Google+ PPQ: Altes Neues aus der Anstalt oder alles Gute zum 50. Sudel-Ede

Montag, 22. März 2010

Altes Neues aus der Anstalt oder alles Gute zum 50. Sudel-Ede


Eigentlich hätte ich mir ja eine Geburtstagsfeier auf Karl Eduards Kanal gewünscht. Nun, da dies nicht geschehen ist, müssen wir beim ppq-Geschichtsblog wohl oder übel die Geburtstagstortenkerzen ausblasen. Zwar ist das eigentliche Geburtstagskind schon nicht mehr unter den Lebenden, Honi hab ihn seelig, aber nun also ist es 50 Jahre (plus ein Tag) her, als Sudel-Ede auf Sendung ging. Am 21. März 1960 begann mit den Worten: "Der Schwarze Kanal, den wir meinen, meine lieben Damen und Herren, führt Unrat und Abwässer; aber statt auf Rieselfelder zu fließen, wie es eigentlich sein müsste, ergießt er sich Tag für Tag in Hunderttausende westdeutsche und Westberliner Haushalte. Es ist der Kanal, auf welchem das westdeutsche Fernsehen sein Programm ausstrahlt: Der Schwarze Kanal. Und ihm werden wir uns von heute an jeden Montag zu dieser Stunde widmen, als Kläranlage gewissermaßen."
Die Kläranlage war gewissermaßen eine Satirestunde par excellence für alle, die ein bisschen mehr im Kopf hatten als Mathe, Deutsch und Stabü. Quasie das "Neueste aus der Anstalt", lange bevor Priol & Co. auf die Idee kamen.
Fast 30 Jahre lang unterhielt uns Chefkommentator (und Mitglied des Staatlichen Komitees für das Fernsehen der DDR) Karl-Eduard von Schnitzler mit tollen Geschichten aus des Nachbarfeindesland.
Trotz der Realsatire wurden jedoch Einschaltquoten für den "Schwarzen Kanal" leider nie bekannt gegeben. Für viele Ostler war denn auch Sudel-Ede nur Karl-Eduard von Schnitz. Bei ...ler hatten sie schon umgestellt Am 30. Oktober 1989 hatte es Ede auf 1519 Sendungen gebracht. Da muss die ZDF-Anstalt erst mal hinkommen.

Kommentare:

vakna hat gesagt…

Ich habe Leute getroffen, die haben sich das angesehen. Sie wohnten im Tal der toten Augen und das war ihre Portion Westfernsehen.
Haben sie mir jedenfalls erzählt.

Ja, und von der "Anstalt" haben wir gestern einvernehmlich umgeschaltet.
Kanzleretten- und Guidobashing. Kein Eingehen auf die wirklichen Probleme. Die schwächste Sendung, die wir bis jetzt sahen, jedenfalls bis zum Umschalten.
Das ist auf einer Stufe mit Stammtischgeschwätz, Stuhlgang der Seele.

Anonym hat gesagt…

Da Karl Eduard in den heutigen Qualitätsjournalisten weiterlebt und in ihren Taten, muß das Würdigung genug sein. Die Teppichweber aus Dingsda ehrten Lenin ja auch, in dem sie sich nützten. Sie hatten ihn also verstanden.

Pisaner hat gesagt…

Vakna, so habe ich es bei der Armee auch gemacht.
Dabei fiel mir auf, daß Schnitzler wirklich viel vom Westfernsehen verwerten konnte. Die Ausschnitte waren teilweise doch recht lang.
Schnitzler kommentierte dann oft in der Art
-- seht, die Zustände (gern genommen "Rechtsradikale", Arbeitslosigkeit ,Armut)sind da drüben so schlimm,dass sie es schon zugebeben müssen, es doch wohl klar,daß die Wirklichkeit noch viel schlimmer ist---

Hat bei mir nach der Wende ein paar Jahre gedauert, zu erkennen, daß man von MONITOR,PANORAMA und wie sie alle heißen nur im Ausnahmefall einen objektiven Bericht erwarten kann und daß die Verzerrung iA aus linker Sicht erfolgt.
Schätze,das ist auch heute noch so, habe diese Sendungen schon ewig nicht mehr gesehen.

ppq hat gesagt…

karl, das halte ich für die schönste einschätzung der situation, seit margot nach chile gegangen ist. mindestens

VolkerStramm hat gesagt…

KarlEduard, kann sein dass hier Leute aus dem Tal ... der Welt der Ahnungslosen mitlesen, für diese der Wegweiser nach Dingsda, wo die Teppichweber sich selbst nützen.

Wie kommt das eigentlich, dass man sich so was merkt?
Man vergisst Sachen die man sich besser merken sollte – aber jedermann weiß wie Sehenswürdigkeit auf Russisch heißt.


@Pisaner
Freut einen zu sehen, dass man nicht der einzige Langsame ist.

vakna hat gesagt…

@Pisaner:

Da wir ein Westprogramm hatten, mußte ich nicht Karl-Eduard sehen.
Ich habe das auch nicht analysiert, meine Meinung war schon lange, daß beide Seiten lügen und die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Inzwischen weiß ich, daß die Wahrheit auch irgendwo anders liegen kann.

Fernsehen hat sowieso nicht dieeee Rolle für mich gespielt. Ich hatte zwar ziemlich zeitig einen eigenen Fernseher (selbst repariert und auf UHF-Empfang aufgerüstet), aber mehr Zeit am Radio verbracht. Da ich den UKW-Teil nicht reparieren konnte eben auf Mittel- und Kurzwelle. Das war allemal interessanter.

vakna hat gesagt…

@VolkerStramm:

Wahrscheinlich haben sich viele diese Geschichte gemerkt, weil sie von dem Prinzip "ehren durch Denkmalbau" abwich. Ich kannte sie auch noch, in ihren Grundzügen.