Olaf Scholz abgetaucht in seine neue Aufgabe als Vorsitzender der neuen Nord-Süd-Kommission der Bundesregierung. Robert Habeck Manager im großen Finanzbusiness, Annalena Baerbock kurz vor der Rückkehr aus dem Exil und Gerüchten aus dem politischen Berlin zufolge nur allzu bereit, den Wunsch der Deutschen nach einem ersten weiblichen Bundespräsidenten zu erfüllen. Selbst Christian Lindner hat im Autohandel einen neuen Job gefunden. Und Lars Klingbeil einen im Steuergeschäft.
Viele sind nicht mehr übrig aus den großen Tagen der Ampel, jener magischen Zeit, als sich Deutschland anschickte, der Welt zu zeigen, wie Transformation und Klimaschutz, Energieausstieg und Gendersprache gemeinsam Wohlstand schaffen.
Alle weg, bis auf einen
Von Saskia Esken bis Kevin Kühnert, Hubertus Heil, Klara Geywitz, Renate Künast und Claudia Roth, von Marco Buschmann bis Volker Wissing und Nancy Faeser sind die meisten Köpfe der Fortschrittskoalition von der Bühne verschwunden. Sie privatisieren oder warten noch auf den Ruf ihrer Parteien in neue Ämter. Sie sitzen ganz hinten im Bundestag und versuchen, nur ja nicht aufzufallen.
Die gesamte Berliner Republik ist in die Hände einer neuen Generation von Politikbetreibenden gefallen. Die gesamte Republik? Nein! Wie ein unbeugsamer Gallier hält der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Stellung.
Abgeschoben in die dritte Reihe
Wichtig ist der 63-Jährige nicht mehr. Seine Partei hat ihn abgeschoben auf den unschädlichen Posten des Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung abgeschoben. Der einstige Hysteriebeauftragte der deutschen Sozialdemokratie kann dort schalten und walten, ohne in überflüssigen Kontakt mit der Wirklichkeit zu kommen.
Deutschland hat keine Weltraumraketen, mit der es Raumfahrt in nennenswertem Umfang betreiben könnte. Es besitzt keine eigene Künstliche Intelligenz, die sich als übler "Ökokiller" (Die Zeit) herausstellen könnte. Technologiefolgeabschätzung, eines der Kerngebiete der Kompetenz des studierten Arztes, erübrigt sich zudem, weil die EU bereits alle Fälle vorausgedacht und mit ihren weltweit einmaligen AI Act umgehend verboten hat.
Frei flottierend ins dritte Jahrzehnt
Die Tagesfreizeit aber tut Karl Lauterbach sichtlich gut. Frei flottierend schwebt der Dürener durch in sein drittes Jahrzehnt im Deutschen Bundestag. Niemandem muss er mehr etwas beweisen, nur allen, dass er noch da ist. Einladungen in Talkshows sind rar geworden. Der einstige Geschwätzkönig unter den Rittern der Schwafelrunden ist deshalb wie seine Kollegen Ralf Stegner, Ricarda Lang und Uwe Steimle auf sie sozialen Netzwerke angewiesen, um seine Weisheiten zu verbreiten.
Dort aber ist der Gesundheitsökonom ein Guru, der seine Gemeinde zuverlässig versorgt. Lauterbach lässt keinen Zweifel daran, welch bedeutende Rolle er immer noch spielt. "Heute gutes Treffen mit Digitalminister Karsten Wildberger", schreibt er, "sein Büro ist mein altes BMG Ministerbüro". Ja, Minister war ich!
Die beiden Männer, der eine dabei gescheitert, das deutsche Gesundheitswesen zu digitalisieren, der andere gerade noch dabei, das Debakel gesamtgesellschaftlich in größerem Maßstab zu wiederholen, haben sich "intensiv zu KI ausgetauscht". Und sie waren "einer Meinung, dass wir dringend eigene große KI Platform brauchen. Sonst verlieren wir unsere Sicherheit und ökonomische Zukunft."
KI-Premiere im Januar 2025
Ob Karl Lauterbach, der bei X bis Anfang 2025 nur ein einziges Mal über Künstliche Intelligenz postete, die "eigene KI" selbst zusammenschrauben wird, ist nicht bekannt. Doch dass er die Künstliche Intelligenz neuerdings zu einem seiner Steckenpferde gemacht hat, ist unübersehbar.
Der frühere CDU-Mann mit der Fliege, der schon in der Corona-Pandemie gezeigt hatte, dass er weiß, wie man Modethemen karrieredienlich bewirtschaftet, äußert sich zwar auch zu Fußball, Raumfahrt und - am liebsten - zur rechten Gefahr durch die AfD. Doch KI, von der Bundesregierung weitgehend ignoriert, ist seit seiner Erweckung zweieinhalb Jahre nach der Vorstellung von ChatGPT durch OpenAI sein neues zentrales Interessengebiet.
