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Donnerstag, 1. Dezember 2016

Das Merkel-Rätsel: Auf der Eisenbahnplatte der Polit-Elite

Alexander Kissler liest langsam, aber er liest gründlich. Die PPQ-Analyse zur neuen Merkel-Strategie von Kontinuität und Erneuerung, die am 18. November auf den signalhaften Beschluss der Kanzlerin, Walter Steinmeier als neuen Bundedspräsidenten einzusetzen, folgte, studierte der "Cicero"-Kolumnist fünf ganze Tage.

Dann griff er zur Feder um, wie einst Gott am siebten Tag, seine eigene Coverversion der Mikado-Story von PPQ zu schreiben. Die besteht aus "Fünf Lehren aus ihren jüngsten Auftritten" und meint Merkel, die, so Kissler, mit einigen Zitaten klar gemacht habe, dass ihr Blick auf dieses Land ein verschrobener, schockierender ist. Und ihre Fähigkeit, es zu führen, deshalb nicht mehr gegeben sei.

Betrachtet man Merkels Versuche, mit Hilfe wagemutig neugeschöpfter Formulierungen über "länger hier lebende" und "neu zu uns gekommene" Menschen ein Bild der Wirklichkeit zu malen, das diese abbildet, allerdings eben so, wie ein Gemälde von Caspar David Friedrich die Natur darstellt, dann bekommt Kisslers "Konter" (Selbstbezeichnung) den Charakter einer Fußballreportage. Fünf Szenen eines Spiels, die Merkel-Cam hält drauf. Und sieht: Die Altansässigen und die Neumigrierten, sie treffen sich „bei uns“.

Wir aber, die wir die sind, die schon länger hier leben, und auch die, die neu zu uns gekommen sind, wissen nicht, wer dieses "uns" ist. Irgendwelche Dritten? Merkel selbst und ihr Mann?

Kissler kann das Rätsel nicht lösen, er zeigt sich allerdings beunruhigt davon, dass es gestellt wird. Weiß die Kanzlerin, der mit dem früheren Boxer Axel Schulz Fast-Fußballer Martin Schulz ein mächtiger Gegner auf SPD-Seite erwachsen ist, nicht mehr, was sie redet? Was sagt uns ihr Satz "CDU-Politik war immer soziale Marktwirtschaft, Leitplanken zu finden"? Was meint sie mit "ich suche die Lösung dort, wo die CDU immer verankert ist"? Könnte es Teile der Bevölkerung beunruhigen, würde sie erklären, was dahintersteckt, wenn sie eine Nebensatzkette wie diese bildet: "Es ist in der Politik immer so, dass man nur sieht, was ist, aber nicht, was man verhindert hat"?

Die Kontinuität der angedrohten Entwicklung nimmt vor aller Augen die Ausmaße einer Angstkampagne an. Wie Frau Clinton in den USA will Merkel gewählt werden, um Bewegung zu verhindern, um Veränderung hinauszuschieben. Schulz, der bedauernswerte Zählkandidat der anderen Partei der Nationalen Front, steht für dieselbe Absicht: Weiter so in der Simulation einer offenen Gesellschaft, auf der Eisenbahnplatte der Polit-Elite, die nach Jahren in der Hängematte des "Europa in an allem Bösen schuld und wir bewirken alles, was gut ist" tatsächlich davon überzeugt zu sein scheint, als Schaum der Welt Wellen zu bewirken.

Es wird, läuft alles nach Plan, noch einmal so kommen wie immer. Merkel Kanzlerin, Schulz Außenminister, Gabriel verliert den Parteivorsitz. Reicht es nicht zu einer kleinen Großen Koalition, werden beide Parteien bereit sein, die Grünen oder die FDP oder auch beide mit an Bord zu nehmen. Hauptsache Machterhalt. Beendet Angela Merkel ihre vierte Amtszeit, werden junge Leute die Realschule verlassen, die nie eine andere Kanzlerin kannten.

Die letzte Chance für einen Aufbruch, einen Neuanfang, für die Rückkehr von Leidenschaft und Emotion in eine nur noch vor sich hinverwaltete Gesellschaft wird vergeben sein. Was danach kommt, ist ein Erdbeben.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sollte dieses Land den noch einen Funken an Stolz besitzen wird sie gehen...

Anonym hat gesagt…

Merkel kommt man mit semantischen Analysen nicht bei. Man muss konstatieren, dass sie zufällige Textbausteine aus einem strikt beschränkten Repertoire zu scheinbar vollständigen Sätzen zusammenfügt. Das Ziel ist, keine endgültigen Aussagen zu treffen und unbedarfte Textausleger zu verwirren.
Kein Wunder, dass die SPD alle Hoffnung auf Martin Schulz setzt. Der ist der einzige, der dieses Stil ähnlich wie sie beherrscht, wobei er die Kunst, das Willkürliche der Rede unter einer Schicht rhetorischen Grauputzes zu verstecken, deutlich schlechter beherrscht.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht wäre ein Berliner Busfahrer ein geeigneterer Gegenkandidat.