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Samstag, 1. Januar 2011

Zurück aus der Zukunft

Ein Blick zurück nach vorn, direkt aus dem Jahre 1958. Robert A. Heinlein versuchte sich damals an einem im Geist des Rohrstocks geschriebenen Roman über einen Weltraum-Krieg der Menschheit gegen halbintelligente Käfer-Zivilisationen. Paul Verhoeven hat aus Heinleins hellsichtiger Gesellschaftsdiagnose, die gleichermaßen geprägt war vom Schatten des Zweiten Weltkrieges wie von der Angst vor einem dritten, später den krawallisierenden Faschismus-Comic "Starship Troopers" gemacht und einen Kinoerfolg gelandet. Heinleins Buch hieß genauso, verfolgte aber andere Intentionen. In Deutschland durfte das Bändchen, das im Original 1959 herauskam, erst 1979 das erste Mal erscheinen, schon 1988 starb der Autor. Er durfte nicht mehr miterleben, wie sein Werk zur Beschreibung der aktuellen Lage der Gesellschaft 30 Jahre später immer noch taugt, wie der folgende Auszug nicht verleugnen kann.

Gesetzestreue Bürger wagten nachts kaum, einen öffentlichen Park zu betreten. Denn dabei riskierten sie, von jugendlichen banden angegriffen zu werden. Mord, Drogensucht, Brandstiftung, Überfälle und Vandalismus waren weit verbreitet. Und diese Vorfälle beschränkten sich nicht nur auf die Parks, sie geschahen mitten am Tag auf den Straßen, auf Schulhöfen, sogar in Klassenräumen. Sie hatten viel mehr Polizisten als wir. Und mehr Gerichte. Alles überlastet.

Die schlimmsten Straftäter begannen ihre Karriere schon im Kindesalter. Die Kinder wurden oft ertappt, die Polizei verhaftete sie täglich hordenweise. Wurden sie gescholten? Ja, oft sehr gründlich. Wurden sie geschlagen? Unerhört! Viele von ihnen waren auch als Kleinkinder nie gezüchtigt worden. Nach der vorherrschenden Meinung erlitt ein Kind einen psychischen Dauerschaden, wenn es geschlagen oder auf schmerzhafte Art bestraft wurde.

Die übliche Sequenz sah folgendermaßen aus: für das erste Vergehen eine Verwarnung, - eine Schelte, oft ohne gerichtliche Verhandlung. Nach mehreren Straftaten wurden sie zu Gefängnis verurteilt, die strafe wurde zur Bewahrung ausgesetzt und der Jugendliche unter Aufsicht eines Bewahrunghelfers gestellt. Man durfte sich mehrere Verurteilungen erlauben, und wurde dann nur mit anderen Kriminellen zusammengesteckt.

Das konnte Jahre andauern, während die Verbrechen immer rascher aufeinander folgten und an Brutalität zunahmen. Der Täter wurde nicht bestraft, sondern nur von Zeit zu Zeit in eine langweilige, aber nicht unbequeme Zelle gesperrt.

Doch der Mensch wird nicht mit einem moralischen Instinkt geboren. Wir erwerben das Moralempfinden durch Training, Erfahrung und bitteren Seelenschweiß. Was man einen moralischen Instinkt nennt, ist die erzieherische Leistung der Eltern, die ihren Kindern beibringen, dass Überleben einen noch stärkeren moralischen Anspruch hat als nur das Überleben der eigenen Person. das Überleben der Familie, der eigenen Kinder...

Doch diese Kinder kamen nicht über die niedrige Sprosse der Eigenliebe hinaus. Niemand brachte ihnen Pflichtbewusstsein auf eine Weise bei, die sie verstanden. Mit der Zuchtrute. Die Gesellschaft betete ihnen damals ununterbrochen ihre Rechte vor - teils aus wirrköpfigem Wunschdenken, teils aus logisch aufgebauter Scharlatanerie. Je ernsthafter sie waren, umso weiter verirrten sie sich von der Wahrheit.

Kommentare:

Silke hat gesagt…

Moral erwerben wir, ja. Aber das Gefühl für Gerechtigkeit und Selbstlosigkeit ist uns angeboren.

VolkerStramm hat gesagt…

Du hast Recht Silke. Das Gefühl für Gerechtigkeit und Selbstlosigkeit ist angeboren, besonders beim edlen Wilden. Wenn sich jemand daneben benimmt, dann liegt es an der Gesellschaft, der ewig versagenden.

Nur eine Ausnahme gibt es: Den rechtsradikalen Neonazi. Der ist von Natur aus, sozusagen genetisch bedingt, schlecht.

ppq hat gesagt…

@silke: das kann man nur hoffen. im leben sehen kann mans ja nicht

Stuff hat gesagt…

Whow, wau, Wow!
Thumbs up!

Stuff