Anfangs beschränkte sich der Technologie- und Raumfahrtausschusschef noch auf medizinische Bezüge. "Mit KI werden wir besser behandeln, forschen und viel Bürokratie abschaffen", postete er, noch einmal im Arztkittel. Damals, als die EU die KI-Modelle, die sich nicht besitzt, mit ihrer weltweit einzigartigen Regulierung ab- und ausbremste, hat Lauterbach geschwiegen.
Er war ja keine KI-Modell. Aber jetzt hätte er doch gern eins. Wenn KI die "ÄrztInnen" (Lauterbach) unterstütze, würden "die Verbesserungen der Medizin durch die Digitalisierung" immer klarer, hieß es etwa im Januar 2025. Lauterbach sah deutlich: "Deutschland holt auf. Nach 20 Jahren eines sehr teuren Stillstands."
Ein kurzes Gedächtnis
Seine Partei regierte von diesen sehr teuren 20 Stillstandsjahren stolze 16 mit oder sie stellte gar den Bundeskanzler. Doch das Gedächtnis ist kurz, die Angst groß, nach all den Erfolgen beim Rückbau der Industrie auf eine Weise abgehängt zu werden, die selbst für den strammsten Sozialdemokraten nicht mehr zu übersehen ist.
Karl Lauterbach hat sich deshalb angewöhnt, so zu tun, als seit er erst im Verlauf des vergangenen Jahres wie Neuschnee in die Bundespolitik gefallen. Wenn er sich große Sorgen machen muss, etwa um Sachsen-Anhalt, das "schon jetzt geringe Lebenserwartung und wenig Spitzenmedizin" habe, dann liegt das sicher nicht daran, dass seine SPD im ärmsten Bundesland 30 der letzten 36 Jahre regiert oder mitregiert hat.
Das werdet ihr bereuen
Nein, "die vertreibt schon lange Talente, die lieber in anderen Bundesländern leben". Semantisch ein schwieriger Satz mit klarer Botschaft: Die vom Verfassungsschutz zumindest zeitweise in Gänze aus "gesichert rechtsextremistisch" einsortierte Partei ist schuld. Ihretwegen sind von den 10.153 Ärztinnen und Ärzten, die 2010 noch zwischen Stendal und Zeitz Patienten behandelten, heute schon nur noch 10.300 übrig. "Wenn jetzt ausländische Ärzte, 1/3 aller Ärzte in vielen Kliniken, weggehen, werden viele ihre Wahl noch bereuen", mahnt der frühere Bundesbeunruhigungsbeamte.
Ursache und Wirkung, das grundlegende Fundament der Wissenschaft, die nach Erkenntnis strebt, spielt beim Vorsitzender des Bundestags-Forschungsausschusses keine Rolle. Lauterbach unterscheidet nicht echtes Wissen über die Kausalität von gefühltem Glauben an die eigenen Vorhersagen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Eben erst hat Lauterbach bekanntgegeben, dass die Deutschen doch "keine Steuerweltmeister" sind. Er belegte das mit einer Grafik, die "Steuern und Sozialabgaben" im Land mit zusammengerechnet 21 Prozent auswies.
Das Paradoxon des KI-Politikers
Der Mann ist nicht blind, aber augenscheinlich verblendet. Das sei "der übliche Lauterbach: Ein weites aus dem Fenster lehnen auf Basis einer so nicht vorhandenen Studienlage" hat der Gebührensender Deutschlandfunk die Methode Lauterbach schon 2023 beschrieben. Da flappst eine Halbverdautes in die Welt. Er lobt, was er kritisiert. Und lehnt ab, was er gerade noch gerühmt hat.
Einerseits ist er sicher, dass der "Einsatz bei der KI Wette immer größer" wird und er ein Paradoxon entdeckt hat, als er bemerkte, dass "KI immer stärker wird und die Vorhersagen eher übertrifft", aber "die Kosten so stark steigen, dass niemand Gewinne macht". Andererseits fällt ihm nur eine Stunde später ein, dass keine KI zwar jede Menge Geld spart. Aber ausgerechnet dadurch am Ende noch viel teurer werden wird.
"Wenn Deutschland keine eigenen starken KI Modelle entwickelt, werden wir bald zwischen amerikanischer und chinesischer Abhängigkeit entscheiden müssen", hat er herausgefunden, was die Spatzen seit Jahren von den Solardächern pfeifen. Das kann so nicht bleiben. Die Sache muss jemand in die Hand nehmen. "Im Forschungsausschuss werden wir die neuen Entwicklungen intensiv diskutieren", kündigt Karl Lauternach schon einmal an. Die Vorort-Termine sind bereits ausgemacht: "Große Reisen an US Westküste und China stehen an."
