Google+ PPQ: Der Friede muss bewaffnet sein II

Dienstag, 17. März 2009

Der Friede muss bewaffnet sein II

Ein 17-jähriger aus einem Ort, von dessen Vorhandensein die Welt bis vor einer Woche nichts wusste, wirft Fragen auf, auf die die Antwort wie immer vorher schon klar war: Computerspiele führen zur Verrohung der Jugend. Waffenbesitz erleichtert Amokläufe. Das Internet macht es jungen Menschen schwer, zwischen Wirklichkeit und Erfindung zu unterscheiden.

Es gilt, Waffengesetze zu verschärfen. Schüler, auch wenn sie keine mehr sind, psychologisch dauerzubetreuen, wenns sein muss bis zur Bahre. Und Computerspiele zu verbieten, denn wer im Kinderzimmer elektrisch ballert, ballert bald auch in seiner früheren Schule.

So einfach, so falsch. Warum Regierungen es nicht gern haben, dass ihre Untertanen über Waffen verfügen, steht schon in einem Urteil des 1. Strafsenates des Bezirksgerichtes Gera vom 8. Oktober 1954: "Die große Gefahr, die jeder unkontrollierte Waffenbesitz für die staatliche Ordnung und das Leben unserer Bürger darstellt, haben die Ereignisse am 17. Juni am deutlichsten bewiesen." 17. Juni, das war der in der alten Bundesrepublik jahrzehntelang gefeierte "Arbeiteraufstand". Und die DDR war das Land, dessen Staatspartei die Parole ausgab: "Der Friede muss bewaffnet sein".

Aber die USA! Tausende Tote jedes Jahr durch das Recht auf Waffenbesitz! Das in der US-Verfassung verankert ist, weil das Recht, eine Waffe zu tragen, den Verfassungsvätern dort als grundsätzliches Unterscheidungsmerkmal zu den Despotien der alten Welt galten. Nicht ganz zu Unrecht. Seitdem ist nie ein Land zur Diktatur geworden, in dem privater Waffenbesitz erlaubt war. Wohingegen alle Diktatoren des 20.Jahrhunderts den Besitz von Waffen für Zivilisten sofort verboten.

Weniger Computerspiele, mehr Frieden? Die Statistik gibt das nicht her: Seit weltweit "Counterstrike" gespielt wird, hat es keinen Weltkrieg mehr gegeben, seit das Internet die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verwischt, ist der Kalte Krieg zu Ende. Aber doch mehr Waffen gleich mehr Tote? Die Zahlen aus Amerika scheinen das zu lehren. Doch sind es wirklich die Waffen? Die Schweiz, nicht die USA, sind das Land mit den meisten privaten Schußwaffen pro Kopf der Bevölkerung. Aber ein Amokland? Auch die Neuseeländer besitzen pro Nase mehr Gewehre und Pistolen als die US-Amerikaner. Die Kanadier dagegen besitzen genausoviele. Dennoch sterben in Kanada kaum mehr Menschen durch Schußwaffengebrauch als in Deutschland.

Ein amerikanisches Sprichwort sagt “Waffen sind gefährlich, noch gefährlicher ist es nur, keine besitzen zu dürfen.” Dann sitzen Schüler und Lehrer nämlich wehrlos im Klassenraum, wenn der Amokläufer vorbei kommt. Hätten wenigstens einige von ihnen selbst Waffen, spekulieren verschiedene US-Webseiten, gelänge es einem Mann wie Tim Kretschmer vielleicht, zwei, drei Menschen zu erschießen. Spätestens dann aber würde der Irre selbst unter Feuer genommen.

Wenn er denn überhaupt gekommen wäre. Amokläufer sind feige, sie führen ihren Plan des aufs denkbar größte Maß erweiterten Selbstmordes nur aus, weil sie wissen, dass ihnen Gegenwehr nicht droht. Sie kommen nicht, um sich Feuergefechte zu liefern, sondern um gefahrlos zu töten. Wie der Wolf unter Schafen nichts zu fürchten hat, so kann der Amokläufer sicher sein, seine Opfer töten zu können, ohne selbst auch nur im Ansatz Gefahr zu laufen, erschossen zu werden, ehe er zehn, zwölf oder 20 Menschen getötet hat.

Suchte man nach wirklichen Lösungen, Amokläufe zu verhindern, und nicht nur nach Gelegenheiten, politischen Budenzauber aufzuführen, um bei der nächsten Stimmabgabe Prozente daraus zu melken, müsste eine Diskussion die Frage streifen, ob bewaffnete Schüler, Lehrer oder bewaffnete Schul-Sheriffs die größten Chancen böten, den nächsten Robert und den übernächsten Tim vom finalen Schulbesuch abzuhalten.

Stattdessen singt der ewig gleiche Chor das ewig gleiche Lied, seit
die 16-jährige Brenda Ann Spencer am 29. Januar 1979 vor der Grover Cleveland Elementary School in San Diego durchlud und Bob Geldof zu seinem Song I don´t like Mondays inspirierte.. Brenda Ann Spencer, inzwischen 47, sitzt noch immer im Gefängnis und die Waffen sind noch immer schuld. Nie die Menschen! Die Gesetze müssen verschäft werden. Hauskontrollen beim Waffennarr. Ein Psychiater für jeden Psychopaten, nur die Psychopaten finden müssen wir noch. Warum hat denn der Vater von Tim Kretschmer 16 Knarren zu Hause. Und warum hatte der Vater von Bastian B., dem Amokläufer von Emsdetten, nicht eine im Schrank? So dass sich der Sohn erst mühsam drei Pistolen und zwei Gewehre besorgen musste?


Kommentare:

Christian hat gesagt…

Hat eigentlich schon jemand gefordert, dass Langzeitarbeitslose als 1-Euro-Jobber die Schulen mit ihrem Leben bewachen sollen? Ist doch normalerweise ein FDP-Thema.

nwr hat gesagt…

Die Frage stellte ich mir auch schon: Wieviele Menschen wären nicht gestorben, wenn die couragierte Lehrerin bewaffnet gewesen wäre?

ppq hat gesagt…

kollegen, ihr seid ein steter quell an originellen ideen.