![]() |
| Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben. |
Kein Grönland mehr. Keine Ukraine. Kein Bibbern und Bangen um die Wirtschaft, keine aufmunternden Sprüche von Angela Nahles, die als Chefin der Bundesagentur für Arbeit genau weiß, wann "die Talsohle erreicht" ist. Trump kommt fast gar nicht vor in dieser Hauptausgabe der "Tagesschau" am Tag vor dem Weltuntergang.
Auch alles andere hatte die Redaktion mit einem großen Besen beiseite geräumt, um sieben Minuten Platz zu schaffen für das Unerhörte, den Zivilisationsbruch, das weiße Böse: Winter in Deutschland. Winter mit Eis und Schnee und Frost. Die Linke, gestählt im alljährlichen Winterkampf der DDR, muss einen Rückzieher vor dem Bösen machen: Wegen der " der kommenden extremen Winterwetterlage" könne die geplante Kundgebung "Trump stoppen" am Freitag vor der amerikanischen Botschaft in Berlin "leider nicht stattfinden". Die Linkspartei empfiehlt wie damals in der Pandemie: "Bleibt sicher zuhause und helft einander, die Kälte gut zu überstehen!"
Alle Jahre wieder
Alle Jahre wieder ist die Überraschung groß, wenn es kalt wird in dem Land, das sich aufgrund des Klimawandels weitaus stärker erwärmt als alle anderen. Seit der Klimawissenschaftler Mojib Latif vor 26 Jahren als erster Experte warnte, dass es "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren in unseren Breiten nicht mehr geben" werde, ist seine Vorhersage für eine ganze Generation an Gläubigen zum Mantra geworden. Monat für Monat lesen sie die Mitteilungen des Deutschen Wetterdienstes über den letzten Monat, der wieder wärmer war als immer. Halbjahr für Halbjahr sitzen sie dankbar vor den Nachrichten des europäischen Klimawandeldienstes Copernicus, der verkündet, es sei überhaupt nicht zu warm. Sondern viel zu heiß.
Ausnahmen, wie es sie fortlaufend gab, bestätigten die Regel. Mit der Nordatlantischen Oszillation hatten Wissenschaftler bald nach den ersten Irritationen über regelmäßig auftauchendes Winterwetter ein Phänomen entdeckt, das mit letzter wissenschaftlicher Sicherheit Verursacher der unerklärlichen Wintereinbrüche war. Klimaschwingungen schienen nur auf eine Abkühlung zu deuten.
Folge der Erhitzung
Die aber war in Wirklichkeit Folge der Erhitzung. Russenpeitsche und Klimakälte, Schneemassen und Schneemangel, Dürre, Hitze, Westwindlagen. "Das hätte wiederum regenreiche und noch mildere Winter zur Folge", hatte Latif die Ergebnisse seiner vielen, vielen Jahrzehnte Forschung in der Klimawissenschaft umschrieben. Der große alte Mann der Branche hoffte damals noch auf das Kyoto-Protokoll, an dessen Stelle später der Pariser Klimavertrag trat.
![]() |
| So sieht Katastrophe aus. |
Nicht einmal vergebens, obwohl sowohl von der einen weltweiten Vereinbarung wie auch von der anderen schon lange nichts mehr zu hören gewesen sei. Ein Vierteljahrhundert später ist die Lage ist im Griff, aber teilweise außer Kontrolle. Schneefall, Verwehungen, Glatteis und Frost sind im Grunde kein Winter, sondern Wetter.
Mit Klima haben sie nichts zu tun, abgesehen vom nicht unwesentlichen Detail, dass die anhaltenden Warnungen vor einem nahenden Weltuntergang durch "bis zu zehn Zentimeter Schnee" zeigen, damit Deutschland sich selbst schon als Südseestaat sieht. Niemand ist auf nichts vorbereitet. Dunkelflaute? Wärmepumpe? Die Gasspeicher sind demonstrativ leer. Sobald es parallel auch in Frankreich schneit, wird es eng mit dem Atomstrom für alle.
