Google+ PPQ: Corona-Pegida: Die Herrschaft des Irrationalen

Dienstag, 19. Mai 2020

Corona-Pegida: Die Herrschaft des Irrationalen

Saskia Esken spaltet die Gesellschaft in Pandemieleugner mit Spaltungsabsichten und die übrige Gesellschaft, die sich nicht spalten lässt.

Spaltet Corona unsere Gesellschaft? Spaltet Corona Europa? Spaltet es die EU? Einzelne Familien, in denen der Vater Verschwörungstheoretiker geworden ist, während die Mutter Alltagsmasken näht, die sie verbotenerweise "Schutzmasken" nennt? Zehn Wochen nach Eintreffen im am besten vorbereiteten Staat der Welt wird die Seuche zum Testfall für die Loyalität des Volkes seiner Regierung gegenüber: Es war nicht alles falsch, was Jens Spahn Angela Merkel, Peter Altmeier, Horst Seehofer, Olaf Scholz und Hubertus Heil seit Ende Februar gesagt haben. Doch es war auch keineswegs viel Richtiges dabei, ebenso wenig wie bei Armin Laschet und Markus Söder und all den anderen Regionalfürsten, die zuweilen agierten, als ginge es beim ganzen "Kampf gegen Corona" (ZDF) tatsächlich nur um die nächste Kanzlerkandidatur.

Sieben Wochen Krieg


Die Menschen sind müde geworden, müde von einem "Krieg" (Emmanuel Macron) mit einem "unsichtbaren Feind" (Emmanuel Macron), der seit dem Shutdown vom März beinahe schon sieben Wochen andauert - die letzte derart große Herausforderung währte mit 296 Wochen kaum länger. Entsprechend angespannt sind die Nerven, die Nervosität ist hoch, viele Menschen sehnen sich danach, dass die Verdunklungsvorschriften Vermummungsvorschriften endlich gelockert, die Grenzen geöffnet und die EU gestärkt wird. Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler an Uni Duisburg-Essen, versteht das vollkommen.

Doch aus der Sicht des Medienexperten bringt die Bewährungsprobe für ein ganzes Volk eben auch eine Chance mit sich, "jetzt endlich mal genau nachzuspüren, wie es einem geht, wenn einem unveräußerliche Grundrechte weggenommen werden". Was immer selbstverständlich erschien und von den Vätern und Müttern des Grundgesetzes mit dem Adjektiv "unveräußerlich" zu einem ebenso fester Bestandteil eines jeden Menschen erklärt wurde wie dessen Hirn, Herz und Knochengerüst, verdampfte in "Corona-Zeiten" (DPA) binnen Stunden, als eine von Horrorbildern aus Italien erschütterte Bundeskanzlerin begriff, dass die von ihr bis dahin präferierte Strategie einer Durchseuchung des gesamten Landes nicht nur ein paar Hunderttausend Mitbürger das Leben, sondern sie und ihre Partei mutmaßlich auch die Macht kosten wird.

Die Improvisationskünstler 


Strategien und Konzepte waren nicht da, es gab keine Vorräte an Masken, Schutzausrüstung oder fertige Maßnahmepakete. Es musste improvisiert und darauf vertraut werden, dass die großen und kleinen, halbstaatlichen und privaten Medien mitziehen und bereit sind, das Anweisungschaos und die endlose Folge an widersprüchlichen Erklärungen der jeweilig geltenden Tageswahrheit gemäß zu den Volksempfängern draußen im Lande transportieren und nicht beginnen, auf vor allem Augen liegende Fehler, Versäumnisse und Falschbehauptungen herumzureiten. Da kann natürlich nicht immer alles klappen.

Das zumindest ist gelungen. Das mediale und das politische Milieu haben sich durch Corona nicht spalten lassen. Sie stehen gemeinsam im Abwehrkampf gegen übelmeinende Erinnerer an "diese Virus verbreitet sich nicht durch die Luft" (Spahn), "wir sind gut vorbereitet" (Spahn), "niemand braucht eine Maske" (Merke), "kein Arbeitsplatz wird wegen Corona verlorengehen" (Altmeier) und "Viren kennen keine Landesgrenzen" (von der Leyen). Nur folgerichtig erscheint, dass die Fußball-Bundesliga in eine Zwangspause geschickt wurde, als Deutschland 100 Neuinfektionen pro Tag zählte.  Und diese Pause endet, wenn 900 Infektionen pro Tag erreicht sind. 

