Google+ PPQ: Wenn Milliarden verschwinden

Dienstag, 8. April 2008

Wenn Milliarden verschwinden

Ein Jahr wurde gerechnet, geschätzt und geknobelt, jetzt endlich konnte der Internationale Währungsfonds (IWF) die amtlichen Zahlen vorlegen. "Fast ein Billion US-Dollar Verluste" (dpa) würden am Ende "als Folge der Finanzkrise" (Welt) in den Büchern der Weltwirtschaft stehen. Das diche Ende komme also noch, folgern die Experten bei den Nachrichtenagenturen: Bislang hätten Banken und Investmenthäuser nämlich nur Abschreibungen in Höhe von 232 Milliarden Dollar veröffentlicht.

Aber wo sind sie denn hin, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) flugs und seltsamerweise nicht zum heutigen Tageskurs in 640 Milliarden Euro umgerechneten Moneten? War das Geld überhaupt jemals da? Wenn ja, wer hat es jetzt? Und wenn nein, kann Geld, das nicht da ist, verloren werden?

IWF und dpa halten sich mit Erklärungen zurück. In ihren Erzählungen sind Verluste Verluste, weil Banken für Dinge, die wenig wert waren, für die aber viel bezahlt worden wäre, hätte man sie im richtigen Moment verkauft, nicht den Wert, sondern den Preis in die Bücher genommen hatten. Im wahren Leben etwa: So lange ich glaube, dass die geerbte gelbe Münze von Oma aus Gold ist, wie die alte Dame versichert hat, vergrößert sie mein Vermögen um den den Preis ihres Gewichtes in Gold. Lässt mich der Juwelier dann aber wissen, dass es sich doch nur um vergoldetes Blech handelt, schrumpft mein Vermögen auf das Maß, das es immer hatte - wenn auch, ohne dass ich es wusste.

Hier haben nun Leute aus falschen Goldmünzen Pakete geschnürt, Optionen designt und sie sich gegenseitig zu immer höheren Preisen zugeschoben. In der Hoffnung, dass erst den Letzten und nur den Letzten die Hunde beißen werden. Vom Preis bleibt aber am Ende zuweilen doch nur und ganz schnell nur der wahre Wert - so dass alle, die ihre Schrottimmobilien und Schrottimmobilienfonds und Zertifikate auf Versprechen auf Anteile an Futures auf verschuldete Kreditnehmer ohne Einkommen zu völlig überhöhten Preisen rechtzeitig verhökert haben, heute im Besitz des Geldes sind, das anderen beim Blick in die Brieftasche fehlt.

Das allerdings ist bei Spekulationsblasen immer so, seit das Tulpenfieber in Holland anno 1634 aus zahllosen Niederländern sehr, sehr reiche Leute machte. Bis sich herausstellte, dass für all die vielen, vielen Zwiebeln, in denen der Reichtum zu stecken schien, gar keine Abnehmer mehr da waren: Ohne Preis aber kein Wert. Plötzlich waren die meisten reichen Leute nur noch um eine Erfahrung reicher.

Die sich nicht bis heute gehalten hat. Wie eine Naturkatastrophe schildern Politiker, Medien und Notenbanker das grausige Hypotheken-Unheil, das doch von Menschen gemacht wurde. Zutaten waren billiges Geld und eine Kapelle aus Politik und Banken, die dem stuhltanzbegeisterten Publikum immer noch eine Zugabe trötete, während mit jeder Runde noch ein Stuhl rausgetragen wurde. Eine "Reise nach Jerusalem", das war klar, bei der am Ende nicht mehr nur einer keinen Platz mehr finden wird.

Stehen müssen nun aber vor allem die öffentlich-rechtlichen Banken in Deutschland, die gemessen an ihrer Marktkapitalisierung zehnmal engagierter auf dem US-Immobilienmarkt zugelangt haben als die deutschen Privatbanken. Die genannten "US-Hypothekenkrise" ist so eigentlich eine Krise des öffentlich-rechtlichen deutschen Bankenwesens, das sich ohne direkte und originäre Aufgabe darauf verlegt hat, unter der Aufsicht der deutschen Spitzenpolitik mit dem gemeinschaftlichen Eigentum von Steuerzahler und Sparkassensparern ganz vorn mitzuhetzen bei der Jagd nach den heißen Renditen.

Die deutschen Staatsbanken haben es also nicht, das Geld, das angeblich weg ist, in Wirklichkeit aber immer nur hypothetisch existiert hat. Im 3. Programm gestand neulich ein Banker bayrischen Faiffeisenbank, warum sein Institut die große Chance auf die schnelle Mark verpasst hat. Und nun ohne Milliardenverluste klarkommen muss: "Wir haben das einfach nicht verstanden und die Finger davon gelassen."

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