In der "Tagesschau" fehlen beim ersten Aufwasch noch die Klimaexperten, die erklären können, dass die viele Hitze zu solcher Kälte führen musste. Dabei liegen die Fakten unübersehbar auf dem Tisch, wie der Klimawissenschaftler Herbert Haase vom Climate Watch Institute (CWI) im sächsischen Grimma sagt. "An den Temperaturen, wie sie seit dem Advent herrschen", glaubt er, "können wir sehr gut sehen, welchen großen Erfolge unsere Klimabemühungen heute schon haben." Allein der Effekt des Heizungsverzichts von 45.000 Berlinern in den vergangenen fünf Tagen sei an der aktuellen Wetterlage gut abzulesen. "Das ist ein Signal, das die ganze Welt sehen kann."
"Zwei Grad Köhler"
17 Jahre nach der Klimainitiative des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler - bekannt geworden als "Zwei Grad Köhler" - werde die Behauptung, dass in "hiesigen Breiten kalte Winter eher unwahrscheinlich" würden, öffentlich kaum mehr seriöse vertreten. "Das liegt natürlich daran, dass die Daten es nicht hergeben." Haase, der als einer der ersten Wissenschaftler entdeckte, dass ein großer Teil der globalen Luftbewegung in den mittleren Breiten die Form von Wellen annimmt, warnt ausdrücklich davor, das Phänomen auf die leichte Schulter zu nehmen. "Die sogenannten Rossby-Wellen wandern um den Globus, sie haben nichts mit der nordatlantischen Oszillation zu tun, sind aber sowohl Ursache der wärmebedingten heißen Sommer als auch die der kalten Winter."
Schwingen die Wellen nach Norden, saugen sie warme Luft aus den Tropen nach Europa, Russland oder die USA; schwingen sie nach Süden, geschieht das gleiche mit kalter Luft aus der Arktis. Dadurch wirkt das Wetter wechselhaft. "Wir reden hier ja aber nicht vom Klima", verweist Haase auf einen grundlegenden Unterschied, der oft verkannt werden. Dass Schweigen der Klimawissenschaft zum Wintereinbruch kann Haase nicht verstehen. "Statt offen zu kommunizieren, seht, Leute, dass genau dieser Schnee ist es, den ihr mit euren CO₂-Abgaben wieder möglich gemacht habt, wird verdruckst weggeguckt."
Eine neue Eiszeit
Deutschland könne stolz sein über die neue Eiszeit, über die Rückkehr von "Schneewalze" und "Russenpeitsche", vorsorglichen Schulschließungen und einer spontanen Absage der eigentlich geplanten CDU-Klausurtagung wegen der Katastrophenwarnungen. "Wer weiß schon, was da wieder rausgekommen wäre." Was öffentlich als Ergebnis eines "Wechselspiel der Luftdruckverteilung" wegerklärt werde, sei ein großartiger Erfolg der deutschen Klimaschutzpolitik. "Die insgesamt 100 Milliarden Euro, die der Bund bisher an Geld aus der neuen CO₂-Steuer von den Bürgerinnen und Bürgern eingetrieben hat, hätten die Menschen draußen im Land selbst nicht besser anlegen können."
Es sei Zeit, aufzuatmen, das Überleben der längst totgesagten Skigebiete in den Mittelgebirgen zu feiern und Forderungen zu widersprechen, wie sie jetzt aus den Reihen bestimmter populistischer Parteien kämen. "Kaum zeigen sich die ersten Effekte der drastischen Energiebepreisung", stört sich Herbert Haase, "wollen die, die gute Idee hatten, das Leben für alle teurer zu machen, mit dem Vorschlag auf, die Einnahmen aus dem CO₂-Preis als Klimageld direkt an die Leute zurückzuzahlen."
Dass das aus Angst vor einem anhaltenden und sich immer weiter verstärkenden Rechtsrutsch geschehe, sei ihm klar. "Aber darf ein Gefühl der Bedrohung der eigenen Wahlchancen ausreichen, die existenzielle Bedrohung des Überlebens der Menschheit durch den Klimawandel so leichtfertig beiseitezuschieben?"
