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Dienstag, 29. Oktober 2019

Vier gewinnt: Eine Quadratspitze für die SPD

Die Freude über die neue Quadratspitze ist jetzt schon riesig.
Selten nur war das Wettrennen um den Spitzenposten bei der deutschen Sozialdemokratie so spannend wie dieses Mal. Als mit Engholm, Schröder und Scharping drei Männer um den Vorsitz kämpften, stockte der Republik zwar auch für einige Momente der Atem. Schließlich war mit dem später als deutschem Radfahrerchef bekannt gewordenen Rudolf Scharping ein Sieger aufs Podest geklettert, mit dem niemand gerechnet hatte.

Aber dieses Mal hat die Titanenschlacht ein ganz anderes Gepränge: Es geht um nichgts weniger als um alles, um den Fortbestand der Regierung, das Überleben der ältesten deutschen Partei, eigentlich aber auch um Europa, die Klimaziele der Paris-Abkommen-Unterzeichner und damit um das Schicksal der gesamten Menschheit.

Das sich mit dem Duo-Duo Geywitz/Scholz und Esken/Walter-Borjans gleich zwei der namhaftesten der sechs zuletzt noch im Rennen befindlichen Kandidatenbundles auf die SPD-Chefsessel durchgesetzt haben, kann deshalb von Bürgerinnen und Bürger überall auf der Erde mit großer Erleichterung und Freude aufgenommen werden. Dass der Bundesfinanzminister und seine Brandenburger Quotenfrau - erstmals hatte der SPD-Notvorstand bestimmt, dass ein gemischtgeschlechtliches Paar die Partei leiten sollen muss - mit 22,7 Prozent über die zweitplazierte Mann-Frau-Kombination aus der überzeugten Hausfrau Saskia Esken und dem ehemaligen Finanzminister Nordrhein-Westfalens, Norbert Walter-Borjans, triumphierten, knapp dahinterliegt, kann ein Zeichen sein. Muss aber nicht.

Fast die Hälfte der  Hälfte der 460.000 Parteimitglieder hat für das Quartett gestimmt, das zusammen aus so unterschiedlichen Regionen wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schwaben und dem Berliner Speckgürtel stammt. Gemeinsam sind die vier 220 Jahre alt und zusammen haben sie mehr als die Hälfte dieser Zeit alt in der aktiven Politik verbracht. Aber auch Spuren beruflicher Tätigkeit außerhalb der Politik haben Experten in den Lebensläufen der künftigen Parteiführer gefunden: Vier Jahre als Informatiker und mehrere Jahre, die Borjans als junger Mann bei Henkel angestellt war, bedeuten eine Steigerung der Arbeitsverwurzlung der neuen Parteiführung um mehr als 800 Prozent verglichen mit der früheren Nahles-Führung. Auch im Vergleich mit der Vorstandszeit von Sigmar Gabriel liegt die Steigerung noch bei 216 Prozent, denn Gabriel hatte nur kurzzeitig als Start-Up-Unternehmer für den niedersächsischen Staatskonzern VW gearbeitet.

Saskia Esken, die nach einem abgebrochenen Studium der Gemanistik eine Ausbildung zur Informatikerin absolvierte, sich dann aber bis zu ihrem Einzug in den Bundestag der Erziehung ihrer Kinder widmete, und Walter-Borjans, der mit 67 im besten Alter für einen Neuanfang ist, gelten als durchaus präsidiabel, volksnah und an der Basis weit über Parteikreise hinaus bekannt. Gemeinsam mit Geywitz, die nie außerhalb des politischen Geschäfts gewirkt hat, und Scholz sind sie im Durchschnitt seit 32,5 Jahren hauptberuflich politisch aktiv, haben während dieser Zeit gemeinsam mehr als eine halbe Million Euro (1 Million D-Mark) Parteibeiträge gezahlt und könnten so ein glaubwürdiges Aufbruchsignal in die Republik senden, das nicht nur die zuletzt innen- wie außenpolitisch so erfolgreich agierende Große Koalition stabilisiert, sondern auch dem gerade in diesen schweren Zeiten für das entschiedene Eintreten für den Meinungsfreiheit so wichtigen Kampf gegen rechts einen weiteren Schub geben.


Statt die der 460.000 Genosseninnen und Genossen nun der Qual der Wahl auszusetzen, sich zwischen vier Namen wie Donnerhall entscheiden zu müssen, ist es hohe Zeit für ein neues Führungsmodell. Mit einer sogenannten Quadratspitze, bei sich Geywitz/Scholz und Esken/Walter-Borjans den zehrenden Posten des Chefabwickicklers teilen und das grüne Modell der Doppelspitze damit auf ein völlig neues Level heben, wäre der Partei, dem Land, Europa, der Welt und dem Klima am besten geholfen, nachdem der von bestimmten Kräften in der Partei immer noch als möglicher Rückkehrer im Spiel gehaltene frühere Langzeit-Parteichef Sigmar Gabriel pünktlich am Tag der Vorrundenentscheidung seine eigenen Zukunftspläne öffentlich gemacht hatte und auch der von jungen und linken Kräften favorisierte Jan Böhmermann ebenso wie Parteisatiriker Ralf Stegner sein Ausscheiden aus dem Kandidatencasting verkündet hatte.

1 Kommentar:

Florida Ralf hat gesagt…

ich sehne mich nach der zukunft, in der man endo-diverse individualvorsitzende in frankensteinmanier zusammenbauen kann. nuescht mehr mit sowohl-als-auch-und-zwar-gleichzeitig-aber-sofort, sondern eierlegende wollmilchsaeue ausm kellerlabor des willy-brandt-hauses. parteimitglieder werden dann auswaehlen duerfen, welche rasse der linke arm, welches gender das rechte ohr, und welche ethnische zugehoerigkeit der blinddarm haben sollen--klasse spielt ja bei der spd fortschrittlicherweise keine rolle mehr. und der landesverband-proporz ist auf diese weise auch einfacher zu einzuhalten. koennte dann auch im fernsehen uebertragen werden. ist die marke "ein kessel buntes" wieder frei?