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Freitag, 2. Juli 2010

Wiedergeboren als Hollands Hoffnung

Sein Prinzen-Bandkollege Sebastian Krumbiegel macht große Politik bei der Wahl von Luc Jochimsen zum neuen Bundespräsidenten, Wolfgang Lenk (Bild oben links) aber hat in diesen Tagen keine Zeit für solche Petitessen. Der 44-Jährige Leipziger, bei der früheren A-Capella-Gruppe aus Sachsen als Gitarrist und musikalischer Direktor beschäftigt, steht vor dem größten Auftritt seiner Karriere: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ruhen alle Hoffnungen des in großen Turnieren oftmals unter Wert geschlagenen holländischen Teams auf dem Sachsen.

Der war ursprünglich Vollblutmusiker, ging auf die Thomanerschule und studierte an der Musikhochschule im heimischen Leipzig. Nur zum Ausgleich begann der begnadete Komponist, nach anstrengenden Studiotagen Freizeitfußball zu spielen, doch er offenbarte auch hier bald "Talente, wie sie nur wenige haben" (Günther Netzer). Vor allem im linken Fuß des Musikers sei Musike drin, staunten Talentescouts, die den Spätberufenen bereits vor Jahren entdeckten und vom Fleck weg engagierten.

Lenk, der sich als Fußballer "Arjen Robben" (Bild oben rechts) nennt, tankte zuerst vorsichtig im Ausland Selbstbewusstsein, fand aber schnell heraus, dass er mit den Besten mithalten kann. Im letzten Jahr wechselte er dann zum FC Bayern München. Zum ersten Mal entschied er sich auch, nicht mit den Prinzen auf ausgedehnte Tour zu gehen, denn schließlich hatte Hollands Bondcoach Bert van Marvijk ein Auge auf den pfeilschnellen Rhythmiker geworden.

Lenks Plan ging auf, seit drei Wochen schon träumt der inzwischen 44-Jährige nun im Trikot der Oranjes seinen WM-Traum. Der Leipziger, der seine ersten Fußballschritte als Kind im Baumwolldress von Lok Leipzig lief, gilt Experten als bester holländischer Kicker und Versicherung für einen Sieg auch gegen Brasilien. Lenk selbst hält sich bei Interviews zurück, weil sein sächsischer Akzent das penibel antrainierte Holländisch gelegentlich doch noch überlagert. Er gibt kaum Interviews, drückt sich vor Fototerminen, ist am liebsten nur auf dem Platz. Einen Reporter des privaten Grimmaer Radiosenders GRS immerhin ließ er neulich hinter die Maske seiner angeblich 18 Jahre jüngeren Kunstfigur "Robben" schauen: Er kennen keine "Prinzen", habe in Südafrika aber "soviel Spaß für wenig Geld", grinste Lenk beim Verlassen des Trainingsplatzes, nachdem er von dem Reporter nach Gerüchten über seine vermeintliche Doppelrolle als Fußballheld und Popstar befragt worden war.

Mehr überraschende Doppelrollen: Saddam Hussein trainiert Argentinien und Mannichls Mörder im Fußballdress.

Kommentare:

Kobalt hat gesagt…

Dafür ist der Wulff jetzt unsere Beatrix, der/die/das mit der Limousine zum Schloss Bellevue zum lecker Mittachessen fährt und dabei dezent mit der Handfläche nach innen dem Publikum zuwinkt. Oder so in dem Stil, als ob er an der Decke eine Glühbirne einschrauben würde. Ok, an den Äußerlichkeiten (Frisur, rosa Brokat-Kleid) muss man noch arbeiten, aber der Rest passt schon. Das schafft dann wieder eine holländisch-deutsche Balance.

ppq hat gesagt…

exakt. ich glaube auch, dass das der plan war. und zum ersten mal seit 65 jahren wieder ein tiername als staatsoberhaupt, da wird geschichte abgeschüttelt und selbstbewusst in die zukunft geschaut.