Google+ PPQ: Notbremse: Erfinder ziehen Witzfigur "Amthor" zurück

Sonntag, 21. Juni 2020

Notbremse: Erfinder ziehen Witzfigur "Amthor" zurück

Modelliert nach dem Vorbild der "MAD"-Titelfigur Alfred E. Neumann zog der vermeintlich Philipp Amthor jahrelang den deutschen Politikbetrieb durch den Kakao.

Es sollte ein gespielter Witz werden, ein garstiger Joke, der das politische Berlin bloßstellt, in allen Eitelkeiten, mit all seinen finsteren Abgründen. Im Flüchtlingssommer 2015 dachten sich fünf freiwillige Künstler+Innen und Künstlernde des Zentrums für schöne Politik (ZSP) die Person des CDU-Politikers Philipp Amthor aus: Eine Kunstfigur, die einen deutschen Politiker darstellt, der alles in sich vereint, was deutsche Politiker so unbeliebt macht. Ein gewisses Maß an Arroganz, eine Portion Hochnäsigkeit, Besserwisserei und der offensiv ausgelebte Glaube, besser als alle anderen zu wissen, was gut für alle anderen ist.

Ein Held aus der Retorte


Nach dem Vorbild der Comic-Figur Alfred E. Neumann  entwarf das Künstlererkollektiv eine absurde Witzfigur: Philipp Amthor, so benannt nach dem bekannten  "Zappelphilipp" und der Superheldenfigur "American Thor" (Am-Thor), bekam eine Kleiderordnung verpasst, die selbst im Kosmos der politischen Karikatur jeder Beschreibung spottete. Zu einem blau-bunten Hemd, wie es Anfang der 90er Jahre die Kolonialbeamten der Bundesverwaltung im Osteinsatz gemäß der Felddienstordnung Busch trugen, musste Amthor einen altertümlichen Anzug im Stile der dänischen Klamotte "Olsenbande" tragen. Auf die Nase kam eine Brille mit Fensterglas, ans Revers eine überkandidelte Deutschlandfahne und obgleich Amthor angeblich erst 25 Jahre alt sein sollte, saß auf dem vogelkopfähnlichen Schädel des Helden aus der Retorte eine typische Alterweißermann-Frisur.

Man habe damals auf ein Angebot der staatlichen Satiresimulation "Heute Show" gehofft, gestand einer der Initiatoren später. Stattdessen aber kamen Einladungen in große Talkshows. Bei "Anne Will" und "Maischberger" konnte Amthor auch wirklich Platz nehmen - das "Zentrum" hatte den bekannten Volksschauspieler Jakob Maria Mierscheid kurzfrsitig verpflichten können, Amthor im richtigen Leben zu spielen.

Unverhoffter Erfolg


Auch wenn einige der Initiatoren damals schon Angst vor der eigenen Courage bekamen und ausstiegen, war es der Beginn einer in Deutschland wohl fast einmaligen Politikkarriere. Wie einst Karl-Theodor zu Guttenberg schwatzte sich Philipp Amthor binnen weniger Monate in die Herzen von Millionen.  Angeblich 1992 in Ueckermünde geboren und in Torgelow bei einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, die bilderbuchmäßig erst als Werkzeugmacherin, dann, nach Abwicklung der ostdeutschen Industrie, als Coach in einem Callcenter tätig war, entpuppte sich Amthor als Hoffnungsträger einer ganzen menschenleeren Region.  Mit mehr als 33 Prozent wählten ihn seine Fans in Mecklenburg in den Bundestag, die ersten sprachen vom "Mecklenburger Trump". 2019 ließ Amthor sich taufen, um evangelikale Kreise  näher an sich zu binden. 2020 rückte er dann bereits in den Diözesanrat des Erzbistums Berlin. Das Konzept war augenscheinlich aufgegangen.

Amthor ist der Archetyp des Volkstribuns als Witzfigur. Er findet sich gut und glaubt selbst fest an seine Mission, eines Tages Bundeskanzler zu werden oder gar König von Europa. Bilder, die Amthor porträtieren, unterscheiden sich von denen anderer Politiker, abgesehen von Guttenberg, Maas und von der Leyen deutlich. Bewusst inszeniert sich Amthor als Übermensch mit seiner wie aufgemalt wirkenden Brille, den schreiend komischen Segelohren und dem kindlichen Minenspiel. Inhaltlich geht er als Schwergewicht durch: Als Schwerpunkte seiner politischen Arbeit hat Philipp Amthor stets mutig die Demokratie  und den Aufschwung genannt, auch Werte und die Beschlüsse der Partei gehören zu seinem Handwerkszeug, wie er vielmals bekundete.

