Google+ PPQ: Homöopathischer Hass

Mittwoch, 25. August 2010

Homöopathischer Hass

Einmal mehr schrillen die Sirenen bei allen demokratischen Kräften im Land, bei BKA, Verfassungsschutz und im neuerrichteten Blogampelamt. "Rechtsextremisten sind mit ihren Hassparolen immer stärker im Internet aktiv", meldet die Managerzeitung "Handelsblatt" unter der beunruhigenden Überschrift "Das Internet wird brauner". Jugendschutz.net, die Netzüberwachungsstelle der Bundesländer für den Jugendschutz, zählte im vergangenen Jahr 1872 deutschsprachige Websites aus der Neonazi-Szene - das seien 237 mehr als im Jahr 2007 und 839 mehr als noch 2005 gewesen.

Zahlen, die das die rechtsextreme und rechtsradikale Szene aufrütteln müssen. Kann doch der von der Arbeitsstelle beobachtete organisierte Hass im Netz damit in den letzten beiden Jahren gerademal einen Zuwachs von zwölf Prozent vorweisen. Eine erschreckende Bilanz, denn die Gesamtzahl deutschsprachiger Webseiten wuchs in der derselben Zeit mit 63 Prozent rund fünfmal schneller, aus 8,7 Millionen deutschen Domains wurden 13,8 Millionen.

Vernetzung wird so für Radikale immer schwieriger, es wächst auch die Gefahr, dass Jugendliche, die nach aufwendigen Recherchen von jugendschutz.net eigentlich mit "rassistischen und antisemitischen Parolen für ihre Propaganda gewonnen" werden sollen, gar nicht mehr den Weg zu rechten Webseiten finden. Das war vor drei jahren schon schwieirg, weil bereits damals nur 0,0195 Prozent aller Internetseiten rechtsextremistisch waren, infiltrationsbereite Jugendliche also bis zu 5000 Seiten anklicken mussten, um ein rechtsextremistisches Angebot zu finden. Mittlerweile ist der Braunton des "größten Tatortes der Welt (Wolfgang Schäuble) ins Homöopathische verblasst: Kaum mehr als 0.0135 Prozent aller Internetseiten bekennen sich nach den Zahlen von Jugendschutz.net noch zu Rassismus, Faschismus und Neonazismus.

Fans von menschenverachtenden und ausländerfeindlichen Parolen müssen nun schon 7400 deutschsprachige Seiten absurfen, um mit Hass und Menschenfeindlichkeit bedient zu werden. Thomas Krüger, ehemals als "eine ehrliche Haut" im Nacktwahlkampf auf dem Weg in die Bundespolitik und später bei der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung abgeparkt, die die Zählarbeit von Jugendschutz.net generös finanziert, appellierte an die Internetwirtschaft, mehr zu tun, um dieses Problem zu bewältigen. Gehe die Entwicklung so weiter, werde es in zwanzig Jahren zwar rund 4000 rechtsextreme, -extremistische und radikale Internetseiten geben. Nach neuen Hochrechnungen aber werde die Gesamtzahl aller Domains mit .de-Endung dann bei 64 Millionen liegen - der Anteil von Seiten mit menschenverachtenden Parolen hätte sich dann auf nur noch 0.006 halbiert und radikale Surfer müssten dann bereits rund 15.000 Seiten anklicken, um fündig zu werden. Wohin das führen könne, zeigen die Jugendschutznet-Zahlen aus sozialen Netzwerken. Hier fand Bereits heute sickerten Netznazis auch in soziale Netzwerke die staatliche Netzaufsicht 6000 neonazistische Beiträge, die von mehr als 25 Millionen deutschen Nutzern etwa auf Facebook und anderen Netzwerken erstellt wurden.

Da bekommt sogar jugendschutz.net zenehmend Probleme, weiter Seiten zum Zählen zu finden. Beim Stand von 6.000 rechtsradikalen Beiträgen und Kommentaren in diesem Jahr musste jugendschutz.net aufhören zu zählen, gestand Jugendschutz-Oberwart Stefan Glaser dem Rechtswatchblog "Die Zeit". Seine Mitarbeiter bekämen nicht alles mit, das in diesen Netzwerken passiere. Es sei einfach so wenig. Dem Jahresbericht zufolge liefen im vergangenen Jahr zudem 70 Prozent der nach deutschen Recht unzulässigen deutschsprachigen Inhalte über ausländische Server, zumeist aus den USA, wo sie überdies nicht einmal verboten seien, sondern sich einfach in der Menge anderer Angebote verlören. Um Arbeitsplätze in der Jugendschutz-Industrie zu erhalten, seien nun technische Lösungen gefragt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Einfach gut!

Kurt hat gesagt…

Ich war ja enttäuscht von dem Werbebanner. Als ich auf Hass-im-Netz.info klickte,kam ich nicht etwa zu Hass im Netz, sondern nur zu so einer Schwurbelseite, die überhaupt nichts beweist, sondern nur behauptet. Ich werde dort wohl mal das Beschwerdeformular benutzen müssen und mich über den Etikettenschwindel beschweren.
Aber im Ernst: Es war doch klar, daß die Kinderpornografie nur vorgeschoben war als Zensurgrund. Jetzt kommt die Nazikeule. Und weitgehend unbemerkt machen die deutschen Femifaschisten schon länger gegen Väterforen und Infoseiten von geschiedenen, abgezockten Männern mobil und Stimmung. Wer es nicht glaubt, soll sich einfach mal die aktuelle EMMA anschauen.
Es geht um die Gleichschaltung des Internet und ich befürchte, daß es früher oder später gelingt. Spätestens, wenn im Netz oligopolistische Verhältnisse herrschen, werden sich die beteiligten Firmen mit der politischen Macht arrangschieren. Siehe China.