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| Es soll in Bernau geschehen sein, wo die organisierte Zivilgesellschaft auch schon entschieden gegen Elon Musks menschenverachtende Elektroautofabrik protestierte. |
Immer wieder und wieder ist dem Zweiten Deutschen Fernsehen vorgeworfen worden, mit der Wahrheit zu lügen. Mal dachten sich die Mitarbeitenden in Mainz etwas aus, mal verbogen sie durchaus vorhandene Nachrichten. Immer aber diente alles einem guten Zweck und der angerichtete Schaden war deutlich größer als der Nutzen.
"Lügenpresse" in Richtung des Staatssenders zu schreien, den der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ausdrücklich als Gegengewicht zum ihm verhassten Rotfunk der ARD hatte gründen lassen, verbot sich stets. Fernsehen hat keine Druckerpresse, Fernsehen ist nicht "Presse", sondern, so hat es der deutsche Gesetzgeber festgelegt, "presseähnlich".
Unverhohlen gelogen
Hier darf unverhohlener gelogen werden. Vieles versendet sich, anderes lässt sich mit einem geheuchelten Bedauern zurücknehmen: Als das ZDF zuletzt "Kinder in Angst vor Abschiebung" zeigte, die von Donald Trumps Ausländerpolizei ICE gejagt wurden, stellten sich die armen Kleinen als Fantasieprodukt einer Künstlicher Intelligenz heraus.
Nein, nicht alle Bilder sind echt, wie die ZDF-Starmoderator Dunja Hayali den kleinen Ausrutscher begründete. Aber doch einige. Beim gesprochenen Wort verhält es sich ganz ähnlich. Redefreiheit, wie sie das ZDF versteht, beinhaltet die Deutungshoheit nicht nur über das Gesagte, sondern auch über das, was vielleicht nicht gemeint war. Aber, richtig falsch verstanden worden, doch bei einem unbedarften Menschen, der kein Deutsch spricht, so angekommen wäre, hätte er davon nur im ZDF gehört.
Rauschhafte Erfolge
Gerade ihre rauschhaften Erfolge beim Verbiegen der Wirklichkeit und dem Beschleifen der Realität waren der ursprünglich einmal streng geheim arbeitenden Meisterwerkstatt für Mediale Manipulation (MMM) zum Verhängnis geworden.
Die Post-Faktizisten, Grafikfantasten und Wortverdreher, die auf dem Lerchenberg im Dienst der Volkserziehung arbeiten, sahnten Preise ab. Abteilungsleiter gingen auf Vortragsreisen und so mancher plumper Versuch, Fakten nicht nach ihrer Bedeutung, sondern nach ihrer Nützlichkeit für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu gewichten, wurde Leerbuchstoff. Selbst im Wahrheitsmuseum im Spreewaldörtchen Wellendorf wurden Kostproben der größten Fernsehmomente multimedial ausgestellt.
Immer mehr Misstrauen
Der wachsende Ruhm, die Fernsehpreise und Orden, verliehen auf den rauchenden Trümmern einer früheren Industrielandschaft, das alles rückte die Schaffensprozesse der MMM jedoch auf eine ungute Weise in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Angestachelt von Quenglern und Beckmessern ließen sich Zuschauerinnen und Zuschauer immer häufiger zu Misstrauen verleiten. Viele schauten bei den traditionell zusammengeflunkerten Grafiken genauer hin.
Aus dem blinden Glauben, mit dem Meinungen aus Mainz ehemals entgegengenommen worden waren wie göttliches Manna aus öffentlich-rechtlicher Weisheit, das gegen kleines Gebührengeld vom Himmel fiel, wurde das Gegeneil. Heute überwiegt bei einem Teil des Publikums die Vorstellung, dass vieles nicht stimme, was im Sender gesagt wird, der seine Besten immer wieder nach Berlin schickt, wo sie dann auch offiziell als Regierungssprecher dienen.
Unter Beobachtung
Alles, was beim ZDF einst als mutiger Qualitätsjournalismus durchging, steht heute unter Beobachtung. Eine ganze wildgewordene Szene privater Faktenchecker fühlt sich berufen auf Augenblick zu warten, in denen dem ZDF aus staatspolitischer Verantwortung die Fantasie durchgeht und Deutschland zum "reichsten Land der Welt" erklärt wird. Oder direkt auf Wünsche aus Berlin reagiert und die Tageswahrheit von gestern sich in die Hetze von heute verwandelt.
