Google+ PPQ: Katzenjammer bei Junker Jörg

Montag, 21. März 2011

Katzenjammer bei Junker Jörg

"Der Traum ist aus" (Rio Reiser), das Ziel verfehlt, die Machtübernahme vorübergehend abgesagt. Als "Junker Jörg" hatte Sachsen-Anhalts NPD-Führer Matthias Heyder noch in den letzten Stunden vor der Landtagswahl versucht, seine Anhänger über die Medien zu mobilisieren. Eine taktische Meisterleistung: Nachdem Junker Jörg hatte durchsickern lassen, dass er vor sechs Jahren dreist eine Bombenbauanleitung ins Internet gestellt hatte, berichteten plötzlich Zeitungen über seine Kandidatur, die zuvor keinerlei Notiz davon genommen hatten. Nach Angaben aus dem Unterstützerkreis des Neonazis ziele die Öffentlichkeitsoffensive direkt darauf, abenteuerlustige junge Leute als Wähler zu gewinnen, die mit dem Staat nicht viel am Hut haben.

Junker Jörg sei eindeutig mutmaßlich Jörg Heyer, der eigentlich Matthias heiße, reihte sich sogar Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann in die Mobilisierungskampagne ein. Es komme jetzt darauf an, aufzuklären: Wer einen richtigen Staatsfeind wählen wolle, sei bei Junker Jörg sicherlich richtig.

Heyder zeigte sich überrascht durch die plötzliche Prominenz und das große Interesse an seiner Person. Er könne gar nicht Junker Jörg sein, sagte er, um die Spannung möglichst lange hoch zu halten. Während die Generalstaatsanwaltschaftein Ermittlungsverfahren eröffnete, sang der späte Skinhead im Kreise von Gleichgesinnten wie dem Krauschwitzer Kammersänger Hans Püschel ein Loblied auf die "Deutsche Frau" (Video oben).

Bombenstimmung im heimatlichen Burgenlande, das mit kulturellen Glanzlichtern nicht verwöhnt ist. Die Livedarbietung des schütteren Männerchores kam so prima an, dass der frühere SPD-Sänger Püschel aus dem Stand 6,5 Prozent der Stimmen holte. Mehr als doppelt soviel wie die ehemalige Regierungspartei FDP für sich verbuchen konnte. Noch besser Schnitt nach einer von SPD-Innenminister und CDU-Wirtschaftsminister bereits seit zwei jahren konsequent geführten Werbekampagne im Wahlkreis Nebra der faschistische Fußballtrainer Lutz Battke ab, der für die NPD 9,1 Prozent der Erststimme einfuhr. In seinem Heimatort Laucha schaffte es der braune Feger dank der seit mehr als zwei Jahren laufenden Werbekampagne der Landesregierung sogar, sagenhafte 18,8 Prozent der Erststimmen zu holen.

Was für ein Erfolg für den künftigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, der Battke vor zwei Jahren aus dem Hut gezaubert hatte, um im "Kampf gegen rechts" (Angela Merkel) Punkte zu machen. Nirgendwo sonst gelangen der NPD vergleichbare Stimmengewinne wie in den beiden Wahlkreisen, in denen sie Prominente aufbieten konnte, die ihnen von der Landesregeirung zur Verfügung gestellt worden waren. Püschel und Battke gelingt damit zwar nicht der Sprung in den Landtag. Doch der eigentümliche Bariton und der hitlerbärtige Schornsteinfeger mobilisieren mit ihren Erfolgen zweifellos weitere umfangreiche "Kampf-gegen-rechts"-Mittel, die in den kommenden Monaten und Jahren zuverlässig Richtung Hohenmölsen fließen, zur Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze zur Aufklärung vor den Umtrieben von Junker Jörg führen und die Aussichten auf eine weitere Steigerung des Bekanntheitsgrades der NPD verbessern dürften.

Der innere Nazi geht Gassi
Ein Ballon namens Battke

Auch die Taz entdeckt jetzt die Nazihochburgen Battke und Püschel, fragt aber lieber nicht, wie die entstanden sind.

Am anderen Ufer: Netzwerkrecherche über linke Politik ohne Eier.


Kommentare:

derherold hat gesagt…

Wenn man sich einmal den (neugewählten) Landtag von SA ... *hüstel*... Sachsen-Anhalt ansieht, dann fällt auf, daß rotgründunkelrot beinahe eine Zweidrittelmehrheit (der Abgeordneten) stellen.

Wie würde ein (Achtung, Wortspiel !) auf Diät gesetzter regionaler FDP-Kandidat sagen: "Egal, Hauptsache wir haben die undemokratischen Parteien außerhalb des Parlaments halten können !"

ppq hat gesagt…

ja, es ist ein sieg für die demokratie, ein großer