Google+ PPQ: Glück muss man haben: Illegal, egal, ganz legal

Donnerstag, 30. Januar 2020

Glück muss man haben: Illegal, egal, ganz legal

Infografik: Milliardenmarkt Glücksspiel | Statista

Schon immer war der Staat der größte Dealer auf dem deutschen Glücksspielmarkt. Die Lottogesellschaften der Länder dienten Landesregierungen als Portokasse, mit deren Hilfe Landschaftspflege ungestört betrieben werden konnte. Private Anbieter, die das System störten, wurden ins Aus getrieben, gegen die, die schon im Ausland saßen, erwogen Fachpolitiker Internetsperren und Zugangsbeschränkungen. Selbst der Umstand, dass Europarecht als höherrangige Vorschrift es jedem Wettanbieter, der irgendwo in der Wertegemeinschaft eine legale Niederlassung betreibt, erlaubt, auch in Deutschland seinen Geschäften nachzugehen, hinderte deutsche Politiker über ein Jahrzehnt lang nicht daran, die geltenden Regeln zu befolgen. Zu schmerzhaft schien der Ausfall, der den staatlichen Lottounternehmen durch Online Casino Ratgeber drohte.

Das deutsche Glücksspielrecht glich dem Berliner Hauptstadtflughafen. Immer wieder geändert, immer wieder tauglich allenfalls für die Parallelwelt, in der die Verantwortlichen leben. Es waren nicht die offenen Grenzen, die zum ersten Mal zeigten, dass Deutschland die Zeiten hinter sich gelassen hat, in denen klare Regeln galten, die dann auch durchgesetzt wurden. Schon beim Versuch, seinen Bürgern das Wetten auf Sportergebnisse zu verbieten, hatten die 16 Landesregierungen zuvor gezeigt, dass sie in der Lage sind, Gesetze zu erlassen, die zuerst von Gerichten als europarechtswidrig abgeurteilt werden, ehe sie anschließend vom Gesetzgeber selbst für nicht mehr anwendbar erklärt wurden. Es ging dann ganz ohne rechtliche Grundlagen, neun Jahre lang, denn die 16 Bundesländer zeigten sich auch außerstande, irgendeine Einigung über eine praxistaugliche Nachfolgeregelung zu finden.

So warben irgendwann sämtliche Bundesligaklubs auf Banden und Trikots für Sportwetten, die eigentlich illegal sind. Während die politische Klasse störrisch behauptet, Behörden hätten das Recht, gegen Sportwettenanbieter vorzugehen, denn die seien in Deutschland nicht erlaubt. Der Bürger wettete, Torwart-Titan Oliver Kahn warb für Wetten, Staatsanwälte schauten bei Sportübertragungen, bei denen Wettwerbung alle naselang auftauchte, geflissentlich weg. Und wer wollte, konnte sich den Bauch halten vor Lachen über so viel Staatsversagen.

Jetzt erst, fast ein Jahrzehnt nach Inkrafttreten der letzten Fanatsieregelung, haben sich die Ministerpräsidenten zusammengerauft. Und eine würdige Neuregelung ausbaldowert: Geleitet und geführt von einer neuzugründenden zentralen Glücksspielbehörde der Länder (GlübL). bei der Anbieter eine Lizenz beantragen müssen, sollen einmal mehr "strenge Regeln zum Spielerschutz", eine "Sperrdatei" für Spielsüchtige und die Einhaltung von staatlich vorgegebenen Werbezeiten im Internet durchgesetzt werden.

Danach darf für Sportwetten im Rundfunk und im Internet zwischen 6.00 und 21.00 Uhr nicht geworben werden - Veranstaltungen wie die laufende Handball-EM, bei der der Wettanbieter Unibet auch bei Nachmittagsspielen großflächig auf der Spielfläche wirbt, dürften dann in Deutschland ebensowenig übertragen werden wie Spiele der Champions League, der Europaleague oder der Fußball-Bundesliga. Verboten bleiben auch die meisten bei Zockern beliebten Live-Wetten auf das nächste Tor oder den nächsten Einwurf, allerdings nur bei in Deutschland lizensierten Anbietern.

Alle anderen können weiter machen, was sie wollen. Und der deutsche Gesetzgeber kann weiter nichts dagegen tun.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ja ist uns klar, aber wir sind alle sehr damit beschäftigt, durch Verbrennen von einer Billion Euro die Welt zu retten.
Ich sehe nicht, wie der Quatsch mit den Wetten dazu etwas beitragen soll.

Team Ursula

Die Anmerkung hat gesagt…

Der Betvictor ist justamente in Berlin, für was immer der auch betet. Jedenfalls kann man die Werbung für das Beten ungefähr gefühlt ganztägig auf dem deutschen und den ausländischen Eurosport-Fernsehern sehen.