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Dienstag, 25. Oktober 2011

Endspiel um die Euro-Überschrift

Erst die FAZ, dann das Handelsblatt, dann die "Zeit", die Augsburger Allgemeine und n-tv und nun wieder die FAZ: Nach dreijährigem Ringen um den Bestand der Euro-Zone greift die Krise aus dem politischen Bereich unübersehbar hinüber in den publizistischen.

Deutliches Anzeichen dafür ist die immer beliebter werdende Überschrift "Endspiel um den Euro", haben Studenten des An-Institutes für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale jetzt in einer großangelegten Studie erstmal belegt. Unter Leitung von des Medienwissenschaftlers Hans Achtelbuscher gelang es dem jungen Team, die Normalverteilung der Einzelbegriffe, aus denen die imposante Schlagzeile gezimmert ist, in den großmedialen Kontext zu setzen. "Dabei stellte sich heraus", so Achtelbuscher, "dass die Beliebtheit der Formulierung direkt kongruent ist mit der Vertiefung der Krise."

Mit einfachen Worten bedeute das nichts anderes, als dass nicht nur Politikern die Mittel fehlen, die vom Volk und auch von den Medienschaffenden herbeigesehnte schnelle und gründliche Lösung aller Probleme herbeizuführen. Sondern den Medien auch die Worte ausgehen, das andauernde Desaster in frischen Formulierungen voller Empathie bei gleichbleibender kritischer Distanz zu beschreiben.

Die Realität bleibe bei der Krisenberichterstatung inzwischen weitestgehend ausgeblendet, hat der studierte Wirtschaftswissenschaftler Achtelbuscher beobachtet. Einerseits griffen Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen und Radiosender bei der Aufklärung über makroökonomische Zusammenhänge lieber zu Begriffen aus der Gartenwelt (Gieskanne, umpflügen), aus dem Sport (Punktsieg, Endspiel) oder gar aus dem militärischen Bereich (Frontalangriff). Andererseits folge die Berichterstattung der von Kinderradio Knirpsenstadt: Es darum, den Eindruck zu erwecken, etwas erläutert zu haben, nicht darum, etwas wirklich zu erläutern.

"Es herrscht die Angst, dass die Menschen abschalten, sobald Sachverhalte in all ihrer Komplexität beschrieben werden", glaubt Achtelbuscher. Der normale Medienkunde sichere sich somit die Möglichkeit, unbelästigt von tieferen Einsichten behaupten zu können, "das mit den Banken versteht doch alles kein Mensch mehr" (Zitat ARD-Morgenmagazin in einer Feldreportage aus dem Occupy-Camp). So habe die "Augsburger Allgemeine" im Sommer 2011 - volle 15 Monate nach der erstmaligen Ausrufung des "Endspiels um den Euro" durch die FAZ - melden können, das "Endspiel um den Euro" habe nun begonnen. "Richtig wäre gewesen", schmunzelt Achterlbuscher, "davon zu sprechen, dass wir uns bereits in der Nachspielzeit befinden."

Medien versuchten so, wortmächtig zu verdecken, dass ihnen ein Thema lange Zeit entgangen sei und sie es immer noch nicht richtig verstanden hätten. "Viele haben doch geglaubt, die Euro-Krise ist ein vorübergehendes Phänomen", analysiert der Wissenschaftler, "das Wort ,Ende´ in diesem Kontext auf den Euro anzuwenden, verbot sich da aus Gründen der politischen Rücksichtnahme." Man habe kein Öl ins Feuer gießen und subkutane Befürchtungen "einiger weniger" (dpa) bestärken wollen. "Dabei hat die Ebert-Stiftung schon 2009 vom Endspiel um den Euro gesprochen und notwendige wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Überwindung der Vertrauenskrise in der Euro-Zone formuliert."

Angst aber müsse niemand haben. Dass die Schlagzeile jetzt Furore mache, zeige, so Achtelbuscher, dass die größten Gefahren wahrscheinlich hinter Europa lägen. Das hätten jahrelange Beobachtungen gezeigt, zuletzt bei den "geradezu unvorstellbar erfolgreichen Zeitungsverkäufern Sarrazin, Todessprossen und Fukushima. "Wird ein Thema in den Medien erst omnipräsent, nähert es sich bereits rasant dem Zeitpunkt seines völligen Verschwindens aus dem Nachrichten."

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