Corona-Logik nach der R-Rate


Corona-Logik, von einer vielmals umdefinierten R-Rate gestützt. Der Widerspruch, der in den durch den Corona-Notstand weitgehend lahmgelegten Parlamenten nicht zu hören war und in den großen und kleinen Gazetten nicht zu lesen, fand sich wie immer ein Ventil im Offenen: Eine "Corona-Pegida" (Marion von Haren) saugte auf, was an Zweiflern, Meckerern und Niezufriedenen meinte, nun auch noch mitreden zu müssen, obwohl doch sämtliche Talkshows auch in den härtesten Wochen der Ausgangsbeschränkungen stets gut und mit wechselnden Ministern ausgewogen besetzt gewesen waren.

"Es gibt berechtigte Kritik und unberechtigte Kritik", beschreibt der Medienwissenschaftler Korte, der sich als "Empörungsorte der Republik" eigentlich die Parlamente zurückwünscht, denn 2dort müssen Positionen gegeneinandergestellt werden". Der aber genau weiß, dass das schlechterdings nicht möglich ist, weil nicht zuletzt der "Sündenfall von Erfurt" (Korte) gezeigt hat, wohin regellose Demokratieausübung und anarchistisches Abstimmungsverhalten Einzelner führt.

Qualitätsvolle Demokratie


"Die Qualität unserer Demokratie hängt von der Qualität unserer Öffentlichkeit ab, da sind die Medien sehr gefragt", glaubt der Wissenschaftler an die Kraft vor allem der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Bürgerinnen und Bürgerern und allen Hierlebenden zu erläutern, dass es "keinen Masterplan zur Lösung gibt und jede Partei ihre eigenen Vorstellungen äußern muss" (Korte), dabei aber Achtsamkeit gefragt ist, weil nicht jede irrige Vorstellung es verdient, gleichberechtigte Wahrnehmungschancen zu erhalten.

Es gehe um die "Stigmatisierung abweichender Meinungen", die unabdingbar scheint in Zeiten, in denen eine kollektive Anstrengung not tut, um eine Spaltung der Gesellschaft in Corona-Müde und unverdrossen Weiterkämpfende zu verhindern. Der Bedarf, sich "qualitätsvoll zu informieren" sei groß, sagt Korte, das zeigten die Einschaltquoten von "Tagesschau", "heute" und "Tagesthemen". Dort, wo die qualitativ hochwertige Aufklärung über die wahre Natur der Corona-Leugner auf eine qualitätsvolle Öffentlichkeit trifft, die ihre Mitwirkungspflicht beim Vergessen von obsoleten Tageswahrheiten kennt,  lässt sich Deutschland nicht spalten.

Kommentare:

Jodel hat gesagt…

Corona wird am Ende ablaufen wie alle Themen heutzutage. Ein passendes Beispiel war das Waldsterben. Um ein relativ überschaubares Problem wird ein riesen Bohei gemacht. Die von den Medien getriebenen Politiker beschließen irgendwas. Die Medien klatschen Beifall, im berauschten Bewusstsein, das nur dank ihrer Macht etwas getan wurde
Ob die beschlossenen Maßnahmen überhaupt etwas bewirken oder mit dem Problem zu tun haben, wird nicht gefragt. Die Medien sind zufrieden und berichten, das das Problem dank der genau zum richtigen Zeitpunkt und im exakt nötigen Umfang durchgeführten Maßnahmen jetzt im Griff sei.
Alle sind zufrieden und das Ganze wird so in die Geschichtsbücher aufgenommen. Zum Jahrestag, anfangs alle fünf Jahre, später dann alle zehn Jahre, sendet man dann nochmal eine Zusammenfassung, damit der Ablauf auch richtig in Erinnerung bleibt.
Und Niemand, außer vielleicht einem Häuflein unbelehrbarer, wird noch in Zweifel ziehen, ob das damals alles wirklich so war. Irgendwann sind dann auch die letzten Zeitzeugen gestorben und aus subjektiven Behauptungen wurden in Stein gemeißelte, objektive Tatsachen. So entsteht Wahrheit.
Wenn man es bedenkt, eigentlich schon immer.