Strategisch hat das Zweite Deutsche Fernsehen klug auf die Veränderungen reagiert. Als die Moderatorin Christiane von Ungern-Sternberg jetzt einen Bericht über die Ausschreitungen in Nordirland mit den Worten anmoderierte, Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk habe die Briten aufgefordert, Jagd auf Migranten zu machen, ordnete sich diese Deutung passgenau ein in das Bild, das deutsche Medien seit Jahren vom gebürtigen Südafrikaner zeichnen. Musk ist ein Ausländer, der gehasst werden darf. Er ist das Böse in Menschengestalt, gekommen, der "kleinen DDR" Brandenburg das Wasser abzugraben.
Kein afrikanischer Migrant mehr
Musk ist zu reich, um noch als ein afrikanischer Migrant zu gelten, der sich den amerikanischen Traum erfüllt hat. Er ist zu eigensinnig, um Teil des europäischen Kollektivs sein zu dürfen, das von einem EU-Kommissars-Sozialismus mit demokratischem Anstrich träumt. Musk hat zudem bisher jede bösartige Unterstellung und jeden irrwitzigen Vorwurf klaglos eingesteckt. Von seinem "Hitlergruß", der bei einer deutschen Präsidentengattin als "soziale Geste" straffrei geblieben war, lebten deutsche Medien drei Wochen. Danach war klar: "Die Debatte lenkt vom eigentlichen bestürzenden Geschehen in Washington ab" (Rheinische Post).
Das ist es, was das ZDF mit dem geschwurbelten Hinweis auf Musks Verantwortung für den "Hass gegen Ausländer" (sic) bezweckt, der "im Vereinigten Königreich seit Langem schwelt". Gut, Hass ist nie "gegen", sondern immer "auf". Doch die Bilder der Gewalttat, die im ZDF nicht näher beschrieben wurden, weil selbst im Omasender Kinder anwesend hätten sein können, werden "sofort millionenfach geteilt, auch vom rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson". Und weil das nicht einmal verboten ist, hat es auch "US-Billionär Elon Musk" (ZDF) getan. Er füttere damit, so hieß es in Mainz über den "Staatsfeind Nummer 2" (Der Spiegel), "das Gefühl vieler Briten und Nordiren, dass staatliche Fürsorge vor allem für diese Gruppe noch funktioniere."
Ei oder Huhn oder Ei
Was war zuerst da? Lüge oder Interpretation? ZDF oder Musk? Ei oder Huhn, Huhn oder Ei. Gefühl oder Tatsache? Das ist keine Diskussion, die sich bei ZDF-Beiträgen noch stellt. Wenn die Ansager hier behaupten, Elon Musk habe die Unruhen in Nordirland mitverursacht, weil er "zu Gewalt gegen Migranten und Bürgerkrieg aufgerufen habe", ist das reine Erfindung, noch falscher als eine der berühmten Gedankengirlanden aus der Spezialabteilung für Grafikkosmetik.
Allerdings tut das dem Anliegen keinen Abbruch und es richtet am eigenen Ruf keinen Schaden an. Seit das Zweite Deutsche Fernsehen im Zuge der Hetzkampagne gegen den bei einem Attentat ermordeten Influencer Charlie Kirk moralischen Bankrott anmelden musste, sendet sich's von den Höhen des Lerchenberges erst recht gänzlich ungeniert. Selbstironisch legt das ZDF in einer Doku-Reihe namens "Lüge und Wahrheit" sogar seine lange geheimgehaltenen Produktionsverfahren offen und erzählt, wie mit Lügen "Geschichte gemacht wird und welche Rolle die Medien bei Propaganda und Wahrheit" (Zitat) spielen.
Nazi-Ossi mit Bierflasche erschlagen
Das Muster ist bekannt und bewährt. Spätestens, seit die "Super"-Zeitung am 3. Mai vor 35 Jahren mit der Zeile "Nazi-Ossi mit Bierflasche erschlagen… Ganz Bernau ist glücklich, dass er tot ist" erschien, wissen sogar viele Ostdeutsche, dass Deutung wichtiger ist als Bedeutung. Wer eine Tatsache zuerst interpretiert, dem gehört die Wahrheit und der darf sie behalten. Dass der Nazi-Ossi hatte sterben müssen, bedauerten viele. Schrecklicher aber wäre letztlich eine Welt gewesen, in der er hätte weiterleben dürfen.
