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Montag, 19. Dezember 2016

Fake-Weihnachtsverbot: Verteidigung des Abendlandes

Fake News aus erster Hand:  Nichts Genaues weiß man nicht, aber empört sein geht schon wieder.
In der zwölften Stunde schon jagen sich die Dementis. Eben war da noch ein klares Weihnachtsverbot an einer Schule in der Türkei. Und das passte! Der Hass auf den Islam bekommt Futter, unverdächtigerweise, denn nicht die vielen weihnachtsliebenden Muslime in aller Welt sind schuld, sondern Erdogan, der Despot von Ankara. Das bringt Klicks bei sauberem Gewissen, das reizt, die härtesten Verbalgeschütze aufzufahren: "Erdogan-Türkei reißt alle Brücken nach Europa ab", heißt es da, und "türkischer Furor verbannt Weihnachten aus deutscher Schule".

Dass die Sache vielleicht ganz anders ist, muss die Berichterstattung nicht stören, so lange die neuen Regeln zum Fakenews-Strafrecht nicht gelten. Ein Dementi? Kurz ein Satz vorabgeschoben: "Jenseits der unklaren Nachrichtenlage nimmt die Debatte über ein angebliches "Weihnachtsverbot" an einer deutsch-türkischen Schule in Istanbul Fahrt auf - Politik und Kirche üben scharfe Kritik". Und schon geht es weiter im Text.

Was bildet sich dieser Erdogan ein? Schließt mit der EU Abkommen, um Flüchtlinge mit Ziel Deutschland bei sich zu internieren, lässt dann aber schon im ersten Jahr 170.000 Menschen entkommen. Willigt ein, die Südflanke der Nato gegen Putin zu halten – trifft sich dann aber sichtlich gutgelaunt mit dem Mörder von Aleppo.

Und als sei das alles noch nicht genug, verbietet der neue Sultan nun auch noch Weihnachten. Unser Weihnachten. Irgendwie. Vielleicht. Könnte. Oder es war der Schulleiter. In einem ersten Schritt nur an einer deutschen Auslandsschule, die im islamistisch geprägten EU-Beitrittsland offensiv Stimmung für eine deutsche Leitkultur aus Weihnachtstanne, Knecht Ruprecht und alljährlichem Konsumwahnsinn machen sollte. Doch die deutsche Innenpolitik schreit auf, als stünden die Janitscharen wieder vor Wien.

Ausländerfeindlichkeit und Ressentiments machen sich breit, offen türkenfeindliche Hetzer fordern Konsequenzen, wo ruhiges Abwägen und lange Gespräche über gemeinsame Werte nötig wären.

Weihnachtsverbot bedeutet Krieg. Auch die Bundesregierung stimmt in die Schelte gegenüber der Türkei ein. Man habe „mit Unverständnis“ erfahren, dass die türkischen Behörden an einer deutschen Auslandsschule "das Thema Weihnachten gestrichen" haben. Das Auswärtige Amt erklärte wenig diplomatisch, man verstehe die überraschende Entscheidung der Schulleitung im "Istanbul Lisesi" nicht.

Doch 35 deutsche Lehrer, in der Diasporawerden aus deutschen Steuermitteln bezahlt, werden nicht allein gelassen. Die Verteidiger des Abendlandes, uninformiert, aber kampfeslustig, treten in Scharen auf. CSU-Generalsekretär Scheuer bezeichnet den völlig unklaren Sachverhalt als "Verstoß gegen die Religionsfreiheit". Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Jung, CDU, erklärt wütend, ein "Verbot der Brauchtumspflege" sei vollkommen inakzeptabel. Und Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, zürnt im Gefühl deutscher Allmacht über das türkische Weihnachts-Verbot. „Ein Verbot des Themas Weihnachten an Schulen ist nicht hinnehmbar, erst recht, wenn sie von Deutschland mitfinanziert werden”, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur dpa.

Jetzt ist die Stunde gekommen, dies gegenüber Ankara klarzumachen, auch wenn vielleicht alles ganz anders ist. Weihnachten war. Weihnachten muss. Weihnachten wird sein. „Wenn die türkische Regierung darauf nicht eingeht, dann muss die Finanzierung für die Schule eingestellt werden, sagt Nouripour, der sein Studium nicht abgeschlossen hat und sich deshalb ersatzhalber lange "Promovend der Germanistik" nannte. Nouripour ist Sicherheitspolititer, Außenpolitiker, Atlantik-Brücke-Mitglied und Ex-Vorstand des Gülen-Forums für interkulturellen Dialog.

Weihnachtsmann ehrenhalber wird er nun sicher auch bald noch.




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Bei dieser ganze Fakenews-Blase ist einfach ein etwas falscher Zungenschlag reingeraten. Es geht weniger um ein faktuales Wahrsein einer Meldung (das kann endgültig sowieso nur Gott beurteilen) als um das amtliche Festlegen des Wahrheitsgrades.

Zum Beispiel
Kategorie A1: Das dürfen Sie glauben.
Kategorie A2 Das müssen Sie glauben.
Kategorie A3: Es wäre besser für Sie und Ihre Familie, wenn Sie das glauben würden.
Kategorie B1: Das sollten Sie nicht glauben.
Kategorie B2: Das dürfen Sie nicht glauben.
Kategorie B3: Es wäre besser für Sie und Ihre Familie, wenn Sie das nicht glauben würden.

Alles, was an negativen Meldungen über Erdogan im Umlauf ist, ist zur Zeit immer Kategorie A1.

Gernot hat gesagt…

Original-Ton BRD-Rundfunk, irgendwo im Radio gehört: "Zwar gibt es an der Schule keine deutschen Schüler, aber ..."
Ja, wem ist denn da welche Weihnachtsfeier verboten worden? Ein Treffen der Lehrer lässt sich ja kaum verbieten.