Google+ PPQ: Tote zweiter Klasse

Dienstag, 15. Dezember 2009

Tote zweiter Klasse

Ist das die Gleichbehandlung, die die Väter des Grundgesetzes im Sinn hatten? "Zwei Menschen mit Schweinegrippe gestorben", meldet Deutschlands einzig wahre Nachrichtenagentur dpa heute aus Sachsen-Anhalt. Zwar starben beide nicht direkt an der erfolglosesten schrecklichen geisel, die die Menschheit je heimsuchte. Doch es handele sich immerhin um "die ersten beiden Toten im Bundesland, bei denen die Erkrankung nachgewiesen wurde", habe das Gesundheitsministerium in Magdeburg mitgeteilt.

Ein geradezu unfassbar instinktloser Affront gegen die anderen 79 Menschen, die rein statistisch betrachtet am selben Tag in Sachsen-Anhalt starben, ohne Schweinegrippeerreger vorweisen zu können. Ihnen werfen dpa und das Gesundheitsministerium keinen ganzen, ja nicht einmal einen halben Satz hinterher. Pfui!

Kommentare:

Friederich hat gesagt…

Muß mal anmerken, daß Geiseln in ihrer Funktion als solche ohnehin immer schrecklich erfolglos sind, so daß es weiter keine Kunst ist, erfolgloseste Geisel zu sein; das liegt an der Notlage, in der sie sich nun mal befinden. Oder wie hätte man sich eine erfolgreiche Geisel vorzustellen? Meistens geißeln ja die Geiselnehmer die Geiseln. Geiseln, die es schaffen, ihrerseits die Geiselnehmer mit einer Geißel zu geißeln, sind halt extrem selten. Oder Israelis:

Reporters CNN Journalist Christianne Amanpour and Former CBS Journalist Dan Rather, and an Israeli sergeant were all captured by terrorists in Iraq. The leader of the terrorists told them that he would grant them each one last request before they were beheaded.

Dan Rather said, "Well, I'm a Texan, so I'd like one last bowlful of hot spicy chili." The leader nodded to an underling who left and returned with the chili. Rather ate it all and said, "Now I can die content."

Christianne Amanpour said, "I'm a reporter to the end. I want to take out my tape recorder and describe the scene here and what's about to happen. Maybe someday someone will hear it and know that I was on the job till the end." The leader directed an aide to hand over the tape recorder and Amanpour dictated some comments. She then said, "Now I can die happy."

The leader turned and said, "And now, Mr. Israeli tough guy, what is your final wish?"

"Kick me," said the soldier.

"What?" asked the leader? "Will you mock us in your last hour?"

"No, I'm not kidding. I want you to kick me," insisted the Israeli.

So the leader shoved him into the open and kicked him.

The soldier went sprawling, but rolled to his knees, pulled a 9 mm pistol from under his flack jacket, and shot the leader dead. In the resulting confusion, he jumped to his knapsack, pulled out his carbine and sprayed the terrorists with gunfire. In a flash, all terrorists were either dead or fleeing for their lives.

As the soldier was untying Rather and Amanpour, they asked him, "Why didn't you just shoot them in the beginning? Why did you ask them to kick you first?"

"What?" replied the Israeli, "And have you two schnooks report that I was the aggressor?!"

nwr hat gesagt…

@Friedrich:
"Meistens geißeln ja die Geiselnehmer die Geiseln."

Nein, die Geiseln geißeln die Geiselnehmer - sie prangern die an; so, wie übrigens fast jedermann Geiselnehmer als Geißel der Menschheit empfinden wird.

Anonym hat gesagt…

Das kann man gar nicht genug anprangern.

pisaner hat gesagt…

@nwr
Dein Beitrag verdeutlicht,daß geißeln auch nicht mehr das ist, was es früher war.
In der ursprünglichen Bedeutung " peitschen,körperlich züchtigen" des Wortes liegt Friederich mit dem schönen Satz:
"Meistens geißeln ja die Geiselnehmer die Geiseln" völlig richtig.

Friederich hat gesagt…

>> nwr:

Ja, verbal geißeln natürlich die Geiseln die Geiselnehmer, aber de facto muß man natürlich die Geiselnehmer als die Geißel der Geiseln ansehen — schon, weil ja meist den Geiseln ihre Geißeln schon bei der Geiselnahme abgenommen werden, wofern sie etwelche dabeihaben, weswegen sich in diesem Fall die Geiselnahme zur Geisel- und Geißelnahme entwickelt.

Der Sonderfall von Kishons »Wie man Terroristen terrorisiert« ist zwar lesenswert, aber hier nicht berücksichtigt; in diesem Fall war natürlich Ezechiel Schultheiß die Geißel der Geiselnehmer.
















Ich liebe die deutsche Sprache!

ppq hat gesagt…

mich normalleser überfordert das. all die ß und ss und s, ich weiß da gar nicht mehr, was eigentlich verbopten ist

Friederich hat gesagt…

Verboten ist immer alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Hier in der DDR zumindest.

nwr hat gesagt…

@Friedrich
Das Geißeln war dereinst wirklich ein körperlicher Akt, siehe auch die Selbstgeißelei zur Buße im Mittelalter. Mittlerweile aber ist "geißeln" das Synonym verbalen Anprangerns geworden, und da bleibe ich dabei, daß ehrbare Geiseln unehrenhafte Geiselnehmer geißeln dürfen, und nicht anders herum.