Google+ PPQ: Evil Kiewel

Dienstag, 25. Dezember 2007

Evil Kiewel

So leicht ist die Heuchelmaschine auf Hochtouren zu bringen: Weil die Fernsehansagerin Andrea Kiewel einen Vertrag mit der Abmagerungsmanagement-Firma Weigh Watchers hatte, verlor sie ihren Vertrag beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Als Begründung wird "dreiste Werbung" genannt und als Beispiele werden Auftritte der einstigen Leistungssportlerin in Talkshow angeführt, in denen sie den Namen ihres Werbepartners "auffällig häufig" genannt habe.

Das Erstaunliche daran ist allerdings die Tatsache, dass Kiewel sich natürlich keineswegs bei Herrn Kerner oder Herrn Beckmann eingeschlichen hatte, um dort bei einer Diskussion über Kinderarmut immer wieder unauffällig "Weight Watchers" zu rufen. Die Moderatorin, vertraglich als sogenanntes Testimonal an WW gebunden, war genau aus diesem Grund geladen: Weil sie öffentlichkeitswirksam mit WW abgenommen hatte und deshalb zum Thema Abnehmen und Abnehmen mit Weight Watchers als Expertin galt.

Das ist gängige Praxis im deutschen Fernsehen. Die Sitzecken bei Will, Beckmann, Kerner, Illner und Co. quellen über vor Diskutanten, die ein Produkt an den Mann bringen wollen. Selbstvermarkter unter sich von ARD bis SWF: Till Schweiger erzählt von seinen Kindern, wenn sein neuer Film ins Kino kommt, der Religionsexperte Manfred Lütz von Pattloch wedelt mit seinem neuen Buch "Gott", Nina Hagen taucht aus der Versenkung auf, um ihre neue Fernsehshow bei der privaten Konkurrenz zu promoten und auch der Clown Mario Barth verdankt seine Teilnahme an der Hinrichtungszeremonie mit Eva Herman nur dem Umstand, dass er bei der Gelegenheit eine neue DVD ins Bild halten wollte.

Längst unterscheiden sich deutsche Talkshows nur noch marginal von den Dauerwerbesendungen auf den Einkaufskanälen, nur die Prominenten sind beim vermeintlichen "Informationsfernsehen" der gebührenfinanzierten Sender prominenter. Von Sonntag zu Sonntag sprudeln die Verkaufskanäle über vor nur dürftig als "Diskussionsrunden" maksierten Versammlungen von Buch- und CD-Verkäufern, Marktschreiern für neue Modekollektionen, Religionen, Kinofilme, Samstagabendshows und Konzerttourneen. Die Gastgeber der Produktpräsentatoren aber stehen ihren Gästen nicht nach: Kerner versilbert sein mit Gebührengeldern popularisiertes Gesicht als Werbeträger für Air-Berlin, Günther Jauch trommelt für ein Lottounternehmen und bei Thomas Gottschalks Sendung "Wetten, dass..." steht eine große Schale Haribo-Glücksbärchen unübersehbar auf der Bühne. Kein Problem. Ist ja keine Schleichwerbung. Sondern dreiste Reklame.

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