ppq hat gesagt…

sehr zutreffend, geradezu zutreffendst! so läuft es, so geht es seinen sozialistischen gang.

zu den verblüffenden weiterungen arbeite ich gerade,also an einem text dazu.

stay tuned!

Anonym hat gesagt…

Ich bin immer noch hin und weg von Ralf Stegners neuer Frisur!

Die Anmerkung hat gesagt…

Das hat die Astrid Kirchherr fotografiert oder erfunden oder modelliert. Doch die ist dieser Tage verstorben.

Anonym hat gesagt…

@ Jodel: Sehe ich nicht ganz so. Diesmal könnte es richtig saftig werden. Die Gotenkriege im 6. Jh., der Dreißigjährige Krieg, die Große Sozialistische Oktoberrevolution und die Lustbarkeiten im Kambodscha 1975-79 - und das alles zusammen - wäre das auszuschließen? Es wird sich schon wieder irgendwie einpegeln?
" Die von den Medien getriebenen Politiker ..." - das finde ich sehr bedenklich ...

Halbgott in Weiß

Anonym hat gesagt…

Beim Gurgeln fand ich über Le Penseur - dann wgvdl - alsdann rechtschreibkatastrophe.de - daß möchte ich hiermit zum grimmigen Genuß empfehlen*.
Wer Wind säht, wird Gebährmaschinen ernten. Nun kann ich den geehrten Blogwart nicht gebieten das er daß verlinkt, aber es würde mein Gemüht erheitern.

Halbgott in Weiß

*P.S. Pelle der Eroberer: Das ist doch ein M! Wozu braucht man das wohl? Das steht doch bei dem Wort Empfehlen ...

Jodel hat gesagt…

@Anonym
Mein Hauptanliegen in meinem Kommentar war nicht, das wir gut aus der Sacher rauskommen werden. Mir ging es darum festzuhalten, was in Zukunft in den Geschichtsbüchern stehen wird.
Selbstverständlich ist auch eine komplette Katastrophe nicht auszuschließen. Wir haben die recht gute Chance, das wir diesmal total überzogen haben und den Karren komplett an die Wand fahren werden. Wollen wir alle eine Kerze anzünden, das der Kelch noch einmal an uns vorüber geht.

Das ändert aber überhaupt nichts daran, wie Geschichte entsteht. Wenn jetzt dann bald eine große Krise kommen sollte, wird das vollständig dem Corona-Virus in die Schuhe geschoben werden. Das erst die Maßnahmen der Regierungen auf den Corona-Virus die Krise ausgelöst haben werden, wird komplett der Vergessenheit anheim fallen. Außer die AfD übernimmt nach der nächsten Wahl das Kommando, dann wird das genaue Gegenteil die offizielle Wahrheit werden, sofern sie genügend Medien auf ihre Seite bringen würde. Die Wahrheit ist immer subjektiv. Die Mehrheitsmeinung wird dann im Laufe der Zeit die Objektive.

Hätten die Goten mehr Geschichtsschreiber besessen und sich länger an der Spitze gehalten als die Römer, bzw. Byzantiner würden wir heute sicher anders über die Plünderung Roms denken. Bis 1989 war in der Sowjetunion die Oktoberrevolution auch eine Klasse Sache. Danach hat die andere Seite das Ruder übernommen und die Revolution war auf einen Schlag
ein Griff ins Klo.

