Google+ PPQ: Im Schiff nach irgendwo, Gespräch im Zwischendeck

Samstag, 14. Februar 2009

Im Schiff nach irgendwo, Gespräch im Zwischendeck

A) ich frage mich, ob das vor allem in deutschland so ist: diese genuessliche faszination am derzeitigen "untergang", mit seinen stuendlich upgedatedeten superlativen im "krisenticker" und periodisch posaunten vokabular die "duester", "staerker als von allen experten erwartet" oder "horrorszenario". und das war nur das radio und das web, man moege sich nich ausdenken was im fernsehen los ist.

denn zumindest hier in dresden sind die supermarktregale ja noch voll. und eben war im deutschlandfunk einer, der ahnung zu haben schien und sagte, ja, in den us wahrscheinlich milder aufwaertstrend wieder in I/2010 wenn nich schon vielleicht sogar ab III/2009. irgendwie hatte ich mir den weltuntergang permanenter vorgestellt.
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B) das ist einfach publikumswirksamer als die nachricht "nichts neues vom weltuntergang", die sie, müssten sie ehrlich sein, stündlich zu bringen hätten. andererseits hast du recht, beim letzten weltuntergang sprangen die banker noch aus dem fenster und die leute holten das geld mit schubkarren aus dem lohnbüro. dafür ist der jetzige untergang recht kommod.

blöd ist, dass es keiner richtig weiß, ob er ist oder nicht, ob die panik übertrieben oder eher stärker angebracht wäre. wenn ich mir die wirtschaftsdaten anschaue, ist da nur schaum aufm wasser. aber wenn ich die krisenbekämpfungsmaßnahmen sehe, schwant mir böses. übrigens: im september stand die welt für fünf stunden wirklich vor dem untergang. da wurden in zwei stunden 550 milliarden $ aus amerikanischen bankkonten gezogen. viel mehr ging nicht. das hat uns damals keiner gesagt, logischerweise. aber kurze zeit später kam die merkel und erklärte alle bankguthaben für sicher ;-) dann wurde die kurzarbeiterregelung. erweitert, während vorn auf der bühne noch "die krise trifft uns nicht" geflunkert wurde. denen allen geht der arsch sowas von auf grundeis. wie heißt es im film "die welt is im wandel.."
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A) da ist mein punkt: welcher prozentsatz der krisendynamik ist eigendynamik durch untergangshype? ich bezweifle, dass irgendeine analystenclique die formel zur berechnung des ausmasses hat. die krisenbekaempfung hat auch zwei aspekte: zum einen das notwendige, zum anderen das element, dass zur bekaempfung eines superlativs ja immer neue superlative aufgefahren werden muessen, um den eindruck zu erwecken, man haette den orginalsuperlativ im griff. den republikaner in den usa beispielsweise sind da reservierter als liberale in europa, wenn es darum geht, dem grosskapital mit steuergeldern den arsch und damit das system zu retten. das finde ich bemerkenswert.

mit anderen worten: all die, die kurzarbeit ansetzen und milliarden beantragen... haben die alle individuellen durchblick und gelangen zu dem selben szenario was wahrhaft duester is? oder is das alles eine art brummkreisel wo ein wort das andere gibt und der superlativ zum handlungsmaxim fuer saemtliche handelnden wird?
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B) ich traf neulich den chef einer ziemlich großen, aber irgendwie doch noch mittelständischen firma. 200 filialen, 1000 mitarbeiter. er sagte, der jahresanfang war scheiße. das, glaubt er, lag am wetter.
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A) wenn es allerdings so is, is die schauderliche faszination am untergang vermutlich einer der herausragenden risikofaktoren bei dem ueberkommen einer krise durch eine voellig uebersaettigte westliche gesellschaft.
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B) das sehe ich genauso. der thrill, das ist es, ist es doch immer. und was die westliche gesellschaft betrifft, braucht die den ja auch. guck uns alle an. haben alles, brauchen nichts mehr. kaufen aus langeweile, nicht weil wir müssen. die krise ist so gesehen unterhaltung wie alle andere auch.
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A) du hast ja sogar einen krummdolch. wir standen letztens im saturn und sagten: wenn wir mal zusammen wohnen, was stellen wir da eigentlich hin, wo bei anderen das tv steht?
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B) und in einem buch aus den 30er jahren fand ich neulich was bemerkenswertes. these dort: erst war das rad, dann die dampfmaschine, dann die elektrizität, dann mobilität, dann kommunikation, konsum meinetwegen auch noch. es gab jedenfalls immer eine neue technologie, die revolutionär genug war, verwertungsketten neu zu erschaffen, bedarf zu produzieren usw. aber wo sehen wir heute sowas? in den entwickelten volkswirtschaften ist doch der wettbewerb um die konsumkraft jedes einzelnen bürgers das einzige, was noch wachstum produziert. im rest der welt stehen allerlei hürden vor dem großen sprung in die westliche wohlstandswelt.

