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Freitag, 10. Oktober 2008

Plunge ohne Protection

Jahrelang war es da, wenn es brannte, wenn die Märkte kippten, die Kurse zusammenschrumpelten wie gebackene Apfelschalen, wenn Noit am Mann war und nirgendwo Hilfe in Sicht: Das geheimnisumwitterte Plunge Protection Team (PPT) galt Verschwörungstheoretikern aller Länder als letzte Bastion gegen kollabierende Weltfinanzen, als Rettungsanker für ganze Volkswirtschaften, als fangsicherer Torwart, der auch dem letzten ungestümst anrennenden Stürmer der wirtschaftlichen Anarchie gekommt den Ball vom Fuß pflückte.

In der Asienkrise habe, so die im Netz weitverbreitete Ansicht, das Plunge Protection Team seinerzeit ebenso das Schlimmste verhütet wie in der Russlandkrise. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase seien die namentlich nicht bekannten Mitglieder der von der US-Regierung gelenkten Truppe mit riesigen Kaufaufträgen ausgezogen, den Sturz der Hightech-Aktien abzufedern. Und nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war es natürlich, so hieß es, das Plunge Protection Team, dem es mit geschickten Käufen gelang, den Kollabs der westlichen Industriegesellschaften zu verhindern.

Das war nun allerdings vor sieben Jahren - und seit die neue, die tiefste, die letzte und schlimmste Krise des Finanzkapitalismus grassiert, ist nirgendwo mehr etwas zu sehen vom hilfreichen Eingreifen der staatlichen Absturz-Verhinderer, deren Existenz von Seiten der US-Regierung nie bestätigt worden war. Komischerweise hört man nun erstmal aber auch nichts mehr von den Verschwörungstheoretikern, in deren zwischen notwendiger Rückkehr zum Goldstandard und notwendigem Wechsel zu einer Schwundwährung irrlichterndem Kosmos das Plunge Protection Team zwanzig Jahre lang die Rolle Gottes spielte: Was soll man Kursbewegungen erklären, die von einer staatlichen Stelle mit Milliardenpotenz manipuliert werden?

Ein letztes Lebenszeichen des PPT gab es Mitte September. Damals, als der Dow Jones um die 10.000-Punkte-Marke kämpfte, analysierte die US-Börsenseite Seeking Alpha glasklar, das sei die Stunde des PPT gekommen, der Staat werde wie noch immer zuvor eingreifen, um ein Abstürzen der Kurse zu verhindern. Hunderte Milliarden ärmer wissen Millionen Anleger weltweit es drei Wochen später besser: Dem PPT ist das Geld ausgegangen. Oder es hat vielleicht doch nie existiert.

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