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Samstag, 14. Februar 2015

HFC: Selim sind, die da Leid tragen

Minuskulisse zwei Wochen nach dem unglücklich verlorenen letzten Heimspiel gegen den MSV Duisburg, das eine starke Leistung der Gastgeber, aber wieder einmal eine unglückliche Niederlage brachte. Der lange Leidensweg des Halleschen FC, er zeigt Spuren auf den Tribünen, als es gegen die Spielvereinigung aus Unterhaching geht: Nur 5200 Zuschauer sind noch gekommen zum zwölften Heimauftritt der Saison, nie waren es weniger, seit das frühere Kurt-Wabbel-Stadion als "Erdgas-Sportpark" wiederauferstanden ist.

Das Fanvolk hat keine Lust, sich dauernd Niederlagen anzuschauen, die Mannschaft von Trainer Sven Köhler aber auch nicht. Wo gegen Duisburg noch lähmendes Abwarten die ersten Minuten bis zum ersten Gegentreffer kennzeichnete, ist gegen die Oberbayern vom Anpfiff an Druck auf dem Kessel. Sören Bertram vor allem, nach langer Verletzungspause zum ersten Mal wieder von Beginn an dabei, zieht auf dem linken Flügel ein ums andere Mal an seinen Gegenspielern vorbei und flankt nach innen. Augenscheinlich zur großen Überraschung seiner Mitspieler, denn die sind nie da, um Ansätzen eines koordinierten Offensivspieles Zählbares zu machen.

Haching versteckt sich, vorsichtig im Aufbauspiel und von Trainer Christian Ziege mit dem Rezept ausgestattet, das Siege in Halle für alle verspricht: Hinten stehen, nach vorn schnell kontern. Das erstere klappt, das zweite lassen sie mal noch.

Beim HFC ist das Pulver auch bald verbraucht, Bei herrlichem Sonnenschein gibt Finnen-Stürmer Timo Furuholm den Stehgeiger, Andy Gogia verzettelt sich meist im Kleinklein und Sören Bertram hört irgendwann auch auf, Flanken in den leeren Strafraum zu schieben. Es muss dann Sascha Pfeffer ran, derzeit der einzige gebürtige Hallenser im Team und bis dahin eher unauffällig, verglichen mit Bertram auf der anderen Außenbahn. Aber nach einer halben Stunde nimmt er einen Kopfball von Gogia auf der falschen Strafraumseite mit rechts mit und schiebt mit rechts aus spitzem Winkel ein. 1:0, wie aus dem Nichts, aber hochverdient.

Es folgen weitere Chancen, ein Kopf von Banovic, der die Latte entlangrollt, ein Fernschuss von Gogia und ein Kopfball von Furuholm. Aber kein Tor mehr, denn der HFC hat jetzt - inzwischen mit Selim Aydemir für den Torschützen Pfeffer, der sich bei einer harmlos wirkenden Attacke seines Gegenspielers an der Außenlinie die Schulter verletzt hat - wieder den Schlafmodus aus dem MSV-Spiel eingeschaltet. Es ist langweilig im Sportpark, das Spiel scheint auch schon entschieden, weil Unterhaching die Vorsicht immer noch höher schätzt als das Risiko.

Eine Strategie, die belohnt wird, obwohl es erstmal nicht danach aussieht. Kaum haben die Ränge ihre Halbzeitdiskussionen darüber beendet, ob das nun ein 3:0 oder doch ein 4:0 werden wird, drückt der HFC nun doch wieder kräftig auf das Hachinger Tor. Aydemir scheitert am Hachinger Torwart Marinovic, Bertram, von dieser Aktion abgesehen nun eigentlich unsichtbar, läuft über den halben Platz und zieht von der Strafraumgrenze ab und Brügmann darf in Stellvertretung von Gogia einen Freistoß scharf und direkt aufs Tor knallen.

Der Treffer fällt aber auf der anderen, Sekunden nachdem Sven Köhler den ohnehin kaum mitspielenden Timo Furuholm gegen Osawe ausgetauscht hat. Furuholm stapft empört vom Platzt und grußlos in die Kabine, er ist kaum verschwunden, da klingelt es bei Kleinheider: Killer, der wirklich so heißt, spitzelt auf Köpke, der der Sohn von Andy Köpke ist. Und der schießt an Kleinheider vorbei in die Maschen.

1:1, die nächste Heimpleite kündigt sich, auch weil die Rot-Weißen nun wieder unter einer Last aus Angst über den Platz gurken. Fünf Minuten nach dem Gegentor ist Haching wieder im Strafraum, Marcel Franke verhindert eine Flanke in die Mitte mit ausgestrecktem Art. Elfmeter.

Das war es dann. Denken alle. Die Köpfe sind gesenkt, die Fans fluchen. Pierre Kleinheider, der 2013 schon einmal einen Elfmeter gegen Unterhaching gehalten hatte, bleibt einfach stehen. Und denkt den Schuss von Erb über die Latte. Eine Großchance aus der folgenden Ecke klärt der seit Monaten beeindruckend aufspielende Florian Brügmann per Kopf auf der Linie - und nun ist alles wieder offen, die Stimmung dreht sich, der HFC findet zum Kampf zurück.

Angeführt von Selim Aydemir, dem Rückkehrer, dem es in seiner zweiten Zeit in Halle noch nicht gelungen ist, an die großen Momente seiner ersten anzuknüpfen. Aber der Mann, der sein Lauftraining einst in der Straßenbahn absolvierte, will, das war schon bei seinem Kurzauftritt gegen Duisburg zu sehen. Da lieferte er kurz vor Schluss ein Torvorlage für furuholm, das Tor änderte nichts mehr an der Niederlage. Heute aber schießt er in der 82. eins, das drei Punkte sicher: Gogia tritt einen Freistoß, Aydemir läuft ein. Für einen Moment sieht der HFC aus wie eine Mannschaft, die solche Situationen im Training übt. Marinovic ist chancenlos. 2:1.

Es wackelt dann noch zwei-, dreimal, passt aber, weil der HFC den engen Vorsprung mit Kampf und Glück über den Schlusspfiff rettet. Der Auswärtsmeister der Liga - sechs Siege und drei Remis in elf Spielen - ist nach dem dritten Heimsieg in 13 Auftritten zu Hause nicht mehr Tabellenletzter der Heimtabelle. Ansonsten sind es zehn Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und elf auf den Platz, der zur Aufstiegsrelegation. Da ist rein rechnerisch noch alles möglich. Oder auch nichts.

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