Google+ PPQ: Lachschon.de: Prominentes Opfer des Meinungsfreiheitsschutzes

Donnerstag, 30. Juli 2020

Lachschon.de: Prominentes Opfer des Meinungsfreiheitsschutzes


Es waren manchmal brutale Bilder, jenseits der Grenzen des guten Geschmacks, den die Internetseite lachschon.de ihren Besuchern präsentierte. Das Publikum der Plattform aber mochte das, die Grenzüberschreitungen, das Peinliche, das Spiel mit Memes, die ebenso oft zum Lachen waren wie zum Fremdschämen. Lachschon, das private Projekt eines einzelnen Mannes, wurde ohne Werbeetat, ohne Medienunterstützung und ohne Mutter im Silicon Valley tatsächlich "zur großen deutschen Fun-Seite mit aktiver Community", wie Betreiber Marius formuliert.

Dann aber kamen die neuen Hass- und Hetze-Gesetze, ein Durchgriff auf Nutzerdaten samt Anzeigepflcith für sogenannte "Hassposts" (Christine Lambrecht). Und der Gesetzgeber vermied es tunlichst, vorab zu definieren, was genau ein solcher Hasspost ist: Zählt die Verhohnepipelung schon dazu? Die Karikatur? Der derbe Witz? Und wenn ja, wer bestimmt, an welcher Stelle der Bereich des Zulässigen überschritten ist? Gerade bei Lachschon, wie das amerikanische Kohlchan bevölkert von einer Community aus jungen Männern, die eine Vorliebe für Pennälerhumor und gezielt verletzte Tabus pflegt, eine wichtige Frage.

Die die Justizministerin auch nicht im Zuge der erneuten Verschräfung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes beantworten wollte. Man dürfe “das Feld nicht den Hetzern überlassen, sonst gerät unsere Demokratie in Gefahr”, begründete die Justizministerin pauschal, warum "manche potenziell strafbaren Inhalte" (netzpolitik.org) von betreibern sozialer Netzwerke künftig direkt ans Bundeskriminalamt gemeldet werden müssen - inklusive der Namen, Anschlussdaten und Adressen der mutmaßlichen Verfasser.

Für Lachschon-Betreiber Marius, einen der wenigen digitalen Start-up-Gründer in Deutschland, die ein Geschäftsmodell im Internet entwickelt und über fast 20 Jahre am Leben gehalten haben, das letzte Zeichen dafür, dass es Zeit ist, Schluss zu machen. "Ein weiteres Aufrechterhalten der Meinungsfreiheit oder der freien Rede ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr darstellbar", schreibt er zum Abschied vom "überwiegend vernünftigen Teil der Community". All denen danke er "für viele schöne, erheiternde und kreative Jahre".

Dem Rest könne er nur raten, "mal den Rechner abzuschalten und vor die Tür zu gehen. Die Welt ist bunt und vielfältig da draußen." Und die drinnen ist ohne lachschon.de ohnehin ein wenig weniger bunt.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

https://www.alternative-zu.de/lachschon/

Eure Anetta <3

Anonym hat gesagt…

Gröl, Kreisch: Aale gucken immer, als ob sie gerade einen Witz erzählt haben und nun auf die Reaktion warten ...
Fast bemacht ich mich hätte.

Jodel hat gesagt…

Lieber ppq, haben Sie eigentlich schon ein Geschäftsmodell entwickelt, das ihnen die neue Möchtegern-Stasi vom Laib hält? Gefühlt fällt doch auch hier alles unter Hass und Hetze. Außerdem werden Sie sicher nicht viele Freunde in den Parteien haben, die ihre schützende Hand über Sie halten werden. Ich hoffe Ihr kleines Mitmachboard ist fit für die Zukunft und kann den Stürmen des Zeitgeistes standhalten.

ppq hat gesagt…

von anfang an (2007) hieß es hier es mit blick auf das kommende: "PPQ ist ein Leseangebot, das sich ausschließlich an deutschsprachige US-Amerikaner, Chinesen, Kanadier, Einwohner der Philippinen und Mexikaner richtet."

Jodel hat gesagt…

In Zeiten in denen Geschlecht und Nation nichts mehr zählen, möchte ich ab sofort als lesbische Mexikanerin gelten, der*in zufällig in Deutschland ansässig ist. Ich bin also genau richtig hier.

Gratulation zu Ihrer Weitsicht. 2007 war ja vieles noch Neuland. Für viele ist es das zwar heute auch noch, aber Schwamm drüber. Manche haben einfach die feineren Antennen als die Anderen. Hätte ich 2007 einen Aufsatz über 2020 schreiben sollen, hätte ich wohl komplett daneben gehauen. Damals dachte ich noch die CDU - CSU sei konservativ und würde nach rot-grün die Dinge wieder etwas ins Lot bringen und Deutschland wenigstens ein bisschen zukunftsfest machen. So kann man sich irren.
Ich habe einmal einen Text von Eugen Richter darüber gelesen, was passieren wird, wenn die Kommunisten an die Macht kommen, lange bevor es den Begriff überhaupt gab. Das passte 1 : 1
und machte mich staunen, ob der weisen Voraussicht.

Dank des Auslands-Schlupfloches ist Ihre Seite offenbar derzeit sicher. Ich freue mich daher auf viele weitere Traktate ihrerseits, die einem das Leben im Besten aller Deutschländer erträglicher machen.
Ich hoffe der Staat liest hier nicht mit und erlässt demnächst ein Gesetz zum Schutz von deutschsprechenden Ausländern vor deutschem Hass und Hetze. Normalerweise sind wir doch bei jedem Problem immer für die komplette Welt zuständig.
Daher weiterhin alles Gute von viel Glück bei der Erhaltung dieser kleinen Nische der Meinungsfreiheit.