Statt bei der Wahrheit zu bleiben, fokussiert sich das ZDF bereits eine geraume Zeit lang darauf, sie konsequent zu vermeiden und im Anschluss an das Ertapptwerden zerknirschtes Bedauern und umgehende Besserung zu geloben. Im Fall Musk habe man Informationen über die "Gemengelage der gewaltvoll eskalierenden Proteste" nur "pointiert zusammenfassen" wollen, hieß im ersten Verteidigungsversuch. Zerknirscht räumte der Sender ein: "Die gewählte Formulierung war aber unpräzise und dadurch missverständlich."
Gewaltvolle Proteste
Das ist, abgesehen von der Wahl des Wortes "gewaltvoll", wo "gewaltsam" gemeint war, ganz alte Schule. Schon nach dem Arbeiteraufstand in der DDR am 17. Juni 1953 tat es den Verantwortlichen durch die Bank leid, dass man sie so unglücklich missverstanden hatte. Dass es direkt vor den "gewaltvoll eskalierenden Protesten", wie sie das ZDF genannt haben würde, in den Staatsmedien hieß, dass "die fortgeschrittensten Produktionsarbeiter unserer volkseigenen Betriebe schon vor Monaten erkannten, daß zur weiteren Steigerung der Arbeitsproduktivität die Durchbrechung der alten, überholten Arbeitsnormen das entscheidende Kettenglied ist"? Tja, maximal "unpräzise und dadurch missverständlich".
Nie hatten "diese Besten aus der Arbeiterklasse die Initiative ergriffen und in ihren Betrieben eine breite Bewegung zur Erhöhung der bestehenden Normen auf freiwilliger Grundlage" gestartet, wie das damals noch ähnlich wie heute das ZDF bedeutsame Neue Deutschland gerade noch flunkerte. Entsprechende Behauptungen waren über Nacht zu "Provokationen von westberliner Kriegshetzern im demokratischen Sektor Berlins" geworden. Die im Juni vor 70 Jahren "gewaltvoll eskalierenden Proteste" wurden nicht von Elon Musk, aber "von aus Westberlin eingeschleusten Provokateuren" verursacht. Zumindest, bis das Politbüro nach einer "bedeutsamen Tagung" (Neues Deutschland) vorschlug, "die obligatorische Erhöhung vorläufig aufzuheben".
Die Mainzer Rudermannschaft
Die
Ruderer in Mainz haben im Moment mächtig zu tun. Erstmals hat eine der
amerikanischen Zielscheiben, auf die sich seit Jahren aller Hass und
alle Verachtung richtet, angekündigt, gegen die in Deutschland
vermutlich strafbare Falschbehauptung rechtlichen Schutz in Anspruch
nehmen zu wollen. Umgehend entfernte der Sender die Passage, in der er
den SpaceX-Gründer beschuldigt hatte, mit dem Satz "Nur wenn wir
wiederholt und laut protestieren, wird sich etwas ändern" zur Gewalt
aufgerufen zu haben.
Ein Schuldeingeständnis, auf dessen strafmildernde Wirkung sie in Mainz hoffen. Die Lüge indes bleibt in der Welt, sie motiviert sogar Heerscharen von Windeladvokaten, sich wie ein Mann vor die Fake-News-Fabrik zu werfen. Auf einmal entdecken Kunstschaffende die Meinungsfreiheit als ein Recht, das üble Nachrede beinhalten muss. Wer es ernst nimmt, der steckt alles ein, denn er ist der "Typ, der X eigenhändig in eine Schlammgrube für Extremisten verwandelt hat, die AfD hofiert und Wahlen manipuliert" (Keulpaka Institut).
Wo bleibt die Cancel-Culture
Aus dem Hilferuf "Wo ist Cancel-Culture wenn man sie braucht!!!" (Dezember 2022) wird nach dem Lehrbuch des klassischen Demagogiefaches "Im Notfall über etwas anderes reden" der Vorwurf "Rechte wollen Meinungsfreiheit, meinen aber ausschließlich ihre eigene Meinung". Statt sich ausgedachte Dinger klaglos unterstellen zu lassen, wie das deutsche Lackaffen und Lügenfritze tagtäglich tun, wehrt der reichste Mann der Welt sich einfach. "Was für eine Heulsuse, der Musk", schreibt Marcus Mittermeier über die unerwartete Reaktion des "Großmeister der Hetze und Desinformation" (Keulpaka).
Der Kulturschaffende, der im Nebenberuf grüner Influencer ist, hat ganz vergessen, was er den Verteidigern des "Schwachkopf"-Memes Ende 2024 entgegengeschmettert hatte: Unverständlich sei, "wie jetzt plötzlich so viele Verständnis für Verfasser von Hass, Beleidigung und Bedrohung aus dem Netz haben."


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