eine wirklich neue technologie, sowas wie flugautos, eroberung ferner planeten, eine gesundheitsrevolution in richtung konsum von langlebigkeit oder irgendwas, was ich auch nicht weiß, sehe ich nirgends, nichts mal aufschimmern. wie lange können aber lcds größer werden, handys universeller einsetzbar, internetanschlüsse schneller und dvds hochauflösender, ohne dass das interesse daran erlahmt?
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A) ja, da hast du recht. es steht echt nix neues am horizont, und das nicht nur technologisch, sondern auch kuenstlerisch, literarisch, politisch, kulturell oder sonst was. nur noch variationen. "jetzt fuer kurze zeit." allerdings: jeder dieser schritte hat in umgekehrter weise nicht nur die welt dramatisch zusammenschrumpfen lassen, so dass wir heute grad mal drei, vier einigermassen autonome wirschaftsraeume haben. und damit natuerlich den raum fuer neuentdeckungen vereengt. andererseits haben sich aber die menschen evolutionsartig veraendert. da ist keine frontier mehr in amerika, kein unbesiedelter flecken, der weltraum ist zu teuer, und so haben wir uns auf wohlfuehltechnologie verlegt. und bei den meisten menschen, die mich umgeben, bin ich mir sicher: wenn bis zu deren lebensende arbeitsspeicher immer groesser und handys immer kleiner und flatrates immer guenstiger wuerden... denen reichte das fuers leben. hier wuerde doch, kurz gesagt, niemand mehr ein schiff nach irgendwo besteigen wollen. das war frueher. das hat uns da hin gebracht wo wir heut sind, aber eben nich mehr weiter.
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B) genau so ist es.aber mal ehrlich: wieviele superstars und supermodels gehen die noch mitsuchen? 5? 12? 22?
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A) ich fuerchte das ist eine ewige schleife: deutschlands superstar, dann girlgroup, dann model, dann koch, dann bauer, dann talent, dann sich-von-schulden-befreier, dann am-meisten-abnehmer, dann bestimmt am-saubersten-nacktputzer und vielleicht auch schnellsten-schnitzelesser, um die zwischenspeicher so weit belastet zu haben, das die neue season los gehen kann.
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B) nur wie oft werden die bayern noch meister und kriegen applaus dafür? dreimal? 22 mal? 711 mal? wird die 12. wm in deutschland das 12. sommermärchen bringen? oder kommt noch irgendwas anderes? irgendwann? irgendwas?---

Kommentare:

Beobachter hat gesagt…

Krisen werden gemacht - und zwar mit Absicht von interressierten Kreisen.
Die schwere Krise in Deutschland um 1930 machte man, um die Massen zu radikalisieren. Hitler wurde von den interessierten Kreisen (Ford,Rothschild) bezahlt und an die Macht geputscht: Die Deutschen ließen sich nicht radikalisieren: Es entstand kein Haß auf die Juden ! Die Propaganda-Maschine verbreitete Haß ! Aber er schwappte nicht auf die Masse über. Es gibt noch genügend Zeitzeugen dafür.
Es sind alles Märchen und Lügen, die gemacht werden, um die Leute zu verdummen.In Dresden starben
250 000 Menschen - und man lügt 225 000 weg !
Einstein wurde - Beamter 3.Klasse-
berufen, um mit seiner Relativitätstheorie davon abzulenken, daß man in Deutschland entdeckt hatte, dass der elektrische Strom, der die ganze Milchstraße erfüllt, tatsächlich durch moderne Techniken
nutzbar zu machen ist. Daraufhin rastete der englisch-zionistische Terror aus: die Machtbasis Öl war in Gefahr. Es gilt bis zum heutigen Tag: Lügen - und die Leute von klein auf zu Dumpfbacken hinzubügeln. Siehe Klimaerwärmung:
seit Jahren wachsen die Polkappen(die übrigens auf Google Earth gesperrt sind.)
Einige Physiker haben inzwischen gemerkt, dass seit 80 Jahren die Physik ein Vernebelungsunternehmen
geworden ist.
Physikpäpste statt Religionspäpsten
beherrschen nicht die Physik aber die Meinungsfreiheit.

politplatschquatsch hat gesagt…

naja, verschwörungstheorien sind unterhaltsam. aber es mangelt ihnen beim genauen blick darauf einfach an schlüssigkeit.


nimm nur mal die krise jetzt: wer hat davon profitiert? finanziell? und wodurch?

wäre es eine verschwörung, müsste es jemanden geben, nicht wahr?

und nun butter bei die fische: wer war es? wenn du jemanden weißt (ich weiß keinen), hätten wir definitiv ein mitglied der geheimen weltregierung identifiziert.

panzerbummi hat gesagt…

genau, butter bei die fische: ein du bist doch eigentlich antisemit und nicht beobachter, oder?

panzerbummi hat gesagt…

noch eine frage an binladenhüter und den anderen gesprächsteilnehmer: vermisst ihr die krise jetzt oder nicht? besteht die krise, anders gefragt, darin, dass es keine krise gibt - und deswegen herbei halluziniert wird? ich frage nur, weil ich denke, dass mir dieses "die welt ist am ende"-gerede, "wir entwickeln uns nicht weiter"-geschnarre etc. 1.) wie ein spiegelverkehrtes merkel-und-konsorten-brimborium vorkommt und 2.) so alt wie die menschheit ist. lest mal spengler :-)

binladenhüter hat gesagt…

eines ist sicher: sie besteht nicht daraus, dass es sie nicht gibt. sie ist vielleicht vielmehr teil der ermüdung, eine andere version des rumtastens nach sinn?

dass der dem dasein im zivilisierten mitteleuropa angesichts immer zimmerwarmer, stets modisch aktueller gegenwart abhandengekommen ist, finde ich unübersehbar.

wenn man davon absieht, dass es der menschheit gelingt, es immer mehr menschen immer besser gehen zu lassen und dass das kollektiv eine große leistung ist, fehlt am ende doch irgendwann das ziel und ein wenig mehr inhalt.

noch mal: wie oft können die bayern noch meister werden? wie viele superstars werden noch gesucht? kurz: ist das hier das ende der geschichte?