssel kann die Große Vorsitzende es sehen: "Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun" hat Mao gesagt, der 1958 den "Großen Sprung" angeordnet hatte und schon 1966 die nächste Revolution befahl. Von der Leyen hatte nach ihrem Wechsel nach Brüssel der Green Deal angeschoben. Nach dessen Scheitern macht sie jetzt in Rüstung, Regulierung und innere Überwachung.
Bei Maos Neustart sollten damals die "Alten Vier" dran glauben. Der Vorsitzende hetzte die junge Generation auf "alte Ideen, alte Kultur, alte Bräuche, alte Gewohnheiten". Der Sozialismus, nach 30 Jahren lahm wie eingeschlafene Füße, sollte durch Blut und blinde Leidenschaft wieder zum Leben erweckt werden.
Taifun der Zerstörung
Mit Maos Aufruf zur Kulturrevolution begann ein zehnjähriges Taifun der Zerstörung. Er forderte Millionen Tote, zerstörte Biografien und produzierte im Namen des Fortschritts eine verlorene Generation, die sich am Ende entsetzt eingestehen musste, dass sie sich von vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnissen hatte um ihr halbes Leben bringen lassen.
Sechzig Jahre später, in einer anderen Welt, ist das keine Lehre mehr. Auch in Europa ziehen heute junge Menschen mit unerschütterlicher moralischer Gewissheit im Gepäck durch die Lande, um die Welt nach ihrem Bild zu formen.
Ihre heiligen Schriften stammen vom IPCC, von Marcel Fratzscher und aus den Gender-Studies-Abteilungen der Universitäten. Auch sie verweigern jede Rede mit Abweichler und Andersdenkenden, denn die seien "Klimaleugner", "Rechte" oder "Reiche". Auch sie unterscheiden bei Tradition, Sprache und Geschichte zwischen Gut und Böse.
Der Unterschied: In China wurde aus der Transformation, die Mao anstrebte, schnell rohe Gewalt. 60 Jahre später baut sich Europa leise um, bürokratisch und mit sauberem Gewissen
Die Parallelen sind verstörend
Doch Parallelen lassen sich an den Haaren herbeiziehen. Mao inszenierte seine Kulturrevolution, um nach dem Desaster des "Großen Sprungs nach vorn", der bis zu 55 Millionen Hungertote gekostet hatte, seine Macht zu retten. Dazu musste er die bürgerlichen Elemente in Partei und Gesellschaft vernichten, die er als Beharrungskräfte ausgemacht hatte.
Die Jugend wurde zu seiner Waffe gegen die eigene Elite. Die Jugend sollte wegfegen, was ihm im Weg stand. Befehlsgemäß zog seine Rote Garde durchs Land. Sie zerstörte Kulturgüter, demütigte Professoren, Lehrer und Funktionäre. Familien wurden gegeneinander aufgehetzt. Kinder denunzierten Eltern. Die Partei spaltete sich in Fraktionen, die sich gegenseitig als Verräter bekämpften.
Die Kulturrevolution 2.0
Die sanfte, administrative Kulturrevolution der Neuzeit verzichtet auf solche brutalen Methoden. Sie zielt auf gesellschaftlichen Umbau, strebt aber dieselbe Art von Umdeutung alter Werte an. Neue Begriffe wie "Diversität", "Klimagerechtigkeit" und "Dekolonisierung" sollen Familie, Glauben und Freundschaften ersetzen.
Die Rolle der Roten Garden spielen Aktivistengruppen. Die ideologische Orientierung besorgen NGO-Netzwerke. Stichworte kommen von den Universitäten und aus regierungsamtlich eingesetzten Kommissionen. Statt physischer Gewalt dominiert soziale Ächtung, die "Cancel Culture" existiert nicht, wirkt aber. Wer nicht mitmacht, gilt als rückständig, toxisch und als Gefährdung für die Demokratie.
