Google+ PPQ: Auf den Schultern der Idioten

Donnerstag, 10. Februar 2011

Auf den Schultern der Idioten

Langsam wird ein Schuh draus, wenn auch nur ein linker. Sascha Lobo selbst, der Hohepriester der Lehre vom Iro als vermarktbarem Spezialwissen, nimmt in seiner "Spiegel"-Kolumne "Im Zweifel modern" Motive aus der PPQ-Dummheitsberichterstattung auf. Mehrfach war hier im Board bereits kritisch angemahnt worden, dass weltweit zwar Milliarden für Intelligenzforschung ausgegeben werden, die führende Rolle der Dummheit bei der Überführung der Gegenwart in die Zukunft jedoch kaum beleuchtet wird. Selbst der Duden bescheidet sich bei der Frage danach, was Dummheit ist, mit der Antwort "Abwesenheit von Intelligenz". In der neuen Ausgabe, hieß es, werde Gelb die Abwesenheit von Grün bezeichnet.

1857 waren die Menschen noch nicht so dumm, ein Grundproblem menschlicher Existenz einfach fortzuschweigen, wie es auch das Universallexikon Wikipedia tut. Dummheit sei ein Synonym für "Blödheit", heißt es dort, was grundsätzlich eher für die Dummheit des Verfassers als für die Richtigkeit seiner These spricht. 1857 wussten man noch, dass Dummheit eine "Schwäche des Verstandes ist, welche eine Unklarheit u. Verworrenheit der Vorstellungen veranlasst". Kann man nichts machen, keine Bildungspakete ändern das, keine Computerkabinette und verbesserten Förderrichtlinien. Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen, sagt der Mitteldeutsche und schüttelt den Kopf, wenn er von Plänen hört, Noten abzuschaffen, um Dumme klüger zu machen.

"Dumm ist, wer Dummes tut", wusste Forrest Gump, aber der Fortschritt marschiert und unterwegs radiert er Begriffe einfach aus. Menschen sind nicht gleich groß und nicht gleich dick, aber gleich begabt, glauben nicht nur die, die es nicht besser wissen können. Lobo räumt jetzt mit dem Vorurteil auf, er geht es aus Selbstschutzgründen technisch an, entdeckt den Idioten von nebenan und feiert ihn in einer Lobeshymne: Das erste iPhone von 2007 habe aus zusammenmontierten Fehleinschätzungen, Unzulänglichkeiten und Zumutungen bestanden, das schon zwei Jahre zuvor selbstverständliche UMTS habe Apple ignoriert, genau wie die MMS, eine Videofunktion und benutzbares Bluetooth. Nicht einmal eigene Klingeltöne ließen sich installieren.

"Die brillante, weltverändernde Idee des neuen Bedienungskonzepts war zu Beginn eingesperrt in einen Käfig aus veralteten Bauteilen", findet der Kolumnist. "Trotz dieser offensichtlichen Mängel fanden sich in den ersten drei Monaten anderthalb Millionen Käufer, die so die Idee am Leben hielten." Ein Wunder? Nicht, wenn man den Menschen kennt: "Auf den Schultern dieser Idioten ruht der Erfolg der inzwischen mit 320 Milliarden Dollar wertvollsten Technologiefirma der Welt, und nicht nur Apple ist von solchen vorschnellen, unvernünftigen, werbegläubigen, unsachverständigen Idiotenkunden abhängig."

Die zweite idiotische Grundeigenschaft bildet den gesellschaftlichen Nutzen der Idioten. Es ist ihre unermüdliche, unbewusste Suche nach den jeweils dümmstmöglichen Handlungen. Ihre flache Verstandeskraft führt dazu, dass Idioten eine ständige Prüfung für die von ihnen benutzten Technologien darstellen. Fehlverwendungen, die ein Ingenieur nicht einmal unter LSD imaginieren könnte, gehen ihm ganz einfach nebenbei von der Hand, während er den leeren Akku in der Mikrowelle wieder aufladen will.

1 Kommentar:

Gustaf Fröhlich hat gesagt…

Früher berief sich der Spiegel auf Jounalisten, heute auf Sascha Lobo..zu dumm aber auch!