Google+ PPQ: Zu wahr, um schön zu sein

Freitag, 16. Januar 2009

Zu wahr, um schön zu sein

Doris Schammelt aus Halle schrieb vor einigen Tagen dem neuen Chefarzt des Diakonischen Krankenhauses in der Lafontainestraße ein paar Glückwünsche zum Dienstantritt. Soll sie. Aber warum musste es gleich ein „Offener Brief“ sein? Weil es um große Dinge geht, so große Dinge, dass mit ihnen nicht nur Ärzte, sondern auch Gerichte behelligt werden müssen.

Doch der Reihe nach – soweit das in diesem verworrenen Casus möglich ist. Fangen wir mit Ryke Geerd Hamer an. Der promovierte Internist führte offenbar bis 1979 das unauffällige Leben eines deutschen Durchschnittsarztes. In diesem Jahr starb sein Sohn unter dubiosen Umständen, nachdem er durch einen Schuss schwer verletzt worden war (der Schütze war übrigens Vittorio Emanuele Alberto Carlo Teodoro Umberto Bonifacio Amadeo Damiano Bernardino Gennaro Maria di Savoia). Einige Monate später erkrankte Hamer an Hodenkrebs und entwickelte in der Folge eine hinlänglich abstruse Theorie, die er unter dem Titel „Das Hamer-Syndrom und die Eiserne Regel des Krebs“ als Habilitation an der Universität Tübingen einreichte. Aufgrund wissenschaftlicher Mängel in Form und Methodik wurde die Arbeit jedoch abgelehnt.

Ob Hamer immer schon durchgeknallt war oder ihm erst jetzt – als quasi beleidigte Leberwurst inklusive Größenwahn – die Tassen aus dem Schrank purzelten, lässt sich schwer eruieren. Fakt ist, dass er ab 1981 die so genannte „Germanische Neue Medizin“ (GNM) postulierte. Diese brachte er bald gegen die „jüdische Schulmedizin“ in Stellung – zu Verschwörungstheorien und plattem Antisemitismus war es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Doris Schammelt wiederum ist eine treue Gefolgsfrau des mehrfach verurteilten Hamer, der einige Male im Gefängnis saß und sich seit einiger Zeit vornehmlich im Ausland aufhält, derzeit wohl in Norwegen. Im Sinne seiner GNM behauptet die Hallenserin in ihrem Offenen Brief, seit 30 Jahren würden „weltweit nicht-jüdische Patienten mit Chemotherapie und Morphium ermordet“. Jeden Tag sterben ihrer Meinung nach 1500 Menschen an angeblichen Behandlungsfehlern, in den vergangenen 27 Jahren summiere sich das Ganze auf zwei Milliarden „zu Tode kurierter“ Menschen. Wenn das kein „Massenmord“, kein klarer „Genozid“ ist – was dann? Fragt sich Mathe-Genie Schammelt und fordert den armen Diakonie-Arzt auf, das „Verbrechen“ zu beenden und die „Weltöffentlichkeit zu informieren.

Einer ihrer Kronzeugen ist der angebliche Oberrabbiner Esra Iwan Götz, der neben seinem Hauptberuf auch noch Holocaustleugner, Minister für Auswärtige Angelegenheiten des "Freistaats Sachsen" und Sonderbotschafter des Reichslandes Freistaat Preußen ist sowie Mitglied der kommissarischen Reichsregierung war. Götz wiederum weist sich mit einem gefälschten Ausweis der Synagogengemeinde Halle aus.



Wir haben also: einen antisemitischen Wunderdoktor, einen preußisch-hallischen Oberrabbiner, der erstens keiner ist, zweitens unter anderem wegen Volksverhetzung zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde und drittens Zionisten für Neonazis hält, sowie eine mindestens ober-spinnerte Hallenserin, die Offene Briefe gegen den Massenmord schreibt und die Gerichte mit Klagen überhäuft. Zu wahr, um schön zu sein.

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