Dick aufgetragene Satire


Dennoch reichte all das sehr dick aufgetragene Satirische nicht, den Siegeszug des vermeintlichen Erlösers zu bremsen. Schnell avancierte der lustige Twen zum beliebten Gegenstand von Titelgeschichten großer Magazine, er wurde im Fernsehen zu aktuellen Fragen gehört und die in seiner "Heimat" klein und marginalisiert vor sich hinsterbende Partei sah in ihm schließlich den Mann, der sie zurück in Regierungsverantwortung in Schwerin bringen werde.

Jetzt erst zogen die Macher Konsequenzen. Obwohl Amthor bislang keinerlei Privatleben zugeschrieben worden war, seine Erfinder hatten das anfangs nicht für nötig, später aber für verzichtbar gehalten, schoben die verbliebenen drei Hintermänner der vermutlich größten Politikinszenierung seit der Affäre Wulff nun das private Engagement Amthors für eine imaginäre Herstellerfirma von künstlerischer Intelligenz (KI) ins Spiel, um ihren Schützling aus dem Spiel zu nehmen, ehe die Kunstfigur vielleicht wirklich noch CDU-Vorsitzender oder gar Ministerpräsident in Mecklenburg-Vorpommern wird.

Über Bekannte beim "Spiegel" lancierten die jungen Kunstschaffenden Bestechungsgerüchte und "Lobbyvorwürfe" (DPA), um  die Integrität und Glaubwürdigkeit ihrer Erfindung zu untergraben. Wie "vorprogrammiert" (Tag24) kippten die Dominosteine der unverhofften Traumkarriere in Rekordgeschwindigkeit, als sich alle angeschlossenen Abspielstationen entschlossen, auch diese jähe Wendung ernst zu nehmen. Amthor wehrte sich nur anfangs und nur zum Schein. Inzwischen trat er von allen Ämtern und angestrebten Ämtern, Aktienoptionen und Nebenjobs zurück.

An seiner Stelle wird nun der charismatische Kommunalpolitiker Michael Sack den Landesvorsitz übernehmen.

Kommentare:

Florida Ralf hat gesagt…

zum glueck isses ja nur m-v: https://www.ostsee-zeitung.de/var/storage/images/oz/nachrichten/mv-aktuell/michael-sack-arbeitstier-familienmensch-und-bald-cdu-landeschef-in-mv/747605055-1-ger-DE/Arbeitstier-Familienmensch-und-bald-CDU-Landeschef-in-MV-So-tickt-Michael-Sack_big_teaser_article.jpg

Anonym hat gesagt…

Es ist nur noch abartig!

ppq hat gesagt…

ich glaube, wir alle dürfen uns schon auf die schlagzeile freuen, dass in m-v kein sack umfällt

Der lachende Mann hat gesagt…

Wir hatten einmal einen perfekt deutsch sprechenden französischen Freund, der sagte, es gebe in jeder Sprache einige wenige Vokabeln, die sich für den Fremden nicht ausreichend beschreiben, sondern nur anhand von Beispielen verständlich machen lassen. Zum Beispiel das Wort "Backpfeifengesicht".

Anonym hat gesagt…

"Michael" = hebr. "Wer ist (wie) Hauahauaha?" (Angebl. ich bin, der ich bin ...)
Also, m e i n Rufname bedeutet "Hat Bums wie ein Bär". Nun ja, bis vor zehn Jahren ...

Jodel hat gesagt…

Jetzt komme eine ganz große Zeit für die Journos in M-V. Woanders interessiert es ja keinen, was in dieser entvölkerten Region überhaupt passiert. Nicht nur Sack umfallen ist möglich. HiHi. Nein, auch auf den Selbigen zu bekommen, bietet sich nach einer Niederlage an. HuHu.
Und erst die ganzen möglichen Reime mit Hack, Pack, Lack und Zack. Mit einer gewissen Rechtschreibschwäche wäre sogar Fack möglich. Einfach großartig.
Da kann man die kommenden Schlagzeilen kaum mehr erwarten.