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Dienstag, 7. August 2012

Fremde Federn: Von gebrochenen Dämmen


Von einer "Überraschung" schreibt René Zeyer beim schweizerischen Journal 21 natürlich nur ironisch. Griechenland ist pleite? Selbstverständlich, seit Jahren schon! Aber "nun ist es sozusagen amtlich alternativlos: Griechenland steht dort, wo es schon vor zwei Jahren stand: am Abgrund", heißt es bei Zeyer. Nur werde der Sturz der Hellenen heute viel tiefer sein, als er damals gewesen wäre. Und das nicht nur für Griechenland.

Es ist nicht zu leugnen, wenn man sich die Höhe der Staatsschulden in Europa, die Höhe der Arbeitslosigkeit in Spanien (so hoch wie seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr) und das Ausmaß der Verzweiflung der Regierenden anschaut. "In den wenigen Jahren seiner Existenz hat der Euro einen Schaden angerichtet, den man sonst nur mit einem mittleren europäischen Krieg hinkriegt." Und die Medizin hat noch verheerender gewirkt, denn, so die Analyse aus der Schweiz, "die europäischen Rettungsschirme haben einen Schaden angerichtet, den man sonst nur mit ausführlichen Flächenbombardements hinkriegt."

Dabei komme das dicke Ende ja erst noch. Vielleicht schon nach dem nächsten, dem wiedermal allerallerletzten Krisengipfel, der nach bedauerlichen Fehlschlägen seiner Vorgänger grundsätzlich und für mindestens die nächsten fünf Jahre alle Probleme aus der Welt räumen wird. Danach folgt wieder ein ganz gewöhnlicher Montag nach einem Freitag, an dem wieder ein ganz neues Rettungspaket von wie immer immerhin 100 Milliarden Euro auf den Weg gebracht wurde, das ja wirklich mehr als ausreichend war, um wenigstens Spanien wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

René Zeyer lässt an seinem Urteil keine Zweifel: "Das alles ist das Resultat einer wohl inzwischen historisch einmaligen Unfähigkeit der Regierenden." In unheiliger Allianz mit dem Finanzsektor habe die Politi Privatschulden vergesellschaftet, Staatsschulden europäisiert und "mit einer unüberblickbaren Anzahl von Wortbrüchen das Vertrauen ihrer Untertanen weitgehend verspielt". Wie das Amen in der Kirche folgten nach inzwischen 19 Krisengipfeln in zweieinhalb Jahren die nächsten Katastrophen.

Optimismus gibt es nur noch, wo jede Scham verloren ist. Unerschütterlich verkündeten die Eurokraten mitten im absaufenden Euroland, dass sie alles im Griff hätten, ihre Politik weiterhin alternativlos sei und sowieso das Merkel-Unwort gelte: Fällt der Euro, fällt Europa.

Dabei sei längst es sonnenklar: Europa fällt über den Euro, das Einende, das unbedingt gerettet werden soll, ist das Trennende, das eine Rettung unmöglich macht.

Von Staatenlenkern könne man nun ja immer erwarten, dass sie einen Plan B zur Hand hätten, "wenn Plan A offensichtlich und mit Anlauf und völlig vorhersehbar in einem krachenden Desaster endet". Aber auch diese Hoffnung wird zuverlässig enttäuscht werden.

Oder ist das vielleicht der Plan?, argwöhnt Zeyer. "Heisst der Plan der Eurokraten in Wirklichkeit U für Unfähigkeit oder U für Untergang?" Er glaube nicht, dass sich ein "Schlamassel von solchen monströsen Dimensionen" lediglich mit Hilfe "unvorstellbarer Unfähigkeit" anrichten lasse. Könne es nicht sein, dass in den geheimen Sitzungssälen, bei den abhörsicheren Videokonferenzen unter den Staatenlenkern langsam eine Stimmung herrscht wie bei den letzten Lagesprechungen im Führerbunker zu Berlin?

Statt über nicht existierende Ersatzheere und die Gewissheit des Endsiegs werde dort heute einfach über nicht existierende Rettungsmilliarden und die Sicherheit der endgültigen Rettung der Eurozone schwadroniert. Während alle Beteiligten wüssten, dass sie Fantasmen nachjagen, kämen die finanziellen Einschläge immer näher. Leider gebe es aber einen gravierenden Unterschied beim Ende: "Restlos alle, die dafür Verantwortung zu übernehmen hätten, in erster Linie die Regierenden und die bedeutendsten Vertreter des Bankensektors, werden haftungslos und ungestraft davonkommen."

Kommentare:

Friedrich hat gesagt…

Beispiellos an der EU sind inzwischen wohl die Vertragsbrüche
und das feste Dogma:

Zuviel Kredit bekämpft man mit noch mehr Kredit.

Anonym hat gesagt…

Spanien hat 2 Millionen Wohnungen über Bedarf gebaut. Jede Wohnung mit 150.000€ geschätzt - dann wissen wir den tatsächlichen Bedarf der spanischen Banken.

Dazu kommt, dass der Wert der 10 Millionen Bestandswohnungen durch das Überangebot ebenfalls in den Keller gegangen ist.

Vermutlich auch das eine Überraschung.

Volker

ppq hat gesagt…

mit sicherheit