Gerade wenn es eng werde und alles gegen einen spreche, müsse man seinen Überzeugungen treu bleiben, sagt Herbert Haase. Jemand wie Mojib Latig, der später versucht hatte, seine Vorhersage zum Ende des Schnees in Deutschland zurückzuholen, sei "kein guter Verbündeter". Haase schüttelt den Kopf. Er verstehe, dass der Alt-Experte Hohn und Spott leid gewesen sein und deshalb darauf beharrte, "ausdrücklich von einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent gesprochen zu haben, mit der die Temperaturen noch weiter steigen". Man wisse heute auch, dass Vorhersagen, die die Zukunft betreffen, "im Jahr 2000 noch viel schwerer zu treffen waren als heute". Hilfreich sei das aber nicht.
Am Schwanz der Klimakatze
Aus der Sicht der Klimawissenschaft ist die Frage nicht einfach zu beantworten. "Wir alle an unseren Instituten sind darauf angewiesen, dass Parteien in Regierungsverantwortung Fördermittel für die richtigen Forschungsansätze bereitstellen." Diese Parteien müssten folglich in Verantwortung bleiben, das könnte sie unter Umständen aber nur, indem sie zumindest öffentlich als Kritiker der bisherigen Praxis der Verwendung der Klimaeinnahmen aufträten. "Aus unserer Sicht als Forscher*innen beißt sich die Klimakatze da dann leider in den Schwanz."
Für Haase viel wichtiger aber ist, dass der Emissionshandel als zentrales Klimaschutzinstrument auch bei den Bürgerinnen und Bürgern, die der Kauf von Verschmutzungsrechten Jahr für Jahr rund 20 Milliarden Euro kostet, unumstritten sei. "2025 fielen die Erlöse aus dem Verkauf so hoch aus wie noch nie", sagt Haase. Mit der neuen Rekordsumme von 21,4 Milliarden Euro, die die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) für den Bund eintrieb, konnte in diesem Jahr noch mehr Winter als im vergangenen Jahr hergestellt werden. "Seit Jahresbeginn ist der Preis für eine Tonne Kohlendioxid noch einmal kräftig gestiegen", sagt Herbert Haase, "das lässt auch das Jahresende 2026 hoffen."
Planerfüllung bei den Klimazielen
Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer. Unübersehbar ist die Parallele zwischen dem neuen Einnahmerekord beim Verkauf von -Verschmutzungsrechten und der vorzüglichen deutschen Planerfüllung bei den Klimazielen. Zuletzt meldete die von undurchsichtigen Stiftungen und deutschen Ministerien finanzierte Agora Energiewende-Stiftung, dass die Bundesrepublik ihre im Klimaschutzgesetz festgelegte Jahresemissionsmenge von 662 Millionen Tonnen eingehalten habe.
Gelungen sei das durch den Rückgang der Wirtschaftstätigkeit. Zwar hätten die Beheizung von Wohnungen, der Verkehr und auch die Energieerzeugung ihre vorgesehenen Einsparungen nicht erbracht. Die Industrie aber, lobte die in den Ampel-Jahren noch direkt im Wirtschaftsministerium vertretene Lobbyorganisation, habe "einen bemerkenswerten Emissionsrückgang" geschafft.
Alarm im Hysteriechannel
Das allein reichte offenbar schon, um die Schneefallgrenze zu verschieben. Das Sturmtief "Elli" fegt durch die Fernsehstudios wie einst Supersturm "Xaver", die Milliarden aus dem europäischen und dem nationalen Emissionshandel befruchten eine jauchzende Winterwetterhysterie mit Glättewarnungen, Hinweise auf verschneite Straßen und Bitten um Bevorratung mit Brot, Batterien und anderen Prepperartikeln.
Panik ist nicht angebracht,. die deutschen tennishallen bleiben geöffnet. Sollten sich die Winterlagen in den kommenden jahren verstetigen, könnten über den Klima- und Transformationsfonds neben den bisherigen Energiewende- und Klimaschutz-Maßnahmen auch neue Rodelhänge, infrarotbeheizte Straßen und Kunstfellarmwärmer und Muffs für Deutschlandticket-Reisende finanziert werden. Herbert Haase ist zuversichtlich, dass die Rückkehr des Winters keine Eintagsfliege bleibt, so lange Deutschland Kurs hält auf Tempolimit und Energiesausstieg. "Wir müssen uns aber klar sein, dass Parteien wie die AfD niemals an die Regierung kommen und diesen Erfolg wieder zunichte machen dürfen."



