Google+ PPQ: Terrorimmunes Deutschland: Lob der neuen Freiheit

Sonntag, 20. August 2017

Terrorimmunes Deutschland: Lob der neuen Freiheit

Aus der Unmöglichkeit, dass Terror unsere Lebensweise verändert, ist die Unmöglichkeit geworden, uns zu besiegen. Aus der Gewissheit, dass das Gute am Ende triumphieren wird, wurde der feste Glaube, dass das Böse nicht auf ganzer Linie siegt. Mit Pollern und Betonbarrieren, Taschenkontrollen, neuen Sprachregelungen und nur noch verbal offenen Grenzen erwuchs nach London, Stockholm, Brüssel, Paris und Barcelona eine Erkenntnis: "Unsere Freiheit hat sich verändert".

Terror zum Angewöhnen


"Man kann Städte nicht zu Festungen ausbauen", stellt ein Experte in der Wiener Kronenzeitung überraschend fest. Ein Umdenken bei den Menschen müsse stattfinden, denn die Zeit der Sorglosigkeit sei vorüber. "Wir müssen uns an den Terror gewöhnen", sekundiert der Kölner Stadtanzeiger.

Der Tourismus hat sich verändert, bemerkt der Tagesspiegel. Die Verpollerung von Stadtfesten, die Durchsuchungshäufigkeit bei Veranstaltungen, die Videoüberwachung im öffentlichen Raum, Rucksackverbote, Strafen für vergessenen Koffer - alles ist anders als früher, aber damals ging es Deutschland lange nicht so gut wie heute.

Die offene Gesellschaft erfindet sich neu, sie lässt sich von Fanatikern, Dschihadisten und Selbstmordattentätern keine Angst machen. „Wir wissen, unser freies Leben ist stärker als jeder Terror“, predigt die Kanzlerin, nachdem sie sich mit dem Zählkandidaten der SPD auf eine Fortsetzung des Wahlkampfes in "deutlich leiserer" Form geeinigt hat..

"Die Freiheit hat sich verändert", sie ist nicht mehr vorab ausgehandelt wie bisher, sondern Gegenstand hausrechtlicher Vorgaben. Muss ich denn in Menschenmengen gehen? In Innenstädte? Kann ich nicht auch im Internet einkaufen, mir Essen von Edeka liefern lassen, das Livekonzert bei Netflix schauen?

 Der Freiheit, die sie meinen


Die westliche Zivilisation entwickelt sich weiter. Der Schutz, der außen fehlt, wird im Inneren nachgeholt. Frankreich ist seit Jahren im Ausnahmezustand, die offenen Schengen-Grenzen unterliegen permanenter Kontrolle. Die Zeiten, als Staaten wie Dänemark, Ungarn und Österreich sich vor Berliner Standgerichten verantworten mussten, weil sie Zäune bauten und Grenzbeamte aufmarschieren ließen, sind vorbei. Europa akzeptiert die Änderungen stoisch: "Der Anblick hochbewaffneter Paramilitärs an Frankreichs Bahnhöfen und Shopping-Malls befremdet einen zwar weiterhin, aber man nimmt ihn hin", heißt es im "Tagesspiegel".

Ein Lob der neuen Freiheit, das sich durch zahlreiche Kommentare zieht. Wir lassen uns das Singen nicht verbieten, freut sich Issio Ehrich bei n-tv. "Weil wir nicht in Angst erstarren, geht die IS-Strategie nicht auf!", jubelt die Bild-Zeitung. Unsere Mauern brechen, unsere Herzen nicht.

Deutschland ist durch Morde gereift, abgehärtet durch den multiplen Schrecken immer wieder durchdrehender "Lieferwagen" (SZ), gegen deren unschönes Treiben die Behörden  noch kein wirksames Abwehrmittel gefunden haben.

