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Montag, 19. Oktober 2009

Zwei Klassen Medizin, eine Klasse Medien

"In Deutschland wird es gegen die Schweinegrippe zwei Impfstoffe geben", lässt der "Stern" eben wissen. Einer sei für die Bundeswehr und die Bundesregierung gedacht, der andere für die "breite Bevölkerung", verkündet die "Aktuelle Kamera", die die bisalng als "Schweinegrippe" durchs Dorf gejagte Virtual-Erkältung inzwischen "Neue Grippe" nennt, als wäre sie ein Opel-Zulieferer.

Erstere Substanz ist für das Medizin-Magazin "Bild" ein "Spezial-Impfstoff", letztere hingegen mit Wirkverstärkern versehen, die "Adjuvantien" genannt werden. Diesen bisher nur wenigen Eingeweihten bekannten Begriff populär zu machen, war schon Bestandteil des Kapitels "Bildung" im "Deutschland-Plan" von Walter Steinmeier, einige Älteren erinnern sich sicher.

Dass Mitglieder der Bundesregierung, der Ministerien, Behörden und der Bundeswehr mit dem Impfstoff "Celvapan" des Herstellers Baxter geimpft werden, Verkäuferinnen, Lkw-Fahrer, Hutmachermeister und Trinkmilchbauern aber den Impfstoff "Pandemrix" von Glaxo-Smith-Kline bekommen, sorgt für Aufregung. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, nutzt die Gelgenheit, das Wort „Skandal“ vor dem Vergessen zu bewahren. Denn der Impfstoff für die Bevölkerung habe "mehr Nebenwirkungen", weiß "Bild", der für die Bundesregierung sei dagegen "veraltet", klagt der "Stern".

Eine Zwei-Klassen-Medizin! Die Kluft zwischen arm und reich! Krank und Regierung! Beinahe muss schon sterben, wer nicht Uniform trägt oder wenigstens Ärmelschoner. Würde allerdings die Bundesregierung den Impfstoff bekommen, den jetzt die normale Bevölkerung erhalten soll, und die normale Bevölkerung bekäme den Impfstoff, der derzeit für Behörden und Regierungsmitglieder reserviert ist, wäre alles ganz mit Sicherheit genauso: Es wäre von Zwei-Klassen-Medizin zu lesen, nur die Klagen würden genau andersherum lauten.

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