"KI Blase" gegen KI-Angst
Es ist Urlaubszeit und die Hoffnung lebt in ihm, dass man sich trotzdem durchwursteln kann. Im Vergleich der neuen China Open Source KI, Kimi K 3, und Claude Fable zeige sich, dass "das kostengünstige Programm aus China dem besten und teuren US Programm nicht viel unterlegen zu sein scheint, wenn überhaupt". Damit werde "KI Blase immer größer, das Geschäftsmodell wankt". Deutschland wird ganz vorn sein, wenn alle anderen zusammenbrechen.
Hier sind die großen Modelle, von denen Lauterbach träumt, dass sie auch eine Nummer kleiner ganz hübsch sein könnten, aus Holz, betrieben mit Gelegenheitsstrom aus Bioanbau. Geht doch! "Eine sehr gute Nachricht" nannte er den Umstand, dass "Deutschland hat die Top Open-Source KI Soofi entwickelt" hat. Die konkurriere "natürlich nicht mit Claude oder Open AI Top Modellen". Aber für hiesige Verhältnisse "ist es mehr als gut genug".
Besser wird's nicht
Besser wird es ja nicht. Dass es die Verfügbarkeit von großen Energiemengen zum kleinen Preis ist, die über die Standortwahl der Giganten entscheidet, ist ein lästiges Detail, das im Gedankengefängnis des Parteisoldaten nicht vorkommt. Lauterbach hält den Atomausstieg bis heute für einen der größten Erfolge seiner Partei, er ist hin- und hergerissen vom Wunsch, in Ausschussdebatten auch so tolle Technologie beraten zu dürfen, und inneren Widerstreben allem Neuen gegenüber.
"KI ist wie Millionen Einwanderer, die gleichzeitig kommen, Jobs wegnehmen und die alte Kultur verändern", fürchtet er. Vielleicht ja ganz gut, dass am wichtigsten Rechenzentrums-Standort Deutschlands in Frankfurt erst ab Mitte der 30er-Jahre neue Hochleistungsanschlüsse für KI-Rechenzentren bereitgestellt werden können, weil mit der Energiewende die grundlastfähige Kapazitäten zurückgebaut wurden.
Das Latein am Ende
Wo das Latein am Ende ist, pfeift der Unermüdliche laut im Wald vor lauter Bäumen: "Es gibt keinen Zweifel, Solarenergie ist die Energie des 21. Jahrhunderts", hat er die Energiemangeldiskussion um die KI-Rechentzentren kurzerhand beendet. Die Länder, die darauf schnell reagierten, würden später "einen nicht mehr einholbaren Vorsprung haben" gegenüber denen, die auf Grundlast aus fossilen Energien setzen. Isso! "Wir haben noch gute Chancen."
Wer nicht mitmachen will, den hat Karl Lauterbach eben entschieden aussortiert,aufgeregt über das "permanente Schlechtreden", das auch seinen Kanzler so nervt. "Diese ewigen Übertreibungen von jungen Talenten, die mit dem hohen Rentenbeitrag (schnief) nicht klarkommen und deshalb angeblich auswandern", schimpfte Lauterbach. "Auf diese Leute können wir verzichten", dekretierte er - ganz wie Erich Honecker, der 1989 empfohlen hatte, "man sollte ihnen keine Träne nachweinen".


3 Kommentare:
Lauterquatschs Soofi mit den steuergeförderten 30B (Milliarden) Parametern vs Kimi mit 2,8T (Billionen) Parametern. Aber es kommt ja auf die Qualität der Daten an (Lauterquatsch). Da ist der Chinese sicher noch nicht drauf gekommen. Schachmatt.
Die Nutzung künstlicher Intelligenz droht den Planeten zu zerstören, ... (Felix Ekardt, Die Zeit)
Schon wieder.
“Wir wollen die Versammlungsfreiheit schützen. Es gibt kein Grundrecht auf die Blockade friedlicher Versammlungen”, so Jörg Baumann, Leiter des Arbeitskreises Inneres der AfD-Fraktion in Bayern, der ergänzt, dass der Freistaat “kein Trainingslager für Gewalttouristen” werden dürfe. Dass die Politik lässt linksextreme Gewalttäter gewähren lässt, während CSU und Freie Wähler zuschauen und sich linke Parteien sich mit den Tätern solidarisieren, sei nicht länger hinnehmbar.
Baumann for President! Ein Weiser ...
die besseren daten werden wir dank vorratsdatenspeicherung aber allemal haben! füttert man damit ein KI-modell aus holz, kommen fertige medikamente, neue panzer und solarzellen mit einer effizienz von mehr als 100 prozent unten raus
Kommentar veröffentlichen