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Samstag, 26. September 2020

HFC: Halle bei Tag und Nacht

Marcel Titsch-Rivero hadert mit Schiedsrichter Oldhafer und seinen Entscheidungen.

Es geht wieder los, und wie! Eine Woche nach dem Traumstart des Halleschen FC im Derby gegen Magdeburg, das unverhoffterweise den ersten Drittligasieg der Rot-Weißen gegen den ewigen Rivalen aus der Landwirtschafts- und Verwaltungsmetropole im Norden brachte, spielt der Klub von der Saale den hochgehandelten Gast aus Ingolstadt zwanzig Minuten lang nahezu an die Wand. 

Halle, ohne die beiden in Magdeburg so starken Destroff und Lindenhahn, die verletzt passen müssen, hat gefühlte 80 Prozent Ballbesitz. Der ehemalige Bundesliga-Klub aus dem Süden läuft nur hinterher, planlos, wie es aussieht. Halle, mit Guttau und Mast für die beiden Verletzten auf den Außenbahnen, beherrscht das erste Zuschauerspiel im früheren Kurt-Wabbel-Stadion nach Belieben. 

Doch was auffällt: Es mangelt an Torgelegenheiten. Zwar dominiert der HFC das Mittelfeld und die behäbigen Offensivversuche der Gäste werden wie beiläufig abgefangen. Allerdings steht eine gläserne Wand irgendwo vor dem Tor des Ingolstädter Keepers Fabijan Buntic. Der hat nichts zu halten, kaum etwas zu fangen und keine Probleme, seinen Kasten sauberzuhalten. 

Dennis Mast liefert von seiner Seite noch die vielversprechendsten Versuche, gefährlich vors Ingolstädter Tor zu kommen. Chancen aber sind das im Grund genommen alles nicht, denn sowohl die Abschlüsse des Mannes, der einst in der Regionalliga mit dem inzwischen fast schon vergessenen Dennis Wegner eine Traumflügelzange bildete, als auch die Schüsse von Julian Guttau und Terrence Boyd gehen jeweils weit am Tor vorbei oder bleiben in der Ingolstädter Blockademauer hängen.

So geht es torlos in die Pause, in der der Regen und die Gäste stärker werden, der HFC aber schwächer. Je dunkler die Wolken über dem Erdgas-Sportpark, den heute 3.200 Zuschauer hätten besuchen dürfen, in dem aber nur knapp über 2.400 erschienen sind, desto mehr kippt das Spiel des HFC von Tag zu Nacht.

Erstmals wieder mit Fans.
Ingolstadt läuft mehr und spielt mehr, ist sind jetzt die Gastgeber, die hinterherlaufen. Schiedsrichter Konrad Oldhafer aus Poppenbüttel, ein Drittliga-Debütant, tut ein übriges, das Kräfteverhältnis auf dem Platz kippen zu lassen: Hatte der Schiri-Neuling in der ersten Halbzeit allerlei strafwürdige Situationen verteilt gerecht laufen lassen, ist es jetzt Ingolstadt, das sich darauf verlassen kann, dass Oldhafer vor allem pfeift, wenn ein Roter grenzwertig agiert. Wird dagegen Terrence Boyd gefoult oder Marcel Titsch-Rivero hart angegangen, bleibt die Pfeife still. Oder, als Boyd den für den unsichtbaren Michael Eberwein eingewechselten Laurenz Dehl anspielt, der frei aufs Tor laufen könnte, sie schrillt doch. Foul gegen Boyd entscheidet Oldhafer. Und der Vorteil ist dahin. 

Zu diesem Zeitpunkt steht es allerdings schon 0:2 für die Gäste, die sich die beiden Tore nicht einmal selbst erarbeiten mussten. Das 1:0 erzielt FCI-Standardspezialist Marcel Gaus nach einem Einwurf, der mit einem verunglückten Schuss eines Ingolstädters bereits entschärft scheint. Aber Julian Guttau fälscht den Ball bei einem Rettungsversuch unglücklich ab, das Leder rollt zu Gaus und der bringt sein Team mit einem zweifellos sehr schönen Schuss ins lange Eck in Front. Kai Eisele ist chancenlos, denn der Ball segelt weit über ihm vorüber, weil er situationsgerecht noch im kurzen Eck steht. 

Auch das 2:0 für Ingolstadt resultiert aus einem unglücklichen Rettungsversuch. Jannes Vollert, bis dahin eine Abwehrbank wie sein Nebenmann Sören Reddemann, rutscht beim Versuch weg, einen Pass in die Spitze wegzuspitzeln. Stefan Kutschke, ein weitgereister Stürmer, den sie an der Saale noch nie geliebt haben, taucht prompt aus seiner bis dahin unübersehbaren Unsichtbarkeit auf. Und lenkt den Ball mit dem Außenrist am erneut chancenlosen Eisele vorbei ins Netz. Schön anzusehen, aber bitter für den HFC, der sich bis dahin  nicht viel vorzuwerfen hat - außer, dass die von Florian Schnorrenberg gewählte Sturmformation weder ausreichend Flanken noch präzise Flanken noch irgendeine andere Art zwingender Offensivaktionen zustande gebracht hat.

Mit den Wolken wird es dunkel und über der Hoffnung, mit einem zweiten Sieg einen echten Traumstart abzuliefern, wird es Nacht. Das 0:2 ist schon der Endstand, denn in den verbleibenden 23 Minuten wie auch in den obendrauf gepackten vier Nachspielminuten fällt der Elf von Florian Schnorrenberg rein gar nichts mehr ein. 

Von oben regnet es Hunde und Katzen, unten ist die Tristesse der traurigen Tage des letzten Spätherbstes ein bisschen zurück. Man weiß als Zuschauer nicht, was anders sein müsste, damit es besser wäre. Weder der eingewechselte Dehl noch die junge Dribbelhoffnung Jan Shcherbakovski können für neue Akzente oder gar eine Wende sorgen - wäre auch viel verlangt von zwei Neunzehnjährigen. Selbst als  Ingolstadt Dominik Franke mit Geld-Rot wegen Ballwegschlagens verliert, ruckt und zuckt an diesem Tag nichts mehr bei einem HFC, der mit der ersten Heimniederlage im ersten Heimspiel aus dem Euphoriemodus nach dem Sieg in Magdeburg schnell im mutmaßlichen Alltagsgeschäft der anstehenden Saison gelandet ist.


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