Google+ PPQ: Heimspiel der Hit-Giganten

Sonntag, 26. Dezember 2010

Heimspiel der Hit-Giganten

Genscher, Pieper, Honecker, Heydrich, Händel und Himmelsscheibe - dass große Teile der abendländischen Lebensart ihren Ursprung im lauschigen Saaletal haben, gilt Wissenschaftlern weltweit als bekannte Tatsache. Popkulturell hingegen hielt es die Forschung bislang für ausgemacht, dass der mitteldeutsche Raum um die selbsternannte Kulturhauptstadt Halle kaum etwas zum großen Kanon aus drei Akkorden, drei Strophen, Reefrain und Bridge beigesteuert hat. Als Pop-Potentaten aus der Saalestadt gelten Karat, Murmel von der Gruppe Kreis ("Doch ich wollte es wissen"), die Sieghart Schubert-Formation mit der Sängerin Katrin Schubert ("Bye bye Traurigkeit") und der Musikmagier Bernd Dünnebeil, der mit seiner Gitarre ganze Säle nach Hawaii verlegen konnte. Ganz egal, wie die Stadtbedingungen auf dem nahen Flughafen in Schkeuditz waren.

Ein Irrtum, wie sich einmal im Jahr zeigt, wenn die wahren Größen des halleschen Rock sich im kleinen Kreis im ehrwürdigen Steintor-Variete ein Stelldichein geben. Da sind sie plötzlich alle da, die geheimen Hallenser des Herzens, die Patti Smith heißen, Beth Ditto, Rudi Carell oder Robert Plant. Unbeobachtet von der überregionalen Presse können Hit-Giganten wie Beyonce, Mika, die vier Abbas und Bryan Adams hier ganz locker und unbelastet zeigen, was sie können. Ein kleines Publikum von nur rund 1000 Eingeweihten darf dem vom örtlichen Klub Objekt 5 als buntes Nummernprogramm organisierten Abend beiwohnen, der jedes Mal aber unter einem anderen Motto steht.

Im Zeichen der Eurokrise musste es diesmal Griechenland sein, das dem Gipfeltreffen der Händel-Erben als Kulisse dient. An den Trommeln Schlagzeus, an den Keyboards Achilles, am Moderatorenmikrophon kein Geringerer als Alexis Sorbas in seinen unverkennbaren Knöchelhosen, so zeigten zwei Dutzend Weltstars auch diesmal, was sie dereinst so berühmt gemacht hat. Was für ein Abend, der dann auch noch gleich dreimal stattfindet: Der bislang von vielen für einen Berliner gehaltene Peter Fox schlurft zum "Haus am See", Alan Lancaster von Status Quo rockt auch ohne den aus dem verfeindeten Magdeburg stammenden Kollegen Rick Parfitt "all over the world", Lena Meyer-Landrut, die erst nach ihrem Umzug aus Halle-Neustadt nach Hannover den Sprung an die Spitze schaffte, verzückt mit linkischer Beinarbeit und einer Stimme besser als in ihren oft als aseptisch empfundenen Studioaufnahmen.

Der Halle in Halle gefällt das, die Griechenfähnchen wedeln als Zeichen der Solidarität mit den immer noch von einem scharfen Schuldenschnitt bedrohten griechischen Anleihegläubigern. Nein, nirgendwo sonst werden Millionäre wie Madonna, die im nahen Hohenweiden geboren wurde, Lady Gaga, die in der Silberhöhe aufwuchs, oder der im Alter von vier Jahren aus Merseburg zugezogene Gitarrengott Jimmy Page so enthusiastisch gefeiert. Zumindest bis zum nächsten Jahr.

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