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Donnerstag, 21. Mai 2020

Motorradverbot: Die nächsten Raucher

Immer schon eine problematische Schicht: Zweiradfahrer, zum Teil mit nicht isolierten Kerzensteckern, die den TV-Empfang von Bürgerinnen und Bürgern stören.

Primitiv, rücksichtslos und laut, so sind sie, die - zumeist - jungen Männer, die dem steinzeitlichen Kultur des Motorradfahrens anhängen. Was in anderen Kulturen Teil der Lebensvorsorge ist, weil dort benzinbetriebene Zweiräder in allen Bauformen große und schwere Limousinen ersetzen, dient in Deutschland mittlerweile fast ausschließlich einer zweifelhaften Vergnügungssucht. Kommt der Frühling, begeben sich Besitzer von donnernden und brüllenden Maschinen hinaus auf die Straße, gehüllt in teure Lederkombis und versehen mit Helmen aus dem sogenannten Motorsport. Sind sind unterwegs, nur um unterwegs zu sein. Sie zelebrieren "Ausfahrten" zu Zielen, die ihnen nichts bedeuten. Und sie zerstören dabei in Corona-Zeiten nicht nur die wohltuende Stille, die sich im Lockdown über Städte und Dörfer gelegt hat. Sondern auch die ersten Erfolge, die die Industriegesellschaft im Kampf gegen das Klima erreicht hat.

Doch nicht mehr lange sollen BMW, Kawasaki und Goldwing an der noch immer notwendigen Restmobilität der Gesellschaft teilnehmen dürfen. Der Bundesrat ist jetzt mit einem mutigen Vorstoß vorgeprescht, um Motorräder aller Art künftig mit einem Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen zu belegen. Das soll den gesellschaftlichen Frieden erhalten, der derzeit noch von nahezu 4,5 Millionen motorisierten Zweirädern bedroht wird.

Der Hebel,mit dem die Länderkämmer die anachronistischen Fortbewegungsmittel von den Straßen bekommen will, ist der Lärmschutz. Eingebracht von der schwarz-gelben Landesregierung Nordrhein-Westfalens soll die Bundesregierung bei der EU-Kommission darauf dringen, dass Motorräder künftig maximal noch 80 Dezibel laut sind. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkws oder Zuges oder auch eines Rasenmähers.

Fahrzeuge, die lauter sind,würden dann sofort sichergestellt. An Wochenenden und Feiertagen, die bei Motorradfahrern traditionell als besonders reizvoll für Fahrten über Land gelten, würde ein Motorrad-Fahrverbot gelten. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zeigte sich mit dem ersten Schritt auf dem Weg zur Markierung und Bekämpfung einer neuen Verbotszielgruppe zufrieden. Mit der Bundesratsinitiative sei eine wichtige Etappe beim Schutz vor Motorradlärm erreicht.

Die Bundesregierung muss nun die rechtlichen Vorgaben erweitern und dabei jenseits des ersten Schrittes zu einem Motorradverbot auch eine Lösung dafür finden, dass Motorradfahrer häufig Strafen wegen zu schnellen Fahrens entgehen, weil sie aufgrund der Helmpflicht und des fehlenden vorderen Kennzeichens nicht identifizierbar sind. Möglich sie hier eine Pflicht,künftig  auch vorn ein Kennzeichen anbringen zu müssen oder aber eine Halterhaftung, so dass der Besitzer eines Motorrades auch dann zahlen muss, wenn der eigentliche Fahrer nicht zu ermitteln sei.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

>Der Hagener Umweltpsychologe und Lärmwirkungsforscher Dirk Schreckenberg...

Man wünscht sich ja wirklich, dass der Laden endlich den Bach runtergeht und die Posten für all diese überflüssigen Idioten wegfallen.

Anonym hat gesagt…

Umweltpsychologe und Lärmwirkungsforscher ----

Traun fürwahr! Schriftsteller zu Besuch in der Mittelstufe einer Provinzschule. "Wie wird man Schriftsteller?" -- Wie wird man "Lärmwirkungsforscher"? (Anderes Beispiel: "Gewaltexperte" - damit war wohl eher nicht Bruce Lee gemeint ...) ---
Bin (k)ein reicher Annaberger, hab' den Sack (nicht) voll Schreckenberger.

Halbgott in Weiß