Ein Spiegelbild von 1966
Die Spiegelung ist frappierend. Wieder erklärt eine kleine, ideologisch verschworene Elite dem großen Teil der Bevölkerung, was richtig und was falsch ist. Die "Diktatur der Mehrheit", ehemals als "Demokratie" bekannt, wird zum Problem. Eine moralisch aufgeladene Jugend, was Geschichte betrifft weitgehend kenntnisfrei, wird von Medien, Wissenschaft und Politik gegen das Alte und die Alten in Stellung gebracht.
Deren Lebensleistung, in Jahrzehnten erarbeitet, macht sie zu strukturell Privilegierten. Herkunft, Hautfarbe und Fähigkeiten verwandeln die Gruppe der alten weißen Männer in "Klimasünder", "Rechte" und "Reiche", denen das Handwerk gelegt gehört. Mit Begriffen wie "Boomer" wird Sprache neu ausgerichtet. Parteien wie die Linke schreiben Geschichte um. Nun waren sie nie die, die Menschen unterdrückt und ermordet haben. Sondern immer im Widerstand.
In China hieß es "Zerschlagt die Alten Vier". In Deutschland lauten die Parolen "Dekolonisiert die Museen", "entfernt die Straßennamen" und "sprecht geschlechtergerecht".
Die verlorene Generation – damals und heute
Niemand schickt heute wie Mao Millionen zur Umerziehung aufs Land. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen, allenfalls Außenlager sind geplant. Doch Nachbarn, Freunde und Eltern zu verraten, gilt nicht mehr als Gipfel der moralischen Verkommenheit, sondern wichtige Fähigkeit, den Neuanfang voranzutreiben.
Die Basis all dessen ist Unkenntnis. Statt die Jugend Geschichte zu lehren, damit sie aus der Geschichte lernen kann, fixiert sich das Bildungssystem auf Wohlfühlwissenschaften. Gender-Studies, Klimacamps und Antirassismus-Workshops belehren über Critical Whiteness und die Farben des Regenbogens.
Das Eigene ist toxisch
Das Ergebnis: Eine Generation wächst heran, die die eigene Kultur als toxisch, die eigene Geschichte als Historie von Verbrechen und die Errungenschaften der eigenen Zivilisation als Problem betrachtet. Der Glaube daran, durch dieses Wissen zu einem besseren Menschen zu werden, stattet die Betroffenen mit einer moralischen Überlegenheit aus, die sie befähigt, die alte stalinistische und maoistische Rhetorik unbefangen zu nutzen. Nein, die "DDR war kein Sozialismus" (Heidi Reichinnek). Der richtige kommt erst noch. Wer ihnen nicht folgt, ist dumm. Wer anders wählt als sie, gehört zum "Pack" (Sigmar Gabriel).
Der wirtschaftliche Preis
Mao zerstörte mit der Kulturrevolution absichtsvoll die intellektuelle und wirtschaftliche Substanz Chinas. Nur eine in Furcht versetzte Gesellschaft lässt sich mit fester Hand lenken. Sein Versuch, durch unsagbare Schrecken aufzuschrecken, vernichtete die gerade erst wieder entstandene wirtschaftliche Basis des Landes. Doch die Methode funktionierte. Ein Selbstmord, der Millionen Leben kostete, heute aber weitgehend vergessen ist.
Europa geht einen ähnlichen, wenn auch menschenfreundlichen Weg. Der Kontinent wendet sich ab vom Eigenen. Er trabt immer nur nach, beschäftigt im hochfliegenden Ideologieprojekten, die so weit weg nicht sind von der Vorstellung des "Großen Sprungs". Während China heute mit brutaler Effizienz KI, Halbleiter und Infrastruktur aufbaut und das alte Europa mit zunehmender Geschwindkeit abhängt, reguliert sich Europa zu Tode, um alles zu schaffen, was nichts nützt. Die Energiewende, die Diversitätsquoten, die immer neuen Verbote und Auflagen lähmen Innovation und Produktivität. Die regierende Bürokratie verordnet als Mittelchen dagegen noch mehr von allem.
