Google+ PPQ: Vom Leseland in die Legasthenie

Dienstag, 7. April 2009

Vom Leseland in die Legasthenie

Der Verleger Christoph Links analysiert in einem Buch "Das Schicksal der DDR-Verlage" (Titel). Danach existieren von ursprünglich 78 DDR-Verlagen heute noch genau zwölf, die beschäftigen noch 8,6 Prozent der Mitarbeiter, die sie zu DDR-Zeiten hatten. Die machen pro Kopf zwar mehr als doppelt soviel Bücher wie früher, herauskommen aber doch nur 18 Prozent der Buchtitel aus dem letzten DDR-Jahr. Damit entfallen auf Ostdeutschland (ohne Berlin) 2,2 Prozent aller in Deutschland herausgebrachten Titel. Die verkaufen sich auch noch schlechter als der Durchschnitt: Alle in Ostdeutschland veröffentlichten Bücher erzielen 0,9 Prozent des Umsatzes der gesamtdeutschen Buchbranche.

Kommentare:

nwr hat gesagt…

Das heißt doch noch lange nicht, daß die aus Lesefaulheit resultierende Legasthenie DDR-bezogen wäre. Generell bietet die moderne Mediengesellschaft andere Möglichkeiten als das schnöde vor-sich-hin-Lesen, und so haben alle Buchverlage Probleme. Die DDR-Textilindustrie dürfte sogar auf Null gefahren sein, aber das ist wohl nicht berichtenswert, wer interessiert sich schon für Linnen und Tücher...

ppq hat gesagt…

einspruch. wenn heute 2,2 % aller deutschen bücher aus dem osten kommen, damit aber nur 0,9 % aller buchumsätze gemacht werden, heißt das, die ost-bücher sind entweder viel billiger als der rest oder sie verkaufen sich nur halb so gut

nwr hat gesagt…

Oder sie sind nur halb so umfangreich oder die dicken Geldbringer-Enzyklopädie-Bände kommen aus dem Westen oder es sind eher Bücher in Billigausstattung... oder oder oder. Das sagt doch nichts aus über inhaltliche Qualitäten oder die demo- und geographische Verteilung der Legasthenie.

Bärchen hat gesagt…

Nein ganz anders, die Alten im Osten haben doch alles schon gelesen und die Jugend arbeitet und liest lieber im Westen und die dazwischen gehen in die Bibliothek. So ist das.

Vielleicht.

ppq hat gesagt…

wie heissts vor gericht: indizien. wenn titel aus ostdeutschland, wo rund 18 % aller deutschen leben, nur 2,2 % aller gedruckten bücher ausmachen, spricht das schon für was: dass nämlich die verlage im westen sitzen.

wenn dann die bücher, die im osten rauskommen, nicht mal ihren anteil an den titeln als verkäufe wiederbringen, spricht das auch für was: sie sind billiger und/oder werden weniger gekauft.

was letztlich daran liegt, dass alle echten bestseller natürlich bei den verlagen herauskommen, die im wetsen sitzen.

die legasthenie ist trotzdem kein vorwurf an irgendwen. die steht nur da, weil sie mit dem leseland zusammen einen unbeholfenen stabreim ergibt