Google+ PPQ: Kommunikative Radikalisierung

Dienstag, 15. Juni 2010

Kommunikative Radikalisierung

Jahrelang wurde
verharmlos, vertuscht und mit gefälschten Statistiken gearbeitet, aufrechte Kämpfer für mehr Wahrheit, Klarheit und die radikale Ausmerzung von fremdenfeindlichem Gedankengut und brauner Pest wurden strafversetzt oder befördert. Jetzt endlich regt sich auch öffentlich erster Widerstand gegen die Polizei in Sachsen-Anhalt, die nicht nur nach Ansicht fördermittelbetriebener Vereine wie Miteinander ein Problem mit zahllosen Beamten hat, die Rechtsextremität in all ihren Erscheinungsformen verharmlosen.

Mit der Magdeburger Theaterintendantin Karen Stone hat aber nun eine führende Kulturschaffende des westlichsten der östlichen Bundesländer Klartext gesprochen und von kumulativer auf kommunikative Radikalisierung umgeschaltet: Nachdem ein Polizeibeamter sich weigerte, das SEK zu rufen, nachdem der Hund der gebürtigen Britin nächtens von marodierenden Jugendbanden bedroht worden war. Stattdessen alarmierte der Beamte seine Vorgesetzten, die sofort ins Revier eilten. Trotz der Übermacht kuschte die 57-Jährige jedoch nicht, wie das in Deutschland lebende AusländerInnen sonst oft glauben tun zu müssen. Nein, sie machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube und gab zu Protokoll: "Fuck you! Du bist ein Nazi! Du Faschist. Du und ihr von der Polizei, ihr seid alle nichts. Ich bin Engländerin. Ich stehe über allem. Ich bin Intendantin und du bist nichts!"

Der diensthabende Polizeihauptmeister, als "Nazi" und "Faschist" enttarnt, erstattete Strafanzeige, die auf dem rechten Auge traditionell blinde Justiz ermittelt nun wegen Beleidigung gegen die Künstlerin, die nach einer Premierenfeier zum Stück "Evita" leicht angetrunken gewesen war. Stone hatte ihrerseits angedroht, "die dämliche Inkompetenz" der Magdeburger Polizei beim Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper anzuzeigen.

Hinter den Kulissen, berichtet die Magdeburger Volksstimmme, gebe es in der Polizeidirektion gegenwärtig Versuche, "die Sache ohne größeren Schaden für Stone zu regeln". Um das durch die umstrittene Frage der Finanzmarkttransaktionssteuer auf Riester-Fonds und Sparpläne und das absehbare WM-Achtelfinale zwischen Deutschland und England ohnehin gespannte Verhältnis zu Großbritannien nicht noch mehr zu belasten, solle Karen Stone sich entschuldigen, dann werde der Polizist auch seine Anzeige zurücknehmen. Allerdings sträubt sich der beleidigte Beamte hartnäckig, um den guten Ruf der Landespolizei als im Kampf gegen rechts "noch nicht überm Berg" (Der Spiegel) zu schützen. Brot und Arbeit für viele, viele Berater.

Keine Kommentare: