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Donnerstag, 15. Januar 2009

Mannichl: Tiefenrecherche im Flachwasser

Die "Welt" spielt eine Runde Journalismus, ungewohnt genug für deutsche Medien, um es hier zu erwähnen. Dirk Banse heißt der Mann, der tatsächlich vor Ort war, und die geheimnisvolle "Zeugin" befragte, nach deren Aussagen die Polizei Mitte Dezember stolz die ersten Tatverdächtigen im Fall Alois Mannichl präsentiert hatte.

Weshalb die Polizei darauf kam, geht aus dem "Welt"-Text zwar nicht hervor. Er erwähnt nur wieder, dass "die Zeugin bei der Polizei ausgesagt" habe, "am Tattag auf dem Friedhof und später vor einem Café in Fürstenzell eine fünfköpfige Gruppe von mutmaßlichen Rechtsextremisten erkannt zu haben". Was jetzt genau betrachtet weder eine Straftat ist noch in irgendeiner Weise verdächtig. Immerhin aber gelang es dem Reporter nun, herauszufinden, dass das wirklich schon alles ist, was gegen das dann für eine Woche eingesperrte Nazi-Paar Sabrina und Manuel H. vorlag: "Wie aus dem Haftbefehl hervorgeht, stützte sich der Verdacht ausschließlich auf die Zeugin."

Nach Angaben des Anwalts der beiden selbsternannten "freien Nationalisten" hätten seine Mandanten allerdings beweisen können, dass sie "am Tag des Angriffs nicht in Fürstenzell oder Passau" waren. Das Paar kann also "wasserdicht" (Die Welt) belegen, dass es nicht dort war, wo seine Anwesenheit auch nichts weiter bedeutet hätte.

Gesehen worden ist es dort trotzdem. "Ich bleibe bei meiner Aussage", sagt die Zeugin zur "Welt". Sie sei deswegen kurz vor Weihnachten sogar an ihrer Haustür bedroht worden. Ein etwa 1,90 Meter großer Mann mit Glatze habe sie aufgefordert, ihre Aussage zurückzuziehen."

Die Altenpflegerin glaubt, dass sie bedroht worden ist, weil ihr Name im Haftbefehl für das Nazi-Paar stand. Das investigative Magazin "Stern" glaubt, dass das eine "Polizeipanne" ist. Die "Welt" hat nun in einwöchiger Tiefenrecherche herausgefinden können, was jeder Jurastudent weiß: "Nach Aussagen eines erfahrenen Ermittlers ist es aber durchaus üblich, den Namen eines Zeugen im Haftbefehl zu nennen." (Welt) Die Nazis, dankbar und amüsiert für diese Vorführung wie aus dem Staatstheater einer Bananenrepublik, lachen sich derweil tot. Ein Rohrkrepierer, ein Schuß ins Knie. Der Schaden für den "Kampf gegen rechts" (Angela Merkel) könnte nicht größer sein.

Da geht Reporter Banse gleich etwas härter ran. Und siehe: "Maria D. wirkt verunsichert, bei der Schilderung des Ablaufs der Bedrohung widerspricht sie sich".

Dabei müsste sie das nicht einmal, weil allein schon ihre schiere Schilderung des Überfalls auf sie weniger für eine Bedrohung als für eine rege Fantasie spricht: Obgleich am Hals gepackt, konnte die 58-Jährige die "Springerstiefel" (Maria D.) des glatzköpfigen Nazi-Gangsters genau sehen, der sie um 23.30 Uhr nachts im Dunkeln vor ihrer Hautür packte.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wer ist Maria D.?
Hieß die Zeugin nicht Magda Kaiser?

politplatschquatsch hat gesagt…

magda kaiser war sie im "stern", die welt nennt sie jetzt halt maria d.

heißen wird sie also vermutlich erika kloppenberg. oder noch anderster

martin r hat gesagt…

Passauer M(an)ichl hat mein Mitleid: die arme Sau hat wahrscheinlich keine Ahnung, das interessierte Kreise den unbekannten Amor der CSU Pfeile schicken ließen, um ein besseres Erscheinungsbild bei EUROPA abzuliefern. Vorbilder gibt es ja genug, nicht bloß 911.

Anonym hat gesagt…

„Der Fall gerät zur Tragödie. Es scheint kein gutes Ende mehr zu geben“
http://www.zeit.de/2009/04/Portraet-Mannichel

Tja, das gute Ende ... wäre alles sooo schön gewesen!

Anonym hat gesagt…

Der Beruf der "Zeugin" wird mit Altenpflegerin angegeben. Frau Mannichl betreibt übrigens einen "Kranken- und Altenpflege-Dienst. Siehe: http://pflegedienst-fuerstenzell.de/

Schon mal darüber nachgedacht, ob es da gewisse Verbindungen geben könnte?