Nicht nur im Krieg schreibt der Sieger die Geschichte. Das passiert ständig und bei allen Themen. Wer die meisten Geschichtsschreiber auf seiner Seite hat, dessen Erzählung ist die jeweils gültige Tageswahrheit.

ppq hat gesagt…

eine sehr schöne beschreibung. wir fahren morgen ins wahrheitsmuseum nach brandenburg, ich hoffe, von dort berichte zum aktuellen stand der wahrheitsforschung mitbringen zu dürfen

Anonym hat gesagt…

Ja, Frau Hansen. Ich vers-tehe die Problematik. (Meister Röhrich) ---
Nebenbei bin ich ziemlich sicher, daß es dieses Mal richtig schudderich wird.
Mit der Geschichtsschreibung liegen wir gar nicht so auseinander. Die Opferzahlen von Dresden 2/45 mal eben so auf 20-25000 herunterzulügen, durch akademische Strichjungen, daß es sogar im pfoinen Rittergut Schnellroda mehr oder minder hingenommen wird, nur EIN Beispiel, das hat schon was.
Nicht so ganz anschließen möchte ich mich den angeblich "von den Medien getriebenen Politikern". Diese (Selbstzensur)wissen, was sie tun - bilden es sich wenigstens ein.
Ich nehme es zur Kenntnis, staune dennoch immer wieder darüber, wie durchaus gewitzte Zeitgenossen die abgrundtiefe Bosheit und Verkommenheit der wirklich Herrschenden nicht wahrnehmen wollen.

Halbgott in Weiß

Jodel hat gesagt…

@Anonym
Schön das wir fast auf einer Linie liegen. Ich glaube nicht, dass man die aktuellen Fehlentscheidungen unserer Politiker auf Bosheit zurückführen sollte. Wer möchte schon den Wirtskörper absichtlich töten von dem er lebt? Verkommenheit kommt der Sache aber schon deutlich näher.

Wir haben uns heute eine Politikerkaste herangezogen, die außer, nennen wir es mal "Politik", gar nichts kann. Im freien Markt wären die zum Großteil gescheiterte Existenzen oder max. irgendwo bei NGOs unter ferner liefen. Deren absolut einziges Ziel ist daher die Wiederwahl. Dafür wird alles getan. Ob das dem Land schadet oder nutzt ist dabei absolut zweitrangig. Sowohl bei Politikern als auch bei großen Teilen der Bevölkerung herrscht immer noch der naive Glaube, das egal was wir aktuell beschließen, unter das aktuelle Wohlstandsniveau können wir nie mehr zurückfallen. Das ist gesichert. Das das auch mal total abkippen könnte, ist auf beiden Seiten nicht auf dem Schirm. Hat ja bisher auch immer funktioniert.

Man versucht also auf Teufel komm raus, das zu tun was der Wähler will, um weiter am Ruder zu bleiben. Leider lebt man aber im Raumschiff Berlin und hat mit der verachteten Masse, die einen wählen soll keinen Kontakt mehr. Also richtet man sich nach dem vermeintlichen Willen der Wählerschaft, wie sie in den Medien steht.

Frau Merkel hat dieses System zur absoluten Blüte gebracht. Zu keinem Thema sagt sie etwas, bevor sich nicht der allgemeine Tenor in den Medien herausgebildet hat. Dann gibt es eine kurze Ansprache, oder besser ein Gestammel von Allgemeinplätzen, und setzt sich an die Spitze der Bewegung. Ob das dann Deutschland evtl. schadet ist eine Frage die sich gar nicht stellt. Hier herrscht die Skrupellosigkeit in Reinform. Wichtig ist das die Presse jubelt und ein paar schöne Fotos. Anschließend geht das Ganze beim nächsten Problem wieder von vorn los.

Politiker wie Adenauer, Schmidt oder Kohl, bei all ihren Fehlern, die auch mal etwas durchzogen, weil sie davon überzeugt waren, gibt es heute nicht mehr. Man muss leider feststellen, das der Großteil der Wähler das wohl auch so will oder zumindest hinnimmt.

Anonym hat gesagt…

Diese SPD-Vorsitzende ist ein weiteres abschreckendes Beispiel, daß sozialistische, Sprechblasen und Unterstellungen nicht schöner machen und auch bisher nirgendwo die Welt verbessert haben. George Orwell hätte sie nicht eindrücklicher als Schwester des
"Großen Bruders" beschreiben können.
Elli