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Freitag, 10. Oktober 2008

Spiralen mit Steinbrück

Nur eine Woche nach Beginn des größten Marktzusammenbruchs aller Zeiten sind die Nachrichten von der Börsenfront auch in den stillen Regierungsstuben von Berlin angekommen. Peer Steinbrück, als Finanzminister bis vor 160 Stunden noch der festen Überzeugung, dass "Deutschland von den Entwicklungen in den USA kaum betroffen sein wird", kämpft jetzt in vorderster Front gegen "das Risiko einer systemischen Krise" (Steinbrück), das es eben noch gar nicht gab.

"Wir sind in einer Entwicklung, wo die Spiralbewegung nach unten noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat", sagte Steinbrück laut dpa. Im Unterschied zu den festen Überzeugungen, von denen der Minister bis kurz vor dem gesprochenen Wort überzeugt war, sei er "mit Blick auf Deutschland nun, dass wir mit Fall-zu-Fall- Regelungen nicht mehr weiterkommen". Die hatten bisher vorgesehen, die Hypo Real Estate-Bank mit einer Bürgschaft zu retten, Kanzlerin Merkel versprechen zu lassen, sie selbst garantiere mit einem vollen Jahreseinkommen des gesamten Kabinetts alle Sparguthaben der Deutschen und der Haushalt 2011 werde auf jeden Fall ohne Neuverschuldung auskommen.

Nun ist alles anders. "Wir müssen versuchen, einen Ansatz zu finden, der für den Sektor insgesamt einen stabilisierenden Charakter hat", glaubt Steinbrück, als Urgroßneffe des Bankgründers Adelbert Delbrück und gelernter Offizier geübt darin, jede neugewonnene Überzeugung für ganz grundsätzlich zu halten. Vom deutschen Weg der Gesundbeterei scheint sich die große Koalition indes verabschieden zu wollen, jetzt fordert der Finanzminister eine "international abgestimmte Lösung".

Bundesbankpräsident Axel Weber, mit dem Steinbrück zuvor beraten hatte, ließ durchschimmern, was er von der Politik der ruhigen Hand hält, mit der die Bundesregierung bisher versucht hatte, die Weltfinanzkrise wegzuwünschen. "Für mich ist die Alternative, derzeit nichts zu tun, keine Alternative."

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