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Dienstag, 20. September 2011

Mehr wird immer weniger

Es hätte Europa Warnung genug sein müssen, das Wahldebakel der FDP in Berlin. 1,8 Prozent der Deutschen nur, so analysierte der "Spiegel", sind gegen erweiterte und dynamisch weiter wachsende Rettungsschirme zur Sicherung des Euro vor dem Einfluss von "Spekulanten" (Franz Müntefering). Die FDP sei "mit ihrem Anti-Euro-Wahlkampf light gescheitert", befand Spiegel-Autor Severin Weiland, deshalb attackiere Parteichef Rösler jetzt "die Euro-Skeptiker um den Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler, der einen Mitgliederentscheid gegen den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM anstrebt".

Denn die Berliner Volksabstimmung zur Gemeinschaftswährung zeigt deutlich: Die ganz große Mehrheit der Deutschen will den Euro ganz, will Europa mit allen seinen Gliedern, egal, was es kostet und wer bezahlt. Ein hoffnungsfrohes Zeichen für die Europäische Zentralbank, die inzwischen der größte Gläubiger der Schulden der Griechen ist. Nein, wenn alles so kommt, wie die Volksmassen es wollen, wird die Bank, die sich im Besitz der Volksmassen befindet, keine Abschreibungen auf ihre griechischen Anleihen vornehmen müssen. Das erspart den europäischen Staaten neue Schulden, die gemacht werden müssten, um die EZB zu rekapitalisieren. Und ist also gut für Europa.

Wie nach Ansicht von Sigmar Gabriel, einem der kommenden Bundeskanzler der SPD, auch ein hoher Euro-Kurs gut für Europa ist. Sinke der Euro zu tief, gab der immer noch amtierende Popbeauftragte der deutschen Sozialdemokratie jüngst zum Besten, dann bekomme der Export-Europameister Deutschland Probleme. Zu viele Länder könnten sich dann die billigen deutschen Waren leisten, womöglich kämen die Produzenten gar nicht nach.

Was aber ist eigentlich ein "tiefer" Euro? Justament knapp nach der neuerlichen Euro-Rettung durch das Bekenntnis der Berliner zum Völkerbund schießt die US-Ratingagentur S&P quer: In einem Coup, der mit keiner europäischen Regierung abgesprochen war, stuften die selbstherrlichen "Herren der Märkte" (dpa) die Bonität Italiens ab. Ziel ist es offenbar, Europa weiter in die Bedrängnis zu bringen. Hier war bisher versäumt worden, eine eigene Ratingagentur zu gründen, in der ehemalige Parteifreunde der Regierenden wertfreie und wirklich solide Urteile über die Qualität einzelner Staatsschuldner abgeben.

Ein Affront, der sich direkt gegen Sigmar Gabriel, aber auch gegen das erst vor 18 Monaten geschnürte Euro-Rettungspaket von Angela Merkel richtet. Damals war es der ehemaligen Klimakanzlerin Angela Merken in Zusammenarbeit mit ihrem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy gelungen, den Euro in "Stunden hektischer Krisendiplomatie" (FAZ) zu retten und seinen Kurs kurzzeitig von 1,26 auf 1,31 zu katapultieren. Das ist weniger als die 1,36 Dollar gewesen, die er derzeit kostet. Wobei er damals als "gestärkt" bezeichnet wurde, im Augenblick aber als "schwach" gilt.

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