11 Kommentare:
Die Weltpresse
-----
„Elli“ in Norddeutschland
Weniger Schnee – „es ist ein winterlicher Sturm, nichts sonderlich Außergewöhnliches“
Hier hatten sie sich in so eine Panik gesteigert, dass sich die Kinder schon auf einen Schulausfall gefreut hatten. Natürlich ein Flop. Das bißchen Schnee pappt und schmilzt vor sich.
'Denkt an die Kinder. Irgendwer soll doch bitte mal an die Kinder denken!'
Simpsons, Staffel 9, Episode 25
Unfassbare Äußerungen einer MDR-Journalistin: Diskussion um Berliner Vulkangruppen-Terror ist nur „durchschaubarer Trick, um vom Rechtsextremismus abzulenken“
von Thomas Hartung
-
08. Januar 2026
MDR-“Altpapier”-Kolumnistin Antonia Groß:Unterirdisches unterm Undercut (Screenshot:MDR/Medien360G)
https://ansage.org/wp-content/uploads/2026/01/piuzgoiu-1536x1035.jpg
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die Atrozitäten in den sogenannten "wilden" KL (bis 1935) sind natürlich NICHT zu billigen. Aber ...
>um vom Rechtsextremismus abzulenken
Gefällt mir, die Logik.
Die Gewalt ausgehend von Migranten und die Transformation der Stadtbilder und Stadtparks sind auch nur durchschaubare Tricks, um vom Rechtsextremismus abzulenken.
...bäks, sone schäbige Schabracke. Wegmachen!
Nasenführring.
Unsere Leben sind schon fade und langweilig genug. Da soll wenigstens das Wetter außergewöhnlich sein - und das Klima natürlich eine Katastrophe.
Die Wähler in Bayern werden ihm bei den Kommunalwahlen in zwei Monaten aller Voraussicht nach die Rechnung für sein (Söders) arrogantes Geschwätz präsentieren.
-------------------------------------------------------------------------------
DAS möchte ich bezweifeln ...
FOCUS-online-Redaktion
Samstag, 23.03.2019, 18:10
Kommentare
Bei Facebook teilen
Bei Twitter teilen
E-Mail verschicken
Auf einer Fahrt im Flixbus von München nach Berlin beginnt ein Mann neben einer Frau ungeniert zu masturbieren. Die Frau ist sich zunächst unsicher, was sie tun soll, alarmiert aber dann den Busfahrer. Der reagiert nur mit einem saloppen Spruch.
------------------------------------------------------------------------------
Der Busfahrer hat weise getan, die körperliche Konfrontation bzw. die Konfrontation überhaupt zu meiden: Wenn der Wixxer obsiegt hätte, hätte seine Sippe die Kosten der Funeralien aufbringen müssen, und wäre trotzdem von den Zecken molestiert worden. Hätte er aber gewonnen, hätte er sechs Millionen Jahre Bau gefasst, und seine Sippe wäre noch heftiger abgefahren.
die feste feiern, wie sie fallen
Es war das vorerst letzte Kapitel im Schmierentheater rund um den Stromausfall Berlin – und schon wieder deutet sich eine Rückkehr zur Tagesordnung an: Nachdem sich die SPD mit ihren Aussagen zur Unterbringung der Betroffenen und der Bevorzugung von Asylbewerbern gegenüber der einheimischen Bevölkerung schon ordentlich in die Nesseln gesetzt hat
------------------------------------------------------------------------------------------
Aischa Schluter - was für ein Käfer mag das sein?
Ist natürlich Mumpitz: Die Spezialdemokranaten werden in der Gunst des ach so schlauen Bürgerleins nicht sinken - jedenfalls nicht so bald unter 5%.
Kommentar veröffentlichen