Die Menschen schon. Deutschland "wurde zumindest ein Stück weit immun gegen den Schrecken des Terrors" (n-tv). Eine Hornhaut hat sich über die Empfindlichkeiten der Vergangenheit gelegt, als Nizza, London und Paris noch tagelang Thema waren. Heute wechselt die Terrorbetroffenheit noch in der Nacht nach einem Anschlag zu kühler Gelassenheit. Ein routinierter "Brennpunkt" noch und eine "Rekonstruktion des Anschlags von Barcelona", die minutiös und unter strikter Vremeidung irritierender Begriffe wie "Islam", "Islamismus" oder "Muslim" beschreibt,  wie "der Lieferwagen seine ersten Opfer" (SZ) überfuhr. Aus und Ende.

Noch zehn, zwölf oder 20 Anschläge, und Martin Schulz, Steffen Seibert, Sahrah Wagenknecht, Christian Lindner und der Rest der berufsbetroffenen Trauertwitterer werden sich alle Selbstzitate sparen und ohne den derzeit noch nötigen Moment geheuchelten Mitgefühls zur Tagesordnung übergehen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Tja was will man auch anders machen, es ist nunmal ein naturereignis wie ein blitzschlag oder eine flut, was gänzlich unserer kontrolle entzogen ist, darüber sollte man nicht zuviel grübeln, das tut unsere regierung schon für uns.

ppq hat gesagt…

das christentum jedenfalls ist durch das hinhalten der anderen backe schon einmal weltreligion geworden

Volker hat gesagt…

"Die Gewöhnung an den Terror ist unverzichtbar"

Das schreibt übribens der gleiche Tagesspiegel, der bei jedem Pegida-Furz hyperventiliert und der sich voll verausgabt beim Krampf gegen Rechts.

Die Anmerkung hat gesagt…

Gabriel liebt alle Türken.

Wieder einmal war eine Woche anstrengender Suche nach einem lecker Satirebeitrag völlig umsonst. Der Pop-Beauftragte schüttelt den mal locker aus dem Ärmel.

ppq hat gesagt…

wenn gabi ein machtwort spricht, erzittert der bosporus. wie damals, als er die amerikaner vor der wahl von donald trump warnte, was natürlich keine einmischung in den amerikanischen wahlkampf war, sondern ein guter rat unter - damals noch - freunden.

Mister Bombastic hat gesagt…

Was früher nur wenigen betuchten Bundesbürgern dank immenser Zusatzkosten gelang, die perfekten Abenteuerferien, das ist dank merkelscher Willkommenspolitik nun jedem Schnäppchenjäger-Pauschaltouristen auch innerhalb Europas möglich.

Orientalische Import-Fachkräfte für Pyrotechnik mit Knalleffekt und Kfz-Stunts sorgen dafür, dass es dem Entspannung suchenden Michel nie zu langweilig wird, wenn er z.B. im sonnigen Urlaubs-Süden über Flaniermeilen wandert oder Discos besucht. Sogar in der Heimatstadt kann man jederzeit in diesen multikulturell bereicherten Eventgenuss kommen. Ödes Shopping war gestern, denn heute dominiert das erregende Prickeln, ob man unversehrt genug wieder heim kommt, um das Gekaufte auch noch genießen zu können. Wäre schließlich schade um die hübschen neuen Schuhe, wenn einem die Füße dafür weggesprengt würden ... oder?

Wenn diese bisher unbekannte Bombenstimmung kein evolutionärer Fortschritt ist, was dann?

Anonym hat gesagt…

Man schaue auf die moslemische Welt, die haben sich nicht nur an den Terror gewöhnt, sondern soviel davon, dass sie ihn exportieren können. Es ist nach Erdöl das bedeutendste Exportgut der Moslems.
Ich könnte mich aber ehrlich gesagt besser mit dem Terror im Gefolge von Merkels Verrat anfreunden, wenn man mir erlauben würde, nach orientalischer Sitte ein paar Kalaschnikows im Haus zu haben.