Google+ PPQ: Abkühlende Katastrophe

Montag, 8. Oktober 2007

Abkühlende Katastrophe

Großen Einfluß auf den Erfolg einer Nachricht hat offenbar die Tatsache, ob der mitgeteilte Inhalt den Erwartungen des Publikums entspricht. Galt früher die Regel, dass "Hund beißt Mann" keine, "Mann beißt Hund" aber sehr wohl eine Nachricht ist, verhält es sich in der medialen Neuzeit genau anders herum: Nicht mehr Mitteilungen mit Überraschungspotential pflanzen sich am schnellsten und weitesten fort, sondern ihre müden Brüder, die Bestätigungsnachrichten, die das Publikum wissen lassen, dass es sich so verhält wie gedacht: Bush böse, SPD zerstritten, Irak ein Abenteuer, Öl teuer, Steuern steigen, Reche immer reicher, immer mehr Kinder arm. Kein Zweifel, was in einer unsicheren Welt den Eindruck vermittelt, Überschaubarkeit herzustellen, wird gern gekauft, in Deutschland vor allem, wenn ein klein bisschen Weltuntergang mitgereicht wird.

So schafften es die vom Deutschen Wetterdienst seit mehr als einem Jahr herausgegebenen Wetter-Bilanzen mit der dräuenden Überschrift "Monat soundso war wieder zu warm" im Zuge der Entdeckung des Weltklimas als Anzeigenverkäufer bis Anfang September diesen Jahres zuverlässig in die Hitparade der meistzitierten Meldungen. Dass der Klimawandel schon vor der eigenen Haustür angekommen ist, liest schließlich jeder gern.

Dem neuesten Nachrichtenprodukt des DWD aber gelingt das Kunststück nicht, sich wie gehabt wie ein Lauffeuer zu verbreiten. Dabei markiert "September mit durchschnittlich 13,2 Grad zu kühl" (DWD) die erste Abweichung vom gewohnten Strickmuster "Wetter wieder zu warm, weil Klimakatstrophe kommt".

Ratlos lässt der DWD seine diesmal sehr wenigen Leser (nur die notorisch klimaunfreundliche "Welt" vergisst nicht, mit dem DWD Bilanz zu ziehen) denn auch mit der Interpretation der neuen Ergebnisse allein. Warum jeder weitere "zu warme" Monat eben noch ein beunruhigendes Signal für die bedrohlich näherrückende Katastrophe war, das Abreißen der "elf Monate langen Kette" (DWD), an die die Experten zuletzt tapfer sogar den überaus kühlen August geknippert hatten, aber keiner Erwähnung wert ist?
Keine Ahnung, steht nicht drin. Hält sich das Wetter nicht mehr an den Plan? Fällt die Katastrophe gar aus? Ist das Wetter doch besser nicht mit dem Klima zu verwechseln? Das große Schweigen. Aber sicher ist: Sobald der als "golden" angekündigte" Oktober auch nur ein halbes Grad "zu warm" gewesen sein wird, wird der Wetterdienst wieder gesprächig werden. Ein weiteres Anzeichen für die bedrohlich näherrückende Katastrophe sehen. Und damit eifrig zitiert werden.

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