Google+ PPQ: Meinungsstark mit falschen Fakten

Freitag, 25. Januar 2008

Meinungsstark mit falschen Fakten

Das Schöne an Kampagnen ist ja, dass sie imme rnach hinten losgehen. Dass es der Bundesregierung mit dem billig provozieren Protestgeschrei gegen den "Handy-Riesen" (SZ) Nokia gelungen ist, von einer ganzen Reihe anderer Schlachtfeldern abzulenken, wird den meisten Beschäftigten bei Quelle, der WestLB und dem Bistum Trier erst auffallen, wenn sie selbst nicht nur ihr finnisches Handy, sondern auch ihren Arbeitsplatz verloren haben. Ohne dass Seehofer einen Gebetsboykott, die Merkel ein Versandhaus-Embargo und Steinbrück das Verbot von Überweisungen nach Köln erlassen hat.

Aber wenn erstmal alle in eine Richtung trampeln, wie das dank der meinungsbildenden Kraft unserer Liebslings-Agentur dpa jeden Tag vorkommt, schert niemanden mehr die Frage, wo es überhaupt hingeht. Alle müssen mit, denn der erste, der mit einer einer fetzigen Meinung rüberkommt, steht immer noch besser da als der 70. mit einem Dementi der Fakten.

Auch die gern als "angesehen" bezeichnete "Süddeutsche Zeitung" hat deshalb nicht die Kraft, Tatsachen vor der Kommentierung zu prüfen. Sie ist meinungsstark genug, auch unter falsche Annahmen das richtige zu sagen und verkehrte Fakten schnell mal mit harschen Worten zu kommentieren: "Billiges Geschwätz eines Handy-Riesen" urteilt dort heute ein Carsten Matthäus sehr entschieden und selbstsicher und im Text erläutert er dann natürlich, wie moralisch verkommen die Firma ist, wo sie doch nun "ihren Bochumer Mitarbeitern den Umzug nach Rumänien empfiehlt". Klares Urteil aus München: Eine "höhnische Aktion", die "offenbart, wie weit die Realität vom sonstigen Marketing-Blabla des Unternehmens abweicht."

Halleluja! Wahr gesprochen, Süddeutsche Zeitung! Mutige Worte, klare Positionen, keine Gefangenen.

Wir bei PPQ fragen uns allerdings, ob der Kommentar weiter online bleiben kann. Wo doch Nokia inzwischen klar gemacht hat, dass es eine Empfehlung zum Umzug nach Rumänien nie gegeben hat und nicht geben wird. Was irgendwie darauf hindeutet, wie weit die Realität manchmal vom eiligen Kommentar-Blabla der Süddeutschen Zeitung abweicht.

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