Kein Rest an Dynamik
Den Rest an Dynamik, den die alternden Gesellschaften vielleicht noch aufbringen könnten, erstickt die unüberhörbare Botschaft an alle. Ihr habt Millionen Menschen, die über Monate, Jahre oder Jahrzehnte nach ihrer Ankunft ökonomisch keinen Beitrag in einer hochkomplexen Industriegesellschaft leisten können, so lange zu alimentieren, bis sie zu den Fachkräften geworden sind, die "wir" (Felix Banaszak) brauchen. Ihr wollt es so. Ihr wisst es nur noch nicht.
Wer nicht muss, macht Schluss. Mao verjagte einst die bürgerlichen Experten und ersetzte sie durch ideologisch reine, aber fachlich unfähige Kader nach seinem Gusto. Heute wandern die als "Boomer" verhöhnten Leistungsträger der Aufbaujahre seit 1990 bei erster Gelegenheit in den Ruhestand. Sie fühlen sich ausgebeutet. Nicht "wertgeschätzt", wie es die Jungen nennen. Sie fliehen oftmals auch vor der Ideologisierung des Alltags.
Kampf gegen ist immer
Was damals der Klassenkampf, ist heute der Kampf gegen "strukturellen Rassismus", "Klimawandel-Leugnung" und das unausrottbare Patriarchat. Es fällt den Alten schwer, von "Radfahrenden" zu sprechen, wenn ein Radfahrer vor ihnen vom Drahtesel gekippt auf der Straße liegt. Etwas in ihnen wehrt sich gegen die neue Worthülsenvorschrift, einen biertrinkenden Studenten "Studierenden" zu nennen, obwohl er doch sichtbar ein Biertrinkender ist, der gerade nicht studiert. Sie können nichts dafür. Sie sind noch nicht so weit. Sie müssen weg.
Die Roten Garden, heute als Aktivisten an Universitäten, in Medien und Behörden verkleidet, pflegen sogar so etwas wie den Personenkult um Mao. Sie feierten Annalena Baerbock und Robert Habeck als Heilsfiguren. Sie hingen an den Lippen der kindlichen Klimakaiserin Greta Thunberg, als spreche Gott selbst zu ihnen. Das war alles richtig. Das war alles unerlässlich.
Neuer Überlegenheitskult
Ein neuer Überlegenheitskult einer selbsternannten progressiven Elite, die keine offene, blutige Katastrophe provoziert. Sie baut mit ihrer leisen, bürokratisch organisierten Strategie des Vergessens, wohin Stalin, Mao und all die anderen Revolutionäre ihre Völker geführt haben, an einer sanfte Tyrannei der guten Absichten inszeniert.
Die chinesische Kulturrevolution endete erst mit Maos Tod und der Verurteilung der Viererbande. Gespenstisch erschien plötzlich das zurückliegende Jahrzehnt, in dem alle Werte unwert und alle Grausamkeiten normal waren.
Nach dem Zusammenbruch brauchte China ein weiteres Jahrzehnt, um ideologisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell wieder in den 50er Jahren anzukommen.


1 Kommentar:
Jetzt habe ich mal Maos Bibel aus Jux angelesen und gleich ein neues Wort gelernt: Kompradoren
...
Um die wahren Freunde von den wahren Feinden zu unterscheiden, müssen wir die ökonomische Lage der verschiedenen Klassen in der chinesischen Gesellschaft und deren jeweilige Einstellung zur Revolution analysieren.
Ok los:
...
Besonders die großen Grundherren und die großen Kompradoren stehen stets auf seiten des Imperialismus und bilden eine extrem konterrevolutionäre Gruppe.
Das ist, wie man vielleicht sieht, keine Analyse sondern ein Dekret.
Aber ich will zu harsch mit dem Text des beliebten Massenmörders sein, vielleicht fehlt mir